Anleitung zum TEXLive-System
TEX Collection 2007

Karl Berry (Herausgeber)
http://tug.org/texlive/
Verantwortlich für die deutsche Ausgabe
Klaus Höppner, klaus@dante.de
(DANTE e.V.)

Jänner 2007

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
 1.1 Einsatzmöglichkeiten des TEX Live-Systems der TEX Collection
 1.2 »Wo bekomme ich Hilfe?« oder »Hier werden Sie geholfen!«
2 Struktur des TEXLive-Systems
 2.1 Die Distributionen live, inst, protext
 2.2 Basisverzeichnisse
 2.3 Überblick über die vordefinierten texmf-Bäume
 2.4 TEX-Erweiterungen
 2.5 Weitere Programme der TEX Live
3 Installation und Anwendung von TEX Live unter UNIX
 3.1 TEX Live direkt vom Verteilungsmedium starten (UNIX)
 3.2 Installation des TEX Live-Systems auf der Festplatte
 3.3 Nicht interaktive Installation
 3.4 Installation einzelner Pakete auf einer Festplatte
4 Installationsnacharbeiten und Wartung
 4.1 Konfigurationsprogramm texconfig
 4.2 Testen der Installation
5 Installation unter Mac OS X
6 Installation und Einsatz unter Windows
 6.1 Installation von TEX Live auf Festplatte
 6.2 Installation von Support-Paketen für Windows
 6.3 Wartung Ihrer Installation
 6.4 Hinzufügen eigener Pakete zur existierenden Installation
 6.5 Benutzung von tlmp.exe in der Kommandozeile
 6.6 Installation im Netzwerk
 6.7 Win32-Unterschiede zum Standard-Web2C
 6.8 Persönliche Konfiguration
 6.9 Installation testen
 6.10 Drucken
 6.11 Tipps und Tricks für Win32-Plattformen
 6.12 Problemfälle
7 Anleitung zum Web2C-System
 7.1 Dateisuche mit der Kpathsea-Bibliothek
 7.2 Dateinamen-Datenbanken
 7.3 Einstellungen zur Laufzeit
8 Danksagungen
9 Geschichtliches
 9.1 Vergangenheit
 9.2 2003
 9.3 2004
 9.4 2005
 9.5 Gegenwart
 9.6 Zukunft

Abbildungsverzeichnis

Suche nach Konfigurationsdateien
Suche nach Prologdateien
Suche nach Font-Dateien

Tabellenverzeichnis

Unterstützte Betriebssysteme und Architekturen
Optionen im Installationshauptmenü

1 Einleitung

Diese Anleitung beschreibt das TEX Live-System. Die TEX Live enthält TEX/LATEX-Systeme für Linux, verschiedene UNIX-Plattformen, Mac OS X und (32-Bit)-Windows. Warnung: Für ältere Macintosh-Systeme und MS-DOS sind diese TEX-Systeme wenig hilfreich.

TEX Live enthält lauffähige Versionen von TEX, LaTeX2e, ConTEXt, Metafont, METAPOST, Makeindex, BibTeX und vielen anderen Programmen, sowie eine umfassende Auswahl an Makros, Zeichensätzen und Beschreibungen, die gemäß der Standard-TEX-Verzeichnisstruktur (TDS) abgelegt sind. TEX Live eignet sich somit zur Nutzung mit nahezu jeder TEX-Installation und erlaubt das Setzen von Schriften und Texten vieler Sprachen. Es ist Teil der TEX Collection, die in Zusammenarbeit mit den verschiedenen TEX-Benutzergruppen entstanden ist und kurz im Abschnitt 2 auf Seite 8 beschrieben wird.

Wenn Sie neuere Versionen der dort aufgeführten Pakete zu suchen wollen, gehen Sie am besten zu CTAN: http://www.ctan.org/.

Eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Änderungen der aktuellen TEX Live-Version gegenüber der Vorgängerversion finden Sie im Abschnitt 9 auf Seite 78.

1.1 Einsatzmöglichkeiten des TEX Live-Systems der TEX Collection

Sie können das TEX Live-System auf drei verschiedene Arten nutzen:

  1. Sie können auf Kosten der Ausführungsgeschwindigkeit alle zu TEX gehörenden Programme direkt von der live-DVD starten und auf alle Makros und Zeichensätze zugreifen (siehe hierzu Kapitel 2.1 auf Seite 9 über die verschiedenen Distributionen). Dieses Vorgehen benötigt kaum Plattenplatz – der Geschwindigkeitsverlust kann akzeptiert werden.
  2. Sie können das TEX Live-System komplett (oder Teile davon) auf einer lokalen Platte installieren. Dies ist sicherlich der Normalfall, erfordert aber mindestens 100 MB Plattenplatz. Für das empfohlene Standardsystem benötigen Sie 310 MB und für eine Komplettinstallation bis zu 1,3 GB an Plattenspeicherplatz.
  3. Sie haben die Möglichkeit, Ihr bestehendes TEX-System durch Pakete oder Sammlungen von der DVD und CD-ROM zu ergänzen. Dabei ist es gleichgültig, welches TEX-System Sie benutzen.

Alles das wird bei den betreffenden Installationsanleitungen für jedes Betriebssystem ausführlich erläutert. Hier das Notwendigste:

1.2 »Wo bekomme ich Hilfe?« oder »Hier werden Sie geholfen!«

Die TEX-Gemeinschaft ist ebenso aktiv wie hilfsbereit, und es wird praktisch jede ernst gemeinte Frage beantwortet. Diese Hilfe ist allerdings nicht formal organisiert, sondern wird von Freiwilligen in ihrer Freizeit geleistet. Es ist daher ernst gemeint, dass Sie vor einer Fragestellung Ihre »Hausaufgaben« gemacht haben. Falls Sie auf eine garantierte kommerzielle Unterstützung angewiesen sind oder eine solche bevorzugen, sollten Sie die Finger vollständig vom TEX Live-System lassen und in der Aufstellung unter http://tug.org/interest.html#vendors nach einem geeigneten Händler suchen.

