Anleitung zur TEX Live Installation

Version 2016

Karl Berry (Herausgeber)
verantwortlich für die deutsche Ausgabe:
Uwe Ziegenhagen, ziegenhagen@gmail.com
Köln, 16. Mai 2016

Die diesjährige TEX Live Distribution ist Sebastian Rahtz und
Peter Breitenlohner gewidmet, die leider verstorben sind.

Inhaltsverzeichnis

1  Einleitung
 1.1  TEX Live und die TEX Live-Collection
 1.2  Unterstützung verschiedener Betriebssysteme
 1.3  Einsatzmöglichkeiten des TEX Live-Systems der TEX Collection
 1.4  TEX Live und Sicherheit
 1.5  Hilfe zu TEX, LA TEX& Co
2  Überblick zum TEX Live-System
 2.1  Die TEX Collection: TEX Live, proTEXt, MacTEX
 2.2  Basisverzeichnisse von TEX Live
 2.3  Überblick über die vordenierten texmf-Bäume
 2.4  TEX-Erweiterungen
 2.5  Weitere Programme von TEX Live
3  Installation von TEX Live
 3.1  Das Installationsprogramm
 3.2  Unix
 3.3  MacOSX
 3.4  Windows
 3.5  Cygwin
 3.6  Installation im Textmodus
 3.7  Installation mit Benutzeroberäche im Expertenmodus
 3.8  Installation mit einfacher Benutzeroberäche (wizard mode)
 3.9  Benutzung des Installationsprogramms
 3.10  Auswahl der Binaries (nur für Unix)
 3.11  Auswahl der zu installierenden Komponenten
 3.12  Verzeichnisse
 3.13  Optionen
 3.14  Kommandozeilenoptionen für die Installation
 3.15  Die Option repository
 3.16  Aufgaben im Anschluss an die Installation
  3.16.1  Windows
  3.16.2  Unix, falls symbolische Links angelegt wurden
  3.16.3  Umgebungsvariablen für Unix
  3.16.4  Systemweites Setzen von Umgebungsvariablen
  3.16.5  Internet-Updates nach der Installation von DVD
  3.16.6  Font conguration für xeTEX
  3.16.7  ConTEXt Mark IV
  3.16.8  Integration lokaler bzw. nutzer-spezischer Makros
  3.16.9  Integrieren von Schriften
 3.17  Testen der Installation
 3.18  Hinweise auf weitere Software
4  Installation für mehrere Maschinen oder Nutzer (Netz-Installation)
5  Portables TEX Live auf DVD oder USB-Stick
  5.0.1  ISO- (oder DVD-) Installationen
6  tlmgr: Installation verwalten
 6.1  tlmgr im graschen Modus
 6.2  Beispiel zur Verwendung von tlmgr über Kommandozeile
7  Hinweise zu Windows
 7.1  Windows-spezische Dinge
 7.2  Zusätzlich enthaltene Programme unter Windows
 7.3  Nutzerprole unter Windows
 7.4  Die Windows-Registry
 7.5  Windows Zugriskontrolle
 7.6  Erhöhen des maximal verfügbaren Speichers unter Windows und Cygwin
8  Anleitung zum Web2C-System
 8.1  Dateisuche mit der Kpathsea-Bibliothek
  8.1.1  Bestandteile von Pfadkomponenten
  8.1.2  Kongurationsdateien
  8.1.3  Expansion von Pfadkomponenten
  8.1.4  Expansion der Voreinstellungen
  8.1.5  Expansion geschweifter Klammern
  8.1.6  Expansion von Unterverzeichnissen
  8.1.7  Liste der Sonderzeichen und ihre Bedeutung: eine Zusammenfassung
 8.2  Dateinamen-Datenbanken
  8.2.1  Die ls-R-Datenbank
  8.2.2  kpsewhich: Dateisuche
  8.2.3  Anwendungsbeispiele
  8.2.4  Fehlersuche
 8.3  Einstellungen zur Laufzeit
9  Danksagungen
10  Geschichtliches
 10.1  Vergangenheit
 10.2  TEX Live 2003
 10.3  TEX Live 2004
 10.4  TEX Live 2005
 10.5  TEX Live 20062007
 10.6  TEX Live 2008
 10.7  TEX Live 2009
 10.8  TEX Live 2010
 10.9  TEX Live 2011
 10.10  TEX Live 2012
 10.11  TEX Live 2013
 10.12  TEX Live 2014
 10.13  TEX Live 2015
 10.14  Gegenwart (2016)
 10.15  Zukunft

Abbildungsverzeichnis

3.1 Erste Stufe des Windows-Installationsprogramms
3.2 Hauptmenü des Installationsprogramms (GNU/Linux).
3.3 Grasche Installation im Expertenmodus.
3.4 Wizard mode (Windows)
3.5 Auswahlmenü für Binaries
3.6 Menü zur Auswahl des Schemas
3.7 Menü zur Aus- oder Abwahl von Collections.
6.1 tlmgr im GUI-Modus. Hauptfenster nach dem Klick auf „Load.
6.2 tlmgr im GUI-Modus: Allgemeine Optionen
6.3 tlmgr im GUI-Modus: Optionen zur Papiergröe.
7.1 PS_View, sogar sehr extreme Vergröerungen sind möglich.
8.1 Suche nach Kongurationsdateien.
8.2 Suche nach Prologdateien.
8.3 Suche nach Font-Dateien.

1  Einleitung

1.1  TEX Live und die TEX Live-Collection

Diese Anleitung beschreibt das TEX Live-System an sich, nicht die Arbeit mit TEX bzw. LATEX.

Die TEX Live Distribution enthält TEX/LATEX-Systeme für Linux, verschiedene UNIX-Plattformen, Mac OSX und Windows. Sowohl TEX Live als auch die TEX Collection sind durch das Engagement vieler Freiwilliger aus vielen TEX-Vereinen entstanden.

Wahrscheinlich haben Sie TEX Live auf einem von zwei Wegen bezogen, entweder per direktem Download von TEX Live oder als Teil der DVD TEX Collection, die von vielen TEX-Vereinen (u. a. DANTE e. V.) an ihre Mitglieder verschickt werden und in Deutschland über die Fachbuchhandlung Lehmanns (http://www.lob.de) vertrieben wird. Kapitel 2.1 beschreibt kurz den Inhalt der TEX Collection-DVD.

TEX Live enthält lauffähige Versionen von TEX, LATEX2ε, ConTEXt, MetaFont, MetaPost, BibTEX und vielen anderen Programmen, sowie eine umfassende Auswahl an Makros, Zeichensätzen und Beschreibungen, die gemä der Standard-TEX- Verzeichnisstruktur (TDS) abgelegt sind.

Eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Änderungen der aktuellen TEX Live-Version gegenüber der Vorgängerversion nden Sie im Kapitel 10.14 auf Seite 146.

1.2  Unterstützung verschiedener Betriebssysteme

TEX Live enthält direkt ausführbare Programme für viele Unix-basierte Betriebssysteme, insbesondere GNU/Linux und Mac OSX und Cygwin. Selbst wenn für Ihr Unix-System wider Erwarten keine ausführbaren Programme enthalten sind, sollten Sie in der Lage sein, aus den mitgelieferten Programm-Quellen ein funktionierendes TEX-System zu kompilieren.

Bezüglich Microsoft Windows werden Versionen ab Windows XP unterstützt, frühere Versionen werden nicht unterstützt. Es existieren zwar keine 64-Bit-Versionen der Programme, allerdings sollten die 32-Bit-Programme problemlos auf 64-Bit-Systemen funktionieren.

1.3  Einsatzmöglichkeiten des TEX Live-Systems der TEX Collection

Sie können das TEX Live-System wahlweise von der DVD oder über das Internet (http://tug.org/texlive/acquire.html) installieren. Der Net Installer ist ein kleines Programm, das die benötigten Teile aus dem Internet nachlädt. Dieser Weg bietet sich an (eine schnelle und stabile Internetverbindung voraus gesetzt), wenn Sie kein komplettes TEX Live installieren wollen, sondern Ihr System nur aus bestimmten Paketen bestehen soll.

Wenn Sie die DVD besitzen (oder das ISO-Image der DVD herunter geladen haben dieses kann auf einigen Systemen sogar direkt als virtuelles Medium „gemountet werden), können Sie TEX Live nach Wunsch auf Ihrer Festplatte installieren. Im Gegensatz zu früher ist TEX Live nicht mehr direkt von der DVD lauähig. Sie können aber eine portable Version z. B. auf einem USB-Stick installieren, wie in Kapitel 5 beschrieben.

Beide Methoden werden in den Abschnitten zur Installation beschrieben. Hier daher nur die kurze Zusammenfassung:

1.4  TEX Live und Sicherheit

Nach bestem Wissen und Gewissen kann man sagen, dass die TEX-Kernprogramme selbst sehr robust sind. Dieses Ma an Robustheit und Sicherheit wird jedoch möglicherweise nicht von allen Programmen erreicht, die Teil von TEX Live sind. Daher gilt für TEX Live das, was auch für alle anderen Programme gilt: Vorsicht bei der Verarbeitung von Quellcode, den man nicht genau kennt! Zur maximalen Sicherheit sollte man in diesen Fällen die entsprechenden Dateien in einem neuen Unterverzeichnis verarbeiten.

Die Sorge um die Sicherheit gilt vor allem für Microsoft Windows, da Windows-Programme zuerst im aktuellen Verzeichnis suchen, egal wie Pfad-Angaben gesetzt sind. Theoretisch ermöglicht dies eine Reihe von Angrisszenarien. Viele Sicherheitslücken in Programmen von TEX Live wurden geschlossen, andere bestehen auch weiterhin, besonders im Umgang mit Drittanbieter-Software.

Aus diesem Grund empfehlen wir bei der Verarbeitung von unbekanntem Quellcode, auf das Vorhandensein von ausführbaren Dateien im Quellcode-Verzeichnis zu achten. Diese sollten nicht vorhanden sein und erst recht nicht durch die Verarbeitung von TEX-Quellcode erzeugt worden sein.

TEX und seine Begleitprogramme können in Dateien schreiben, wenn ein Dokument übersetzt wird. Diese Funktion kann auch missbräuchlich eingesetzt werden. Daher ist bei der Verarbeitung von unbekannten Quellen die Nutzung eines neuen Unterverzeichnisses der sicherste Weg!

1.5  Hilfe zu TEX, LATEX & Co

Die TEX-Gemeinschaft ist ebenso aktiv wie hilfsbereit, und es wird praktisch jede ernst gemeinte Frage beantwortet. Diese Hilfe ist allerdings nicht formal organisiert, sondern wird von Freiwilligen in ihrer Freizeit geleistet. Es ist daher wichtig, dass Sie vor einer Fragestellung Ihre „Hausaufgaben erledigen.

Die folgende Liste stellt die leicht zugänglichen Hilfe-Quellen in der empfohlenen Reihenfolge vor:

Einführung:
Wenn Sie TEX-Anfänger sind und eine englische Einführung in das System benötigen, sollten Sie http://tug.org/begin.html lesen.