Die folgende Liste stellt die leicht zugänglichen Quellen in der empfohlenen Reihenfolge vor:

Einführung:

Wenn Sie TEX-Anfänger sind und eine englische Einführung in das System benötigen, sollten Sie das WWW- Dokument http://tug.org/begin.html (Englisch) lesen.

Für deutschsprachige LATEX-Anfänger ist die »LaTeX2e-Kurzbeschreibung« von großem Nutzen (texmf-doc/doc/german/lshort-german/).

TEX-FAQs:

Die TEX-FAQ (im Deutschen de-tex-faq »Fragen und Antworten [FAQ] über das Textsatzsystem TeX und DANTE, Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V.«) ist ein riesiges Kompendium mit Fragen (und Antworten) aller Art, von der einfachsten Anfängerfrage bis zu Expertenwissen. Sie ist Bestandteil des TEX Live-Systems (texmf-doc/doc/german/FAQ-ge/) und umfasst zur Zeit 182 Seiten als PDF-Datei (texmf-doc/doc/german/FAQ-ge/de-tex-faq.pdf). Darüber hinaus ist die FAQ als HTML-Datei (texmf-doc/doc/german/FAQ-ge/html/index.html) und als durchsuchbare Textdatei (texmf-doc/doc/german/FAQ-ge/text/index.html) enthalten. Im Internet finden Sie die FAQ unter http://www.dante.de/faq/de-tex-faq/; zudem wird die Textversion regelmäßig zur Monatsmitte in die News-Gruppen news:de.comp.text.tex, news:de.answers und news:news.answers verschickt. Die FAQ besteht aus mehreren Teilen, wobei jeder Teil ohne News-Header nicht länger als ca. 32 KB ist.

Des Weiteren existiert eine englischsprachige FAQ-Sammlung (texmf-doc/doc/english/FAQ-en/), die auch im Internet verfügbar ist (http://www.tex.ac.uk/faq).

Bitte nutzen Sie bei Problemen zu allererst diese beiden Möglichkeiten.

TEX-Catalogue:

Wenn Sie auf der Suche nach einem bestimmten Paket, Font, Programm u. ä. sind, empfiehlt sich ein Blick in den TEX-Catalogue. Dieser Katalog enthält eine Liste aller verfügbaren TEX-spezifischen Dinge (siehe texmf-doc/doc/english/catalogue oder http://www.ctan.org/tex-archive/help/Catalogue/).
TEX-WWW-Ressourcen:

Im WWW-Dokument http://tug.org/interest.html finden Sie eine große Anzahl TEX-spezifischer Links zu Büchern, Manuals und Artikeln zu allen Aspekten des TEX-Systems.
Archive:

Ein Forum für die Hilfestellung sind die Usenet-News-Gruppen news:de.comp.text.tex (Deutsch), news:comp.text.tex (Englisch) und die Mailing-Liste texhax@tug.org. In deren Archiven finden sich die Fragen und Antworten vieler Jahre. Ihre Suche können Sie in Google beispielsweise mit http://groups.google.de/groups?group=de.comp.text.tex starten – oder auch in http://tug.org/mail-archives/texhax/.

Im Allgemeinen ist es recht Erfolg versprechend, eine generelle Suche über Google http://www.google.de/ durchzuführen (entweder im WWW allgemein oder in den News-Gruppen); dies insbesondere, wenn es sich um Fragen über PostScript/PDF, Ghostscript u. ä. handelt.

Fragen stellen:

Wenn Sie mit den oben aufgezeigten Möglichkeiten immer noch keine Antwort auf Ihre Frage gefunden haben, können Sie die Frage auch in einer News-Gruppe stellen (neudeutsch: posten). Hier bietet sich für den deutschsprachigen Raum die News-Gruppe news:de.comp.text.tex an. Benutzen Sie am besten für Anfragen Google (http://groups.google.de/groups?group=de.comp.text.tex) oder einen Newsreader. Fragen an die englischsprachige Gruppe news:comp.text.tex (bei Google: http://groups.google.de/groups?group=comp.text.tex) sollten Sie bitte nur in Englisch stellen.

Zusätzlich existieren E-Mail-Diskussionslisten, wobei hier die deutschsprachige Liste TeX-D-L@listserv.dfn.de zu nennen ist (das englischsprachige Äquivalent ist texhax@tug.org). Darüber hinaus bietet sich für Mitglieder von DANTE e.V. der Beraterkreis an (beraterkreis@dante.de). Wie Sie sich in die E-Mail-Liste TeX-D-L eintragen können, finden Sie in der FAQ unter »1.3.2 Was ist TeX-D-L?«.

Bevor Sie aber eine Frage absenden, lesen Sie bitte die entsprechenden Einträge der FAQ zum Thema »Wie stelle ich eine Frage in einer Newsgroup, damit ich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Antwort bekomme?«. So z. B. »1.3.1 Was ist ‘de.comp.text.tex’?« und »1.3.7 Was sollte ich gelesen haben, bevor ich eine Frage in ‘de.comp.text.tex’ oder der Diskussionsliste TeX-D-L stelle?« oder auch http://www.tex.ac.uk/cgi-bin/texfaq2html?label=askquestion.