Für deutschsprachige LATEX-Anfänger ist die „LATEX2ε-Kurzbeschreibung von groem Nutzen (texmf-doc/doc/german/lshort-german/l2kurz.pdf).

TEX-FAQs:
Die TEX-FAQ (im Deutschen de-tex-faq) über das Textsatzsystem TeX und Dante, die Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V., ist ein riesiges Kompendium mit Fragen (und Antworten) aller Art, von der einfachsten Anfängerfrage bis zu Expertenwissen.

Sie nden die deutschsprachige FAQ unter http://www.dante.de/FAQ.html. Des Weiteren existiert eine englischsprachige FAQ, die im Internet unter http://www.tex.ac.uk/faq verfügbar ist.

Bitte schauen Sie bei auftretenden Problemen, insbesondere wenn Sie als Anfänger mit TEX/LATEX arbeiten, zuerst diese beiden Möglichkeiten.

TEX-Catalogue:
Wenn Sie auf der Suche nach einem bestimmten Paket, Font, Programm u. ä. sind, empehlt sich ein Blick in den TEX-Catalogue unter http://www.ctan.org/tex-archive/help/Catalogue/catalogue.html. Dieser Katalog enthält eine Liste aller verfügbaren TEX-spezischen Dinge.
TEX-WWW-Ressourcen:
Unter http://tug.org/interest.html nden Sie eine groe Anzahl TEX-spezischer Links zu Büchern, Handbüchern und Artikeln zu allen Aspekten des TEX-Systems.
Archive:
Als Foren für die Hilfestellung sind die Usenet-News-Gruppen (Für eine Einführung zum Usenet siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Usenet.) news:de.comp.text.tex (Deutsch), news:comp.text.tex (Englisch), die Mailing-Liste texhax@tug.org sowie das Internet-Forum http://tex.stackexchange.com zu nennen.

In deren Archiven nden sich die Fragen und Antworten vieler Jahre. Ihre Suche können Sie in Google beispielsweise mit http://groups.google.de/group/de.comp.text.tex/topics starten oder auch in http://tug.org/mail-archives/texhax durchführen.

Im Allgemeinen ist es recht erfolgversprechend, eine generelle Suche über Google http://www.google.de/ durchzuführen (entweder im Internet allgemein oder in den o. g. News-Gruppen); dies insbesondere, wenn es sich um Fragen über PostScript/PDF, Ghostscript u. ä. handelt.

Online-Foren:
Neben den bereits genannten Quellen gibt es Foren im Internet, in denen Sie Ihre Frage stellen können: http://tex.stackexchange.com, http://golatex.de, http://mrunix.de/forums/forumdisplay.php?f=38
sind nur einige, die Hilfe zu TEX & LATEX anbieten.

Auch hier gilt: Je mehr Mühe Sie sich mit dem Stellen von Fragen geben, desto besser kann Ihnen geholfen werden.

Fragen stellen:
Wenn Sie mit den oben aufgezeigten Möglichkeiten immer noch keine Antwort auf Ihre Frage gefunden haben, können Sie die Frage auch in einer News-Gruppe stellen (neudeutsch: posten). Hier bietet sich für den deutschsprachigen Raum die News-Gruppe news:de.comp.text.tex an. Benutzen Sie am besten für Anfragen Google (http://groups.google.de/group/de.comp.text.tex/topics) oder einen Newsreader. Fragen an die englischsprachige Gruppe news:comp.text.tex (bei Google: http://groups.google.de/group/comp.text.tex/topics) sollten Sie bitte nur auf Englisch stellen.

Zusätzlich existieren E-Mail-Listen, wobei hier die deutschsprachige Liste TeX-D-L@listserv.dfn.de zu nennen ist (das englischsprachige Äquivalent ist texhax@tug.org). Darüber hinaus bietet sich für Mitglieder von Dante e.V. der Beraterkreis an (beraterkreis@dante.de). Wie Sie sich in die E-Mail-Liste TeX-D-L eintragen können, nden Sie in der FAQ unter „1.3.2 Was ist TeX-D-L?.

Bevor Sie eine Frage absenden, lesen Sie bitte die entsprechenden Einträge der FAQ zum Thema „Wie stelle ich eine Frage in einer Newsgroup, damit ich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Antwort bekomme?, wie z. B. „1.3.1 Was ist 'de.comp.text.tex'? und „1.3.7 Was sollte ich gelesen haben, bevor ich eine Frage in 'de.comp.text.tex' oder der Diskussionsliste TeX-D-L stelle?.

Mithilfe:
Wenn Sie einen Fehler melden wollen oder Empfehlungen und Kommentare zur TEX Live-Verteilung, -Installation oder -Dokumentation geben möchten, sollten Sie die E-Mail-Liste tex-live@tug.org nutzen. Korrekturen, Anmerkungen und Erweiterungen für die deutsche Übersetzung können Sie auch an ziegenhagen@gmail.com direkt senden.

Fragen zu Programmen, die Sie in der TEX Collection nden, sollten Sie besser auf einer der oben genannten Mailing-Listen stellen oder direkt an den Programmautor richten.

Auf der anderen Seite können auch Sie mit Ihrem Wissen helfen. Die News-Gruppen news:de.comp.text.tex (in Deutsch), news:comp.text.tex (in Englisch) und die Mailing-Liste TeX-D-L@listserv.dfn.de (Deutsch) und texhax@tug.org (Englisch) stehen allen oen. Wenn Sie also dort mitlesen, scheuen Sie sich nicht, Fragen, zu denen Sie eine Antwort wissen, zu beantworten und damit anderen zu helfen.

Falls Sie auf eine garantierte kommerzielle Unterstützung angewiesen sind oder eine solche bevorzugen, sollten Sie die Finger komplett vom TEX Live-System lassen und in der Liste unter http://tug.org/interest.html#vendors nach einem geeigneten Händler suchen.

2  Überblick zum TEX Live-System

In diesem Kapitel beschreiben wir die Struktur und den Inhalt des TEX Live-Systems und der TEX Collection-DVD.

2.1  Die TEX Collection: TEX Live, proTEXt, MacTEX

Bestandteile der DVD:

TEX Live
Ein komplettes TEX-System, wahlweise zur Installation auf einer Festplatte oder einem Wechselmedium (USB-Stick). Die Homepage des TEX Live-Projektes nden Sie unter http://tug.org/texlive/.
MacTEX
für Mac OSX. Dieses enthält das komplette TEX Live, bietet zusätzlich aber ein Installationsprogramm für Mac und einige Zusatzprogramme. Nähere Informationen nden Sie auf der Homepage von MacTEX unter http://tug.org/mactex/.
proTEXt
basiert auf der MiKTEX-Distribution für Windows. Es enthält noch einige Zusatzprogramme und stellt eine einfache Installationsanleitung bereit, die Schritt für Schritt den Weg zu einem kompletten TEX-System beschreibt. Die Homepage von proTEXt ndet sich unter http://tug.org/protext.
CTAN
Weiterhin ist auf der DVD ein Teil der TEX-bezogenen Software enthalten, die sich in CTAN, dem Comprehensive TEX Archive Network (http://www.ctan.org) benden.
texmf-extra
In diesem Verzeichnis benden sich zusätzliche Pakete, die kein Teil von TEX Live sind.

CTAN, protext und texmf-extra unterliegen nicht denselben Lizenzregeln wie TEX Live. Daher können für Teile hieraus andere Lizenzbedingungen bezüglich einer Weiterverteilung oder Modikation gelten, die Sie unbedingt beachten sollten!

2.2  Basisverzeichnisse von TEX Live

In diesem Kapitel beschreiben wir die Basisverzeichnisse einer TEX Live-Installation.

bin

ausführbare Programme des TEX-Systems. Jeweils für die verschiedenen Rechnerplattformen in Unterverzeichnissen zusammengefasst

readme-*.dir

in diesen Verzeichnissen (!) benden sich Text- bzw. HTML-Dateien in verschiedenen Sprachen, die als schneller Einstieg in TEX Live empfehlenswert sind.

source

Quelldateien aller Programme inklusive der Webc-Quellen für die TEX-Pakete

texmf-dist

Hauptbaum mit Formaten und Paketen (siehe TEXMFDIST im nächsten Kapitel).

tlpkg

Skripte, Programme, und Daten die für die Installation benutzt werden, sowie einige Dinge, die speziell für Windows benötigt werden.

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Verzeichnissen nden Sie im Wurzelverzeichnis der Distribution auch noch Installationsskripte.

Wenn Sie nach Dokumentation suchen, bietet Ihnen die Datei doc.html wichtige Links. Die Dokumentation für Programme (Handbücher, man pages, GNU-info-Dateien) beispielsweise nden Sie im Verzeichnis texmf/doc. Ähnliches gilt für die Dokumentation der TEX-Pakete und -Formate im Verzeichnis texmf-dist/doc.

Benutzen Sie das Programm texdoc, wenn Sie auf der Suche nach irgendeiner Dokumentationsdatei sind. Hilfreich in diesem Zusammenhang könnte auch die Link-Sammlung doc.html im Wurzelverzeichnis sein.

Die Anleitung zu TEX Live ist in verschiedenen Sprachen verfügbar auf der DVD verfügbar:

Deutsch:
texmf-dist/doc/german/texlive-de/texlive-de (dieses Dokument)
Englisch:
texmf-dist/doc/english/texlive-en/texlive-en
Französisch:
texmf-dist/doc/french/texlive-fr/texlive-fr
Italienisch:
texmf-dist/doc/italian/texlive-it/texlive-it
Polnisch:
texmf-dist/doc/polish/texlive-pl/texlive-pl
Russisch:
texmf-dist/doc/russian/texlive-ru/texlive-ru
Serbisch:
texmf-dist/doc/serbian/texlive-sr/texlive-sr
Tschechisch/Slowakisch:
texmf-dist/doc/czechslovak/texlive-cz/live
Chinesisch:
texmf-dist/doc/chinese/texlive-zh-cn/texlive-zh-cn

2.3  Überblick über die vordenierten texmf-Bäume

Dieser Kapitel listet die vordenierten texmf-Bäume, die vom System benutzt werden, und deren Bedeutung auf. Das Kommando tlmgr conf zeigt Ihnen die aktuellen Einstellungen dieser Variablen an.