Mithilfe:

Wenn Sie einen Fehler melden wollen oder Empfehlungen und Kommentare zur TEX Live-Verteilung, -Installation oder -Dokumentation geben möchten, sollten Sie die E-Mail-Liste tex-live@tug.org nutzen. Korrekturen, Anmerkungen und Erweiterungen für die deutsche Übersetzung können Sie auch an cdrom@dante.de oder schriftlich an die Geschäftsstelle von DANTE e.V. senden.

Fragen zu Programmen, die Sie in der TEX Collection finden, sollten Sie besser auf einer der oben genannten Mailing-Listen stellen oder direkt an den Programmautor richten.

Auf der anderen Seite können auch Sie mit Ihrem Wissen helfen. Die News-Gruppen news:de.comp.text.tex (in Deutsch), news:comp.text.tex (in Englisch) und die Mailing-Liste TeX-D-L@listserv.dfn.de (Deutsch) und texhax@tug.org (Englisch) stehen allen offen. Wenn Sie also dort mitlesen, scheuen Sie sich nicht, Fragen, zu denen Sie eine Antwort wissen, zu beantworten und damit anderen zu helfen.

2 Struktur des TEX Live-Systems

In diesem Abschnitt beschreiben wir Struktur und Inhalt des TEX Live-Systems und der übergeordneten TEX Collection.

2.1 Die Distributionen live, inst, protext

Das Material des TEX Live-Systems war von Jahr zu Jahr angewachsen und hatte den Rahmen, der durch die Größe einer CD-ROM vorgegeben war, gesprengt. Um nicht wieder eine willkürliche Auswahl unter den unzähligen Paketen, Zeichensätzen und Hilfsprogrammen treffen zu müssen, wurde schon 2003 der Entschluss gefasst, die TEX Collection in unterschiedliche Distributionen zu zerlegen. Im Einzelnen:

live

ist ein vollständiges System auf einer DVD. Mit mehr als 1,1 GB ist es zu groß für eine CD-ROM. Es kann auf Festplatte installiert oder direkt von der DVD gestartet werden. Zusätzlich enthält die DVD unabhängig vom TEX Live-System die MacTEX-Distribution für Mac OS X, proTEXt – eine alternative TEX-Distribution für MS Windows, die auf MiKTEXbasiert – und ein fast vollständiges Abbild des CTAN-Archivs (Stand: Oktober 2005) und eine Sammlung verschiedener Pakete in einem texmf-extra-Verzeichnis.

Wenn Sie die DVD unter Windows »mounten«, bietet Ihnen das Setup-Programm an, protext zu starten (siehe unten). Es berücksichtigt dabei auch CTAN und TEX Live, die sich in Unterverzeichnissen der obersten Stufe auf der DVD befinden.

Für CTAN und den Verzeichnisbaum texmf-extra gelten andere Weitergabe-Bedingungen als für TEX Live. Achten Sie bitte darauf, wenn Sie diese (oder Teile) weitergeben oder modifizieren.

inst

(installable) ist ein Komplettsystem auf CD-ROM. Um dies zu ermöglichen, wurden alle Dateien auf dieser CD-ROM komprimiert. Daher kann man TEX auch nicht direkt von der inst-CD-ROM laufen lassen, sondern muss es auf der Festplatte installieren. Die Installation entspricht dem Vorgehen bei der Installation von der live-DVD auf der Festplatte und wird in späteren Abschnitten beschrieben.

protext

ProTEXt ist eine Erweiterung der MiKTEX-Distribution für Windows. Es ergänzt MiKTEX durch einige Tools (u. a. WinEdt, TeXnicCenter, Ghostscript/GSView), ist völlig unabhängig vom TEX Live-System und hat eine eigene Installation. ProTEXt kann auf Festplatte installiert oder direkt gestartet werden. Informationen zu ProTEXt finden Sie im WWW übrigens unter http://tug.org/protext/.

ProTEXt wird sowohl auf der live-DVD als auch auf einer eigenen CD-ROM angeboten (für diejenigen, die die DVD nicht benutzen können).

Welche der drei Distributionen Sie geladen haben, zeigt ihnen die Datei »00typ.TL« im Wurzelverzeichnis des Verteilungsmediums. Für die inst-Version der Distribution finden Sie die Datei mit dem Namen »00INST.TL«. Die Datei enthält das Release-Datum und beschreibt den möglichen Einsatz der Distribution und ihre Einschränkungen:

   This is the TeX Live ‘inst’ distribution.  You can *not* run programs
   directly from it, you must install it to disk.  It includes all packages.

Alle DANTE-Mitglieder erhalten die TEX Live-DVD als Beilage zur Vereinszeitschrift »Die TEXnische Komödie«. Für all diejenigen, die nichts mit der DVD anfangen können, ist auf Anfrage auch eine TEX Live-CD-ROM erhältlich. Zusätzlich gibt es auch eine ProTEXt-CD-ROM. Wenden Sie sich bitte an das Büro von DANTE, Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V., wenn Sie Interesse an einer der beiden CD-ROMs haben.

2.2 Basisverzeichnisse

In diesem Abschnitt beschreiben wir die Basisverzeichnisse der TEX Live-Distribution.