TEXMFMAIN
In diesem Baum benden sich wichtige Teile des Systems, wie Kongurationsdateien, Hilfsprogramme und die Dokumentation.
TEXMFDIST
In diesem Baum benden sich fast alle Dateien der ursprünglichen Distribution: Makro-Pakete, Fonts usw. Dieser Baum enthält systemunabhängige Daten, die prinzipiell von jedem TDS-kompatiblem TEX-System nutzbar sein sollten. Eine Ausnahme bilden die ausführbaren Binärdateien, die unterhalb des bin/ Verzeichnisses liegen.
TEXMFLOCAL
Dieser Baum ist für Ergänzungen oder Aktualisierungen von Makros, Fonts etc. gedacht, die Administratoren für alle Nutzer installieren.
TEXMFHOME
In diesem Baum können einzelne Nutzer Ergänzungen oder Aktualisierungen von Makros, Fonts etc. ablegen. Standardmäig bendet sich dieser Baum unterhalb von $HOME, so dass andere Nutzer von Änderungen hier nicht beeinusst werden.
TEXMFCONFIG
Dieser benutzerspezische (!) Baum wird von den Hilfsprogrammen von TEX wie texconfig, updmap und fmtutil verwendet. Standardmäig bendet sich dieser Baum unterhalb von $HOME, so dass andere Nutzer von Änderungen hier nicht beeinusst werden.
TEXMFSYSCONFIG
Systemweiter Baum, wird von den Hilfsprogrammen texconfig-sys, updmap-sys und fmtutil-sys verwendet, so dass hier das Verhalten des TEX Live-Systems für alle Nutzer beeinusst werden kann.
TEXMFSYSVAR
Dieser Baum wird von den systemweiten Hilfsprogrammen wie texconfig-sys, updmap-sys und fmtutil-sys verwendet, um automatisch generierte Kongurations-Dateien abzulegen.
TEXMFVAR
Dieser benutzerspezische Baum wird von Hilfsprogrammen wie zum Beispiel texconfig, updmap und fmtutil benutzt, um automatisch generierte Kongurations-Dateien abzulegen.
TEXMFCACHE
Dieser Baum wird von ConTEXt MkIV und LuaLATEX genutzt, um Cache-Daten abzulegen. Standardmäig zeigt dieser Pfad auf TEXMFSYSVAR oder (falls dieser nicht beschreibbar ist), auf TEXMFVAR.

Der Standard der Verzeichnisstruktur von TEX Live sieht wie folgt aus:

Systemweites Wurzelverzeichnis
kann TEX Live-Versionen aus mehreren Jahren beinhalten:
2014
Eine Vorversion von TEX Live.
2015
Die aktuelle Version.
bin
 
i386-linux
GNU/Linux binaries
...
universal-darwin
Mac OSX binaries
win32
Windows binaries
texmf-dist  
Hierauf verweisen TEXMFMAIN und TEXMFDIST
texmf-var  
TEXMFSYSVAR
texmf-cong   
TEXMFSYSCONFIG
texmf-local
TEXMFLOCAL, dieses Verzeichnis gilt für alle installierten TEX Live-Versionen (aktuelle Version und Vorgängerversion), so dass hier durchgeführte lokale Änderungen über die Jahre hinweg erhalten bleiben.
Home-Verzeichnis des Benutzers
($HOME oder %USERPROFILE%):
.texlive2014
Vom Nutzer privat erzeugte Dateien und Kongurationsdaten der Vorversion.
.texlive2015
Vom Nutzer privat erzeugte Dateien und Kongurationsdaten für die aktuelle Version von TEX Live.
texmf-var   
TEXMFVAR
texmf-cong
TEXMFCONFIG
texmf
TEXMFHOME Persönliche Makros, Fonts usw. des Nutzers.

2.4  TEX-Erweiterungen

Das originale TEX von Donald Knuth ist nal und wird von seltenen Bugxes nicht verändert. Es ist Teil von TEX Live, dies wird auch auf absehbare Zeit so bleiben.

Unter den TEX-Systemen der TEX Live benden sich verschiedene TEX-Erweiterungen:

eTEX
stellt bei 100%-iger Kompatibilität zum ursprünglichen TEX einen kleinen, aber mächtigen Satz neuer Befehle bereit (für Makroexpansion, Character-Scanning, erweiterte Debug-Möglichkeiten, etc.). Zusätzlich gibt es noch die TeXXeT-Erweiterungen für den bidirektionalen Textsatz, wie er beispielsweise im Arabischen gebraucht wird. Im voreingestellten Modus ist eTEX 100%-ig kompatibel mit dem „normalen TEX. Die Dokumentation zu eTEX nden Sie in der Datei texmf-dist/doc/etex/base/etex_man.pdf.
pdfTEX
enthält die eTEX Erweiterungen und erlaubt neben der Ausgabe in PDF-Dateien auch die Erstellung von DVI-Dateien. Für die meisten TEX-Formate (wie etex, latex, pdflatex) wird tatsächlich pdfTEX aufgerufen. Die Webseite von pdfTEX lautet http://www.pdftex.org.

Die Dokumentation zu pdfTEX nden Sie unter
texmf-dist/doc/pdftex/manual/pdftex-a.pdf.

LuaTEX
bendet sich noch in Entwicklung und ist als zukünftiger Nachfolger von pdfTEX vorgesehen, zu dem es weitgehend abwärtskompatibel bleiben soll. Weiterhin soll es auch Aleph (http://en.wikipedia.org/wiki/Omega_(TeX)) ersetzen, auch wenn es nicht kompatibel dazu sein wird. Durch den enthaltenen Lua-Interpreter (siehe http://www.lua.org/) können satztechnische Herausforderungen, die in TEX selbst nur mühsam lösbar sind, elegant gelöst werden.

Wird es unter dem Namen texlua aufgerufen, verhält es sich wie ein eigenständiger Lua-Interpreter und wird als solcher in vielen Skripten von TEX Live bereits benutzt. Für weitere Informationen siehe http://www.luatex.org.

XeTeX
bietet die Unterstützung von Unicode-Zeichensätzen und OpenType-Schriften, mehr Informationen sind unter http://tug.org/xetex verfügbar.
OMEGA
(Omega) ist ein TEX-System, welches intern mit Unicode (16-Bit-Unicode- Zeichen) arbeitet und damit das gleichzeitige Arbeiten mit nahezu allen auf der Welt eingesetzten Schriften und deren Zeichenkodierungen erlaubt. Auerdem werden über dynamisch geladene, sogenannte „OMEGA Translation Processes Transformationen zur Verfügung gestellt, die beliebige Eingaben vor der Bearbeitung durch TEX nach bestimmten Regeln umformen. Omega ist nicht länger als eigenständiges Programm Teil von TEX Live; es wird nur noch Aleph mitgeliefert.
(Aleph) vereinigt die OMEGA- und eTEX-Erweiterungen. Eine Minimaldokumentation nden Sie in texmf-dist/doc/aleph/base.