Auf der live-DVD befindet sich die gesamte TEX Live-Hierarchie im Unterverzeichnis texliveYYYY – nicht im Wurzelverzeichnis der DVD.

bin

ausführbare Programme des TEX-Systems; jeweils für die verschiedenen Rechnerplattformen in Unterverzeichnissen zusammengefasst

source

Quelldateien aller Programme inklusive der Web2C-Quellen für die TEX- und Metafont-Pakete als komprimierte bzip2-Archive

support

verschiedene Programme und Hilfspakete, die nicht automatisch mitinstalliert werden, wie z. B. Editoren und TEX-Shells

texmf

Verzeichnisbaum für Programme und zugehörigen Hilfsdateien und Anleitungen; enthält keine TEX-Formate und Pakete (siehe TEXMFMAIN im nächsten Abschnitt)

texmf-dist

Hauptbaum mit Formaten und Paketen (siehe TEXMFDIST im nächsten Abschnitt)

texmf-doc

Verzeichnisbaum mit vollständigen Dokumentationen (ohne andere installierte Dateien); sortiert nach Sprachen

texmf-var

Verzeichnisbaum für automatisch erzeugte und gespeicherte Dateien für TEX, Metafont und andere (siehe TEXMFSYSVAR im nächsten Abschnitt),

xemtex

Verzeichnis mit nützlichen Programmen für Windows aus dem XEmTEX-Paket (Alle diese Programme sind auf UNIX-Systemen in der Regel vorinstalliert oder lassen sich zumindest leicht kompilieren.)

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Verzeichnissen finden Sie im Wurzelverzeichnis der Distribution auch noch die Installationsskripte und die README-Dateien in verschiedenen Sprachen.

Das Verzeichnis texmf-doc enthält zwar nur Anleitungen, bei weitem aber nicht die gesamte Dokumentation: Die Dokumentation für Programme (Handbücher, »man pages«, GNU-info-Dateien) beispielsweise finden Sie im Verzeichnis texmf/doc, da die Programme selbst sich im Verzeichnis texmf befinden. Ähnliches gilt für die Dokumentation der TEX-Pakete und -Formate im Verzeichnis texmf-dist/doc.

Benutzen Sie die Programme texdoc oder texdoctk, wenn Sie auf der Suche nach irgendeiner Dokumentationsdatei sind. Hilfreich in diesem Zusammenhang könnte auch die Link-Sammlung doc.html im Wurzelverzeichnis sein.

2.3 Überblick über die vordefinierten texmf-Bäume

Dieser Abschnitt listet alle vordefinierten texmf-Bäume, die vom System benutzt werden, und deren Bedeutung auf. Das Kommando texconfig conf zeigt Ihnen die aktuellen Einstellungen dieser Variablen an.

TEXMFMAIN

In diesem Baum befinden sich wichtige Teile des Systems, Hilfsprogramme (wie web2c/mktexdir), pool-Dateien und andere Hilfsdateien.

TEXMFDIST

In diesem Baum befinden sich die wesentlichen Makro-Pakete, Fonts usw. Dieser Baum enthält systemunabhängige Daten, die prinzipiell von jedem TDS-kompatiblem TEX-System nutzbar sein sollten.

TEXMFLOCAL

Dieser Baum ist für Ergänzungen oder Aktualisierungen von Makros, Fonts etc. gedacht, die Administratoren für alle Nutzer installieren.

TEXMFHOME

In diesem Baum können einzelne Nutzer Ergänzungen oder Aktualisierungen von Makros, Fonts etc. ablegen. Standardmäßig befindet sich dieser Baum unterhalb von $HOME, so dass andere Nutzer von Änderungen hier nicht beeinflusst werden.

TEXMFCONFIG

Dieser Baum wird von den Hilfsprogrammen von teTEX wie texconfig, updmap und fmtutil verwendet. Standardmäßig befindet sich dieser Baum unterhalb von $HOME, so dass andere Nutzer von Änderungen hier nicht beeinflusst werden.

TEXMFSYSCONFIG

Dieser Baum wird von den Hilfsprogrammen von teTEX wie texconfig-sys, updmap-sys und fmtutil-sys verwendet, so dass hier das Verhalten des TEX Live-Systems für alle Nutzer beeinflusst werden kann.

TEXMFVAR

Dieser Baum wird von Hilfsprogrammen wie texconfig, updmap und fmtutil benutzt, um automatisch generierte Konfigurations-Dateien abzulegen.

TEXMFSYSVAR

Dieser Baum wird von den systemweiten Hilfsprogrammen wie texconfig-sys, updmap-sys und fmtutil-sys verwendet, um automatisch generierte Konfigurations-Dateien abzulegen.

Für näherere Hinweise zu texconfig und zu den davon abhängigen Hilfsprogrammen siehe Abschnitt 4.1 auf Seite 34.

2.4 TEX-Erweiterungen

Unter den TEX-Systemen der TEX Live befinden sich verschiedene TEX-Erweiterungen:

e-TEX

stellt bei 100%-iger Kompatibilität zum normalen TEX einen kleinen, aber mächtigen Satz neuer Befehle bereit (für Makroexpansion, Character-Scanning, zusätzliche Klassen für »marks«, erweiterte Debug-Möglichkeiten und andere). Zusätzlich gibt es noch die TEX--XE T-Erweiterungen für den bidirektionalen Textsatz, wie er beispielsweise im Arabischen gebraucht wird. Im voreingestellten Modus ist e-TEX 100%-ig kompatibel mit dem »normalen« TEX. Die Dokumentation zu e-TEX finden Sie in der Datei texmf-dist/doc/etex/base/etex_man.pdf.

pdfTEX

enhält die e-TEX Erweiterungen, und erlaubt zusätzlich die Ausgabe in PDF-Dateien sowie DVI-Dateien. Die Dokumentation zu pdfTEX finden Sie unter texmf/doc/pdftex/manual/pdftex-a.pdf. In der Datei texmf/doc/pdftex/manual/samplepdf/samplepdf.tex finden Sie ein Anwendungsbeispiel. Das LATEX-Paket hyperref besitzt die Option pdftex, mit der Möglichkeiten für aktive Querverweise von PDF (Hypertext) zur Verfügung gestellt werden. Es ist die voreingestellte »Engine« für alle Formate außer plainTEX. Näheres finden Sie in der Dokumentation.

XeTeX

bietet die Unterstützung von Unicode Zeichensätzen und OpenType Schriften durch diverse zusätzliche Bibliotheken. Mehr Informationen sind unter http://scripts.sil.org/xetex verfügbar.

Omega

(Omega) ist ein TEX-System, das intern mit Unicode (16-Bit-Unicode-Zeichen) arbeitet und damit das gleichzeitige Arbeiten mit nahezu allen auf der Welt eingesetzten Schriften und deren Zeichenkodierungen erlaubt. Außerdem werden über dynamisch geladene, sogenannte »Omega Translation Processes« (OTPs), Transformationen zur Verfügung gestellt, die beliebige Eingaben vor der Bearbeitung durch TEX nach bestimmten Regeln umformen. Die (nicht ganz aktuelle) Anleitung zu Omega finden Sie in dem TEX Live-System in der Datei texmf-dist/doc/omega/base/doc-1.8.tex.

 aleph

(Aleph) vereinigt die Omega- und e-TEX-Erweiterungen. Eine Minimaldokumentation finden Sie in texmf-dist/doc/aleph/base.

2.5 Weitere Programme der TEX Live

TEX Live enthält eine ganze Reihe unterstützender Programme wie

bibtex

Verwalten von Bibliographien

dv2dt, dt2dv

dvi nach ASCII und umgekehrt

dviconcat

Zusammenfügen von DVI-Dateien

dvips

Konversion von DVI in PostScript

dviselect

Ausschneiden von Seiten aus DVI-Dateien

dvipdfmx

DVI-nach-PDF-Konverter (erzeugt auch CJK-konformes PDF aus DVI-Dateien mit Omega-Erweiterungen), als Alternative zu pdfTEX.

dvilj

Druckertreiber für die HP-LaserJet-Familie

lacheck

LATEX-Syntax-Überprüfung

makeindex

Erzeugen eines Stichwortverzeichnisses

mpost

Metafont-ähnliches Grafikprogramm

psnup

mehrere logische PostScript-Seiten auf einem Blatt platzieren

psselect

Ausschneiden von Seiten aus PostScript-Dateien

tex4ht

TEX-nach-HTML -Konvertierung

texexec

ConTEXt- und PDF-Prozessor.

xdvi

DVI-Bildschirmausgabe im X-Window-System

3 Installation und Anwendung von TEX Live unter UNIX

Wie schon in Kapitel 1.1 auf Seite 6 ausgeführt, können Sie TEX Live auf drei Arten nutzen:

  1. Sie können das TEX Live-System direkt vom Verteilungsmedium laufen lassen (gilt für die live-DVD).
  2. Sie können das Gesamtsystem oder Teile davon auf Ihrer Festplatte installieren (gilt für die live-DVD, die inst- und protext-CD-ROM).
  3. Sie können einzelne Pakete in Ihr bestehendes TEX-System integrieren, gleichgültig, ob es ein TEX Live-System oder ein anderes ist (gilt für die live-DVD, die inst- und protext-CD-ROM).

Die folgenden Abschnitte beschreiben für UNIX jedes dieser drei Verfahren ausführlich zum Nachvollziehen. Im Folgenden werden die Eingaben des Benutzers nach dem Kommando-Prompt »>« unterstrichen dargestellt.


Achtung: Die CD-ROMs und die DVD der TEX Collection wurden im Format ISO-9660 (High Sierra) mit Rock-Ridge- und Joliet-Erweiterungen produziert. Damit Ihr UNIX-Rechner die TEX Collection optimal nutzen kann, muss Ihr System diese Erweiterungen unterstützen. Schlagen Sie in der Systemdokumentation des Befehls mount nach, um zu ermitteln, ob Ihr System diese Erweiterungen unterstützt. Falls Sie die TEX Collection in einem lokalen Netzwerk einsetzen, suchen Sie sich einen Rechner aus, der die Erweiterungen unterstützt und »mounten« Sie die anderen Rechner auf diesen.

Moderne Linux-, BSD-, Sun- und SGI-Systeme haben normalerweise keine Schwierigkeiten, TEX Live zu benutzen. Wenn Sie ein anderes System einsetzen und TEX Live erfolgreich einbinden konnten, bitten wir Sie um detaillierte Anweisungen, um diese Anleitung weiter verbessern zu können.

Der Rest der Anleitung geht davon aus, dass Sie die TEX Collection erfolgreich unter Verwendung der Rock-Ridge- und Joliet-Erweiterungen »mounten« konnten.


3.1 TEX Live direkt vom Verteilungsmedium starten (UNIX)

Sie können TEX direkt von der live-DVD starten, ohne es vorher auf Festplatte installieren zu müssen (daher der Name TEX »Live«). Es ist aber nicht möglich, TEX direkt von den CD-ROMs laufen zu lassen (siehe hierzu Kapitel 2.1 auf Seite 9 über die verschiedenen Distributionen). In den folgenden Installationsschritten benutzen wir »>« für die Eingabeaufforderung und Unterstreichung für Benutzereingaben. Zuerst »mounten« Sie die CD-ROM oder DVD unter Verwendung der Rock-Ridge- Erweiterungen. Das Kommando hierfür variiert von System zu System; die nachfolgenden Befehle funktionieren unter Linux; nur der Name des CD-ROM-/DVD-Laufwerks (hier /dev/cdrom) muss u. U. angepasst werden.

> mount -t iso9660 /dev/cdrom /mnt/cdrom

Wechseln Sie mit Ihrem aktuellen Verzeichnis zum Mount-Point:

> cd /mnt/cdrom

Unter Mac OS X werden CD-ROMs und DVDs automatisch »gemountet«; ein mount ist deshalb überflüssig. Das Verteilungsmedium wird in das Verzeichnis /Volumes/ »gemountet«. Starten Sie das Installationsskript install-tl.sh:

> sh install-tl.sh
Welcome to TeX Live...