2.5  Weitere Programme von TEX Live

TEX Live enthält eine ganze Reihe unterstützender Programme wie

bibtex, bibtex8
zur Verwaltung von Bibliographien
biber
zum Verwalten von Bibliographien, soll bibtex ablösen
dviconcat
Zusammenfügen von DVI-Dateien
dvips
Konversion von DVI in PostScript
dviselect
Ausschneiden von Seiten aus DVI-Dateien
dvipdfmx
DVI-nach-PDF-Konverter (erzeugt auch CJK-konformes PDF aus DVI-Dateien mit OMEGA-Erweiterungen)
dvilj
Druckertreiber für die HP-LaserJet-Familie
makeindex, xindy
Erzeugen eines Stichwortverzeichnisses
mpost
MetaFont-ähnliches Grakprogramm
psnup, psselect
PostScript-Tools
pdfjam, pdfjoin
PDF-Tools
context, mtxrun
ConTEXt and PDF processor.
htlatex,
tex4ht: LATEX-zu-HTML (und XML) Konverter.
xdvi
DVI-Bildschirmausgabe im X-Window-System

3  Installation von TEX Live

3.1  Das Installationsprogramm

Zur Installation von TEX Live benötigen Sie die TEX Collection-DVD oder den „TEX Live Net Installer aus dem Internet.

Net Installer, zip oder tar.gz:
Verfügbar von CTAN, unter systems/texlive/tlnet; die URL http://mirror.ctan.org/systems/texlive/tlnet leitet Sie automatisch an einen nahe gelegenen Server des CTAN-Netzwerks weiter. Sie können entweder die Datei install-tl.zip herunter laden, die sowohl für Unix als auch Windows gedacht ist, oder die deutlich kleinere Datei install-unx.tar.gz, die aber nur den Installer für Unix enthält. Nach dem Auspacken nden Sie die Dateien install-tl (Unix) bzw. install-tl-windows.bat (Windows) im Verzeichnis install-tl.
Net installer, Windows exe:
Download von CTAN wie oben beschrieben, dann doppelklicken. Dies startet die erste Stufe des Installationsprogramms und Entpackers (siehe Abbildung 3.1). Zur Auswahl stehen dann: Einfache Installation, die den Installations-Wizard startet, Benutzerdenierte Installation für das Experten-Frontend und als dritte Option nur das Entpacken.
TEX Collection DVD:
Hier nden Sie die Dateien install-tl (Unix) bzw. unter Windows install-tl-windows.bat im Verzeichnis texlive der DVD. Unter Windows startet beim Einlegen der DVD im Allgemeinen automatisch ein Programm, bei dem Sie unter anderem das Installationsprogramm von TEX Live auswählen können. Die DVD erhalten Sie als Mitglied eines TEX-Vereins (wie http://www.dante.de für den deutschsprachigen Raum, von der Fachbuchhandlung Lehmanns (http://www.lob.de) oder international von der TEX Users Group (http://tug.org/store).

Alternativ können Sie das ISO-Image der TEX Live aus dem Internet laden. Nach der Installation von der DVD sollten Sie die Internet-Aktualisierung aktivieren, für Details siehe Kapitel 3.16.5.


PIC

Abbildung 3.1: Erste Stufe des Windows-Installationsprogramms


Egal welche Quelle verwendet wird, es wird der gleiche Installer genutzt. Der hauptsächliche Unterschied ist, dass man bei der Verwendung des Net-Installers die neuesten verfügbaren Pakete direkt aus dem Internet erhält. Bei der Verwendung von DVD und ISO Images erhält man den Stand des letzten Major Release. Zwischen zwei Major Releases gibt es keine Aktualisierung der DVD oder ISO Images.

Die folgenden Kapitel beschreiben die Installation für die einzelnen Betriebssysteme.

3.2  Unix

Im Folgenden werden die Eingaben des Benutzers nach dem Kommando-Prompt > fett dargestellt.

Das Skript install-tl ist ein Perl-Skript. Am Einfachsten starten Sie es auf einem Unix-System in der Kommandozeile mit

> cd /pfad/zum/installer
> perl install-tl

(Sie können auch direkt perl /pfad/zum/installer/install-tl eingeben. Wenn Ihre DVD so gemountet ist, dass als ausführbar gekennzeichnete Skripte direkt gestartet werden können, können Sie im Verzeichnis des Installers auch direkt ./install-tl eingeben.) Eventuell müssen Sie Ihr Terminalfenster gröer machen, damit Sie den kompletten Text sehen (Abb. 3.2)

Zum Installieren mit Hilfe einer Benutzeroberäche (Abb. 3.3) verwenden Sie

> perl install-tl -gui

Hierfür muss das Perl/TK-Modul mit XFT-Unterstützung (diese ist bei GNU/Linux in der Regel mit einkompiliert, auf anderen Systemen eventuell nicht) auf Ihrem System installiert sein.

Alle Optionen des Installationsprogramms werden mit

> perl install-tl -help
angezeigt.

Wichtiger Hinweis zu den Zugrisrechten unter Unix: Ihre aktuelle Einstellung von umask wird bei der Installation von TEX Live berücksichtigt. Daher müssen Sie darauf achten, dass Sie hierfür einen sinnvollen Wert einstellen (z. B. umask002), wenn Ihre Installation auch durch andere Nutzer als Sie benutzt werden soll. Falls Sie unsicher sind, was dies bedeutet, schauen Sie bitte in die Anleitung zu umask (indem Sie das Kommando man umask eingeben oder im Internet danach suchen).

Besonderheit bei Cygwin: Im Gegensatz zu anderen Unix-basierten Systemen fehlen bei Cygwin im Allgemeinen einige Programme, die vom Installationsprogramm von TEX Live vorausgesetzt werden. Bitte lesen Sie den Kapitel 3.5.

3.3  MacOSX

Wie in Kapitel 2.1 bereits erwähnt wurde, existiert mit MacTEX (http://tug.org/mactex) ein eigenes TEX-System für Mac OSX. Dieses enthält ein komplettes TEX Live mit einem Installationsprogramm, das in Funktionalität und Aussehen der üblichen Installation von Software unter Mac OSX entspricht. Weiterhin sind einige Zusatzprogramme sowie Mac-spezische Anwendungen und Dokumentationen enthalten.

Wenn Sie die TEX Collection-DVD besitzen, empehlt es sich daher, MacTEX zu verwenden.

3.4  Windows

Wenn Sie den Net Installer verwenden, oder auf Ihrem System beim Einlegen der DVD das Installationsprogramm nicht automatisch gestartet wurde, können Sie die Installation von TEX Live im Windows-Explorer durch einen Doppelklick auf install-tl-windows.bat (auf der DVD bendet sich diese Datei im Verzeichnis texlive) starten.

Falls Sie bei der Installation mehr Optionen benötigen (z. B. die Auswahl spezischer Paketgruppen), starten Sie stattdessen install-tl-advanced.bat.

Alternativ können Sie eine cmd-Eingabeauorderung verwenden, dort in das Verzeichnis wechseln, in dem sich das Installationsprogramm bendet und

D:\texlive\> install-tl

eingeben ...> kennzeichnet hierbei den Eingabeprompt. Ihre Eingabe ist bold/fett dargestellt.

Alternativ können Sie die Installation auch aus einem beliebigen Verzeichnis heraus starten:

> D:\texlive\install-tl

wobei wir hier annehmen, dass sich ihre TEX Collection-DVD im Laufwerk D: bendet. Abb. 3.4 zeigt das grasche Installationsprogramm im wizard mode, das unter Windows standardmäig verwendet wird.

Zur Installation im Textmodus verwenden Sie:

> install-tl -no-gui

Alle vorhandenen Optionen, die beim Starten des Installationsprogramms verwendet werden können, werden wie folgt angezeigt:

> install-tl -help


  Installing TeX Live 2015 from: ...
  Platform: i386-linux => 'Intel x86 with GNU/Linux'
  Distribution: inst (compressed)
  ...
   Detected platform: Intel x86 with GNU/Linux
  
    binary platforms: 1 out of 21
  
    set installation scheme (scheme-full)
  
    customizing installation collections
       47 collections out of 48, disk space required: 3641 MB
  
    directories:
     TEXDIR (the main TeX directory):
       /usr/local/texlive/2015
     ...
  
    options:
     [ ] use letter size instead of A4 by default
     ...
  
    set up for portable installation
  
  Actions:
    start installation to hard disk
    help
    quit

Abbildung 3.2: Hauptmenü des Installationsprogramms (GNU/Linux).



PIC

Abbildung 3.3: Grasche Installation im Expertenmodus.



PIC

Abbildung 3.4: Wizard mode (Windows)


3.5  Cygwin

Bevor Sie mit der Installation von TEX Live beginnen, verwenden Sie das Installationsprogramm von Cygwin (setup.exe) um die Pakete perl und wget gegebenenfalls nachzuinstallieren. Wir empfehlen weiterhin die Installation folgender Cygwin-Pakete:

fontcong
für xeTEX und LuaLATEXbenötigt
ghostscript
wird von verschiedenen Teilen von TEX Live benötigt
libXaw7
für xdvi
ncurses
damit der 'clear'-Befehl im Installer funktioniert

3.6  Installation im Textmodus

Abb. 3.2 zeigt den Eingangsbildschirm des Installationsprogramms im Textmodus (Standard unter Unix). Dieser ist ein reiner Textmodus, was zur Folge hat, dass es keine Unterstützung zum Wechseln durch die einzelnen Menüpunkte mit den Cursor-Tasten gibt. Alle Befehle, wie zum Beispiel die Auswahl von Menüpunkten, werden durch Eingabe der entsprechenden Befehle bzw. Menükürzel über die Tastatur eingegeben und durch Enter übernommen. Hierbei wird zwischen Gro- und Kleinschreibung unterschieden!

Die Installation im Textmodus ist so spartanisch, weil dieser Modus überall funktionieren soll, selbst mit einer Basisinstallation von Perl. Hinweis: unter Windows nutzt TEX Live eine Minimalversion von Perl.

3.7  Installation mit Benutzeroberäche im Expertenmodus

Abb. 3.3 zeigt die grasche Installation im Expertenmodus unter GNU/Linux. Funktionell unterscheidet sich dieser nicht wesentlich vom Textmodus, auer dass natürlich mit Menüs, Auswahlboxen etc. gearbeitet wird.

Dieser Modus muss explizit mit

> install-tl -gui=perltk

gestartet werden.

3.8  Installation mit einfacher Benutzeroberäche (wizard mode)

Unter Windows wird automatisch diese einfache Form der Installation verwendet, der so genannte wizard mode (Abb. 3.4). Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er TEX Live komplett installiert und dabei vom Benutzer nur wenige Angaben gemacht werden müssen. Falls Sie eine individuell angepasste Version von TEX Live benötigen, verwenden Sie daher bitte einen der beiden anderen Installationsmodi.