Nach den Begrüßungsmeldungen und der Ausgabe der Hauptmenü-Liste werden Sie aufgefordert, ein Kommando einzugeben. Geben Sie die gewünschte Option ein und schließen Sie die Eingabe mit »Return« ab. Bei der Eingabe bleiben Groß- oder Kleinschreibung unberücksichtigt; in unseren Beispielen benutzen wir die Kleinschreibung.

Um das TEX Live-System direkt vom Verteilungsmedium laufen zu lassen, müssen wir als erstes Kommando d eingeben und dann das Unterkommando 1, um die Verzeichnisse zu erzeugen. Obwohl wir alle Programme von CD-ROM oder DVD laufen lassen, muss trotzdem ein Verzeichnis auf der lokalen Platte eingerichtet werden, um Dateien, die TEX während der Laufzeiten erzeugt wurden (beispielsweise Fonts, Formate und geänderte Konfigurationsdateien), abgelegt werden können. Im folgenden Beispiel benutzen wir /opt/texlive2007 (wenn die Voreinstellung /usr/local/texlive2005 für Sie in Ordnung ist, können Sie den folgenden Schritt überspringen). Wir empfehlen, das Erscheinungsjahr von TEX Live in den Pfadnamen – wie oben im Beispiel – aufzunehmen, damit ältere TEX Live-Installationen nicht beeinflusst werden, und da erstellte Dateien im allgemeinen nicht zwischen den Ausgaben kompatibel sind.

Enter command: d
Current directories setup:
<1>  TEXDIR:     /usr/local/texlive/2007
...
Enter command: 1
New value for TEXDIR [/usr/local/texlive/2007]: /opt/texlive2007
...
Enter command: r
:1

Zurück im Hauptmenü, geben wir unser zweites und letztes Kommando r ein, um den Modus »von CD-ROM/DVD laufen lassen (keine Installation auf Disk)« zu erreichen:

Enter command: r
Preparing destination directories...
...
Welcome to the TeX Live!
>

Nun sind wir wieder zurück am System-Prompt »>«.

Der letzte Schritt zu einem funktionsfähigen TEX Live-System ist die Änderung zweier Environment-Variablen: PATH und TEXMFSYSVAR. Die Variable PATH muss um das Verzeichnis erweitert werden, in dem die Programme der verwendeten Architektur liegen; TEXMFSYSVAR erhält die Verzeichnis-Angabe, die oben festgelegt wurde. In Tabelle 1 sehen Sie eine Liste der verfügbaren Architekturen für die verschiedenen Systeme.

Direkt im Anschluss an die Installation und das Setzen der Environment-Variablen wird texconfig oder texconfig-sys aufgerufen, um das TEX-System an Ihre lokalen Gegebenheiten anzupassen. Dieser Schritt wird im Abschnitt 4.1 auf Seite 34 näher erläutert.


Tabelle 1: Unterstützte Betriebssysteme und Architekturen


Betriebssystem/Plattform Version


HP Alpha GNU/Linux alpha-linux
HPPA HP-UX hppa-hpux
Intel x86 Mac OS X i386-darwin
Intel x86 FreeBSD i386-freebsd
Intel x86 GNU/Linux i386-linux
Intel x86 OpenBSD i386-openbsd
Intel x86 Solaris i386-solaris
SGI IRIX mips-irix
IBM RS/6000 AIX 4.3.* powerpc-aix
Mac OS X powerpc-darwin
Sun Sparc GNU/Linux sparc-linux
Sun Sparc Solaris sparc-solaris
Windows 9X/ME/2K/NT/XP (32 bit) win32
Intel x68 64-Bit GNU/Linux x86_64-linux



Die Syntax für das Setzen einer Environment-Variable und der Name der Initialisierungsdatei, in die sie geschrieben wird, hängt von der Shell ab, die Sie benutzen. Benutzer, die eine Shell einsetzen, die kompatibel zur Bourne-Shell ist (z. B. sh, bash, ksh, usw.), können die folgenden Zeilen in Ihre Datei $HOME/.profile einfügen:

   PATH=/mnt/cdrom/bin/archname:$PATH; export PATH
   TEXMFSYSVAR=/opt/texlive2007/texmf-var; export TEXMFSYSVAR

Für C-Shell-kompatible Shells (z. B. csh, tcsh) sind die folgenden Zeilen in die Datei $HOME/.cshrc aufzunehmen:

   setenv PATH      /mnt/cdrom/bin/archname:$PATH
   setenv TEXMFSYSVAR /opt/texlive2007/texmf-var

Nach dieser Änderung loggen Sie sich aus und wieder ein und testen Ihre Installation (siehe Abschnitt 4.2 auf Seite 35.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie Ihren lokalen System-Guru um Rat, denn es variiert beispielsweise, wie CD-ROMs oder DVDs zu »mounten« sind, welche Verzeichnisse benutzt werden dürfen oder wie die Änderungen in den Initialisierungsdateien vorgenommen werden müssen.

3.2 Installation des TEX Live-Systems auf der Festplatte

Es ist sicherlich der Standardfall, das TEX Live-System auf der Festplatte zu installieren. Dies kann von der TEX Collection-DVD oder der TEX Live-CD-ROM erfolgen. (lesen Sie Abschnitt 2.1 auf Seite 9 für eine Erläuterung der verschiedenen Distributionen.)

Zuerst »mounten« Sie die CD-ROM oder DVD unter Verwendung der Rock-Ridge-Erweiterungen. Das Kommando hierfür variiert von System zu System; die nachfolgenden Befehle funktionieren unter Linux; nur der Name des CD-ROM-/DVD-Laufwerks (hier /dev/cdrom) muss u. U. angepasst werden.

> mount -t iso9660 /dev/cdrom /mnt/cdrom

Wechseln Sie mit Ihrem aktuellen Verzeichnis zum Mount-Point:

> cd /mnt/cdrom

Unter Mac OS X werden CD-ROMs und DVDs automatisch »gemountet«; ein mount ist deshalb überflüssig. Das Verteilungsmedium wird in das Verzeichnis /Volumes/ »gemountet«. Starten Sie das Installationsskript install-tl.sh:

> sh install-tl.sh
Welcome to TeX Live...

Nach den Begrüßungsmeldungen und der Ausgabe der Hauptmenü-Liste werden Sie aufgefordert, ein Kommando einzugeben. Geben Sie die gewünschte Option ein und schließen Sie die Eingabe mit »Return« ab. Bei der Eingabe bleiben Groß- oder Kleinschreibung unberücksichtigt; in unseren Beispielen benutzen wir die Kleinschreibung.

Die Tabelle 2 listet die Optionen des Hauptmenüs auf. Die Abfolge, in der Sie die einzelnen Optionen auswählen, ist unerheblich, mit Ausnahme von »i«, was stets am Ende steht. Wir erläutern die einzelnen Optionen in der angegebenen Reihenfolge:


Tabelle 2: Optionen im Installationshauptmenü
p

The platform you are running on.

Plattform ändern

b

The architectures for which to install binaries.

Programme für andere Plattformen installieren

s

The base installation scheme to use (minimal, recommended, full, etc.

Installations-Schema auswählen

c

Override the base scheme for individual collections.

Installations-Schema ändern

l

Override for language collections.

Sprachschema ändern

d

Directories in which to install.

Installationsverzeichnisse festlegen

o

Other options.

allgemeine Installationsoptionen

i

Perform the installation.

Installation starten


Die Optionen im Einzelnen:

Wenn die Installation abgeschlossen ist, so besteht der nächste Schritt darin, die Variable PATH so zu ergänzen, dass die neu-installierten Programme im architektur-spezifischen Verzeichnis unterhalb von $TEXDIR/bin gefunden werden. Die unterstützten Architekturen sind in der Tabelle 1 auf Seite 20 zu finden. Sie können sich aber auch einfach den Inhalt des Verzeichnisses in $TEXDIR/bin ausgeben lassen.

Die Syntax für das Setzen einer Environment-Variable und der Name der Initialisierungsdatei, in die sie geschrieben wird, hängen von der Shell ab, die Sie benutzen. Benutzer, die eine Shell einsetzen, die kompatibel zur Bourne-Shell ist (z. B. sh, bash, ksh, usw.), können folgende Zeilen in Ihre Datei $HOME/.profile aufnehmen:

   PATH=/usr/local/texlive/2007/bin/archname:$PATH; export PATH

Für C-Shell-kompatible Shells (z. B. csh, tcsh) sind die folgenden Zeilen in die Datei $HOME/.cshrc aufzunehmen:

   setenv PATH /usr/local/texlive/2007/bin/archname:$PATH

Direkt im Anschluss an die Installation und das Setzen der Environment-Variablen wird texconfig oder texconfig-sys aufgerufen, um das TEX-System an Ihre lokalen Gegebenheiten anzupassen. Dieser Schritt wird im Abschnitt 4.1 auf Seite 34 näher erläutert.

Es folgt ein kurzes kommentiertes Beispiel für eine volle Installation der »Live«-Version (DVD oder inst-CD-ROM) mit den Binärdateien für das aktuelle System und den oben vorgeschlagenen Verzeichnis-Änderungen. In diesem Fall ist daher nur das Kommando i erforderlich. Das Zeichen »>« steht wie üblich für den Kommandozeilen-Prompt.

> sh install-tl.sh
i                         # perform installation
> texconfig ...
# New PATH, with Linux as the example:
> PATH=/usr/local/texlive/2007/bin/i386-linux:$PATH; export PATH

Falls Ihr Unix System den manpath Befehl enthält (für detailierte Informationen siehe man manpath) können Sie die man Seiten von TEX Live systemweit für den normalen man Befehl zur Verfügung stellen in dem Sie die Datei /etc/manpath.config editieren (wofür Sie aber wahrscheinlich root Berechtigung brauchen). Durch Hinzufügen des folgenden Eintrages im der Datei /etc/manpath.config werden die man Seiten von TEX Live ohne weitere Anpassungen von man gefunden (bitte passen Sie folgende Pfade an ihr System an):

  MANPATH_MAP /usr/local/texlive/2007/bin/i386-linux \
              /usr/local/texlive/2007/texmf/doc/man

Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie Ihren lokalen System-Guru um Rat, denn es variiert beispielsweise, wie CD-ROMs oder DVDs zu »mounten« sind, welche Verzeichnisse benutzt werden dürfen oder wie die Änderungen in den Initialisierungsdateien vorgenommen werden müssen.

3.3 Nicht interaktive Installation

Die Vorgabeverzeichnisse können durch das Setzen von Umgebungsvariablen geändert werden, wodurch eine automatische, d. h. nicht interaktive Installation ermöglicht wird, siehe folgendes Beispiel:

> TEXLIVE_INSTALL_PREFIX=/opt/texlive
> export TEXLIVE_INSTALL_PREFIX
> echo i | sh install-tl.sh

Die Umgebungsvariable TEXLIVE_INSTALL_PREFIX überschreibt die Vorgabe für /usr/local/texlive, während alles andere unverändert bleibt – daher würde obiges Beispiel die gesamte Installation nach /opt/texlive/2007 durchführen.

Wie üblich unter Unix kann das echo i durch eine beliebe Folge von Eingabebefehlen durch ein »here« Dokument ersetzt werden, so dass eine beliebige Folge von Befehlen ausgeführt werden kann.

Folgende Liste gibt die möglichen Umgebungsvariablen an:

TEXLIVE_INSTALL_PREFIX

Überschreibt /usr/local/texlive.

TEXLIVE_INSTALL_TEXDIR

Überschreibt $TEXLIVE_INSTALL_PREFIX/2007.

TEXLIVE_INSTALL_TEXMFLOCAL

Überschreibt $TEXLIVE_INSTALL_PREFIX/texmf-var.

TEXLIVE_INSTALL_TEXMFSYSVAR

Überschreibt $TEXLIVE_INSTALL_TEXDIR/texmf-var.

TEXLIVE_INSTALL_TEXMFHOME

Überschreibt $HOME/texmf.

Es wäre besser die GNU Standardmethode mit configure und Optionen zu unterstützen anstelle der Umgebungsvariablen. Freiwillige für die Implementierung sind herzliche willkommen.

3.4 Installation einzelner Pakete auf einer Festplatte

Sie können die TEX Live auch dazu benutzen, ein bestehendes TEX-System auf den neuesten Stand zu bringen bzw. die Daten einer bestehenden Installation durch einzelne Pakete oder Sammlungen zu ergänzen.

Zuerst »mounten« Sie die CD-ROM oder DVD unter Verwendung der Rock-Ridge-Erweiterungen. Das Kommando hierfür variiert von System zu System; die nachfolgenden Befehle funktionieren unter Linux; nur der Name des CD-ROM-/DVD-Laufwerks (hier /dev/cdrom) muss u. U. angepasst werden.

> mount -t iso9660 /dev/cdrom /mnt/cdrom

Wechseln Sie mit Ihrem aktuellen Verzeichnis zum Mount-Point:

> cd /mnt/cdrom

Unter Mac OS X werden CD-ROMs und DVDs automatisch »gemountet«; ein mount ist deshalb überflüssig. Das Verteilungsmedium wird in das Verzeichnis /Volumes/ »gemountet«.

Führen Sie das für diesen Zweck vorgesehene Installations-Skript install-pkg.sh aus (das im vorigen Abschnitt vorgestellte Skript install-tl.sh ist nur für eine Erstinstallation gedacht):

> sh install-pkg.sh Optionen

Das Skript kann über Kommandozeilenparameter gesteuert werden. Die ersten zwei dienen zur Auswahl des zu installierenden Pakets, zur Auswahl der Sammlung (z. B. »tex-mathextra«), zur Angabe des Verzeichnisses, auf das das Medium »gemountet« ist und zur Angabe des Verzeichnisses, das die Dateilisten der Pakete enthält (diese beiden werden automatisch gesetzt):

--package=pgk-name

Name des gewünschten Pakets (package)

--collection=coll-name

Name der gewünschten Sammlung (collection)

--nodoc

Dokumentationsdateien nicht mitkopieren

--nosrc

Quelldateien nicht mitkopieren

--cddir=cd-dir

Quellverzeichnis, von dem gelesen wird (Voreinstellung ist das aktuelle Verzeichnis): Wenn Sie die oben stehenden Anweisungen befolgt haben, befinden Sie sich im Distributionsverzeichnis und müssen keine Änderungen vornehmen.

--listdir=list-dir

das sogenannte »list«-Verzeichnis innerhalb von cd-dir, von dem die Paket-Informationen gelesen werden: Die Voreinstellung für list-dir ist cd-dir/texmf/tpm/lists; der einzige Grund für eine Änderung läge vor, wenn Sie Änderungen am TEX Live-System selbst vornähmen.

Die eigentliche Aktion wird durch weitere Parameter gesteuert. Die ersten beiden verhindern die Installation der Dokumentation bzw. der Quelldateien eines Pakets. Der dritte verhindert den Aufruf von mktexlsr beim Abschluss der Installation, womit die Datenbank der Verzeichnisstruktur neu aufgebaut würde. Der vierte Parameter dient zur Anzeige der zu installierenden Dateien, ohne dass die Installation tatsächlich durchgeführt wird. Der Umfang der Informationen über die aktuellen Tätigkeiten des Skripts kann vergrößert werden und zu guter Letzt kann noch aus einem zu installierenden Paket (oder Sammlung) ein tar-Archiv erzeugt werden, in dem die Dateien schon die korrekte texmf-Verzeichnisstruktur haben.

--listonly

Auflistung, welche Dateien in einem Paket oder einer Sammlung sind; keine Installation des Pakets

--archive=tarfile

Statt das angegebene Paket oder die Sammlung zu installieren, wird ein tar-Archiv erzeugt.

Zusätzliche Optionen:

--nohash

kein Hash-Lauf von mktexlsr

--config

nach der Installation einen Konfigurationslauf mit »texconfig init« durchführen

--verbose

mehr Informationen ausgeben, was das Skript während seines Laufs macht

Hier einige Beispiele für die Verwendung des Skripts:

  1. Wollen Sie beispielsweise wissen, welche Dateien mit dem Paket fancyhdr installiert werden würden, ist folgender Befehl einzugeben, der die entsprechende Ausgabe zur Folge hat:

    > sh install-pkg.sh --package=fancyhdr --listonly

         texmf/doc/latex/fancyhdr/README
         texmf/doc/latex/fancyhdr/fancyhdr.dvi
         texmf/doc/latex/fancyhdr/fancyhdr.tex