Um die Installation explizit im wizard mode zu starten (insbesondere unter Unix), verwenden Sie:

> install-tl -gui=wizard

3.9  Benutzung des Installationsprogramms

Das Installationsprogramm sollte (wenn Sie die vorherigen Abschnitte zum Aufbau von TEX Live und der verwendeten Verzeichnisstruktur gelesen haben) weitgehend selbsterklärend sein. Trotzdem wollen wir auf einige Punkte näher eingehen.

3.10  Auswahl der Binaries (nur für Unix)


  Available platforms:
  ===============================================================================
     a [ ] Cygwin on Intel x86 (i386-cygwin)
     b [ ] Cygwin on x86_64 (x86_64-cygwin)
     c [ ] MacOSX/Darwin universal binaries (universal-darwin)
     d [ ] MacOSX/Darwin on x86_64 (x86_64-darwin)
     e [ ] FreeBSD on x86_64 (amd64-freebsd)
     f [ ] FreeBSD on Intel x86 (i386-freebsd)
     g [ ] GNU/Linux on DEC Alpha (alpha-linux)
     h [ ] GNU/Linux on ARM (armel-linux)
     i [ ] GNU/Linux on ARMhf (armhf-linux)
     j [X] GNU/Linux on Intel x86 (i386-linux)
     k [ ] GNU/Linux on MIPSel (mipsel-linux)
     l [ ] GNU/Linux on PowerPC (powerpc-linux)
     m [ ] GNU/Linux on x86_64 (x86_64-linux)
     o [ ] NetBSD on x86_64 (amd64-netbsd)
     p [ ] NetBSD on Intel x86 (i386-netbsd)
     s [ ] Solaris on Intel x86 (i386-solaris)
     t [ ] Solaris on Sparc (sparc-solaris)
     u [ ] Solaris on x86_64 (x86_64-solaris)
     v [ ] Windows (win32)

Abbildung 3.5: Auswahlmenü für Binaries


Abb. 3.5 zeigt das Auswahlmenü für die Binaries der einzelnen Betriebssysteme im Textmodus. Im Allgemeinen sollte hier schon das richtige System ausgewählt sein. Sie können aber problemlos Binaries für verschiedene Systeme parallel auswählen. Dies bietet sich an, wenn Ihre Installation auf verschiedenen Rechnern in einem heterogenen Netzwerk sichtbar ist und von dort aus benutzt werden soll.

3.11  Auswahl der zu installierenden Komponenten


  Select a scheme:
  ===============================================================================
   a [X] full scheme (everything)
   b [ ] medium scheme (small + more packages and languages)
   c [ ] small scheme (basic + xetex, metapost, a few languages)
   d [ ] basic scheme (plain and latex)
   e [ ] minimal scheme (plain only)
   f [ ] ConTeXt scheme
   g [ ] GUST TeX Live scheme
   h [ ] teTeX scheme (more than medium, but nowhere near full)
   i [ ] XML scheme
   j [ ] custom selection of collections

Abbildung 3.6: Menü zur Auswahl des Schemas


Abb. 3.6 zeigt das Auswahlmenü für ein grundsätzliches Installationsschema der TEX Live. Durch die Auswahl eines Schemas werden automatisch die Komponenten zur Installation ausgewählt, die für das gewünschte Schema notwendig bzw. sinnvoll sind. Mit einer vollständigen Installation von TEX Live (full scheme) sind Sie auf der sicheren Seite, da hier einfach alles installiert wird, auch die Unterstützung für Dinge, die Sie vermutlich niemals brauchen werden. Sie können aber auch eines der abgespeckten Schemas wie basic (für ein sehr schlankes System), medium oder minimal (dies empehlt sich aber nur für Testsysteme und weniger zum ernsthaften Arbeiten) auswählen. Weiter stehen einige Schemas für spezielle Zwecke oder Sprachen zur Verfügung.


PIC

Abbildung 3.7: Menü zur Aus- oder Abwahl von Collections.


Wenn Sie das Schema ausgewählt haben, können Sie dieses in den Menüpunkten standard collections und language collections (s. Abb. 3.7, diesmal zur Abwechslung im GUI-Modus) individuell nach Ihren Wünschen anpassen.

Während das Schema nur den grundlegenden Funktionsumfang vorgibt, ist die Auswahl von Komponenten auf der Ebene der Collections viel feiner. Eine Collection besteht dabei aus mehreren Paketen zu einem Thema, wobei jedes der Pakete aus bestimmten Makrodateien, Fontdateien usw. bestehen kann.

Noch mehr Kontrolle über die Komponenten Ihres Systems haben Sie nach der Installation mit dem TEX Live Manager (tlmgr), das in Kapitel 6 beschrieben wird. Hier können Sie gezielt einzelne Pakete installieren oder entfernen.

3.12  Verzeichnisse

Die Verzeichnisstruktur von TEX Live wurde bereits im Kapitel 2.3 auf S. 19 beschrieben. Als Wurzelverzeichnis für TEX Live (TEXDIR) wird unter Windows %SystemDrive%\texlive\2015 und unter Unix (/usr/local/texlive/2015) angenommen.

Prinzipiell können Sie diesen Pfad problemlos ändern, z. B. wenn Sie TEX Live als normaler Nutzer installieren wollen und keine Schreibrechte in dem oben angegebenen Verzeichnis besitzen.

Auf Wunsch können Sie TEX Live also auch in Ihrem Home-Verzeichnis installieren, wenn Sie sowieso der einzige Verwender von TEX Live sind. Für Ihr Home-Verzeichnis können Sie den Pfad | | verwenden und so beispielsweise TEX Live nach | /texlive/2015| installieren.

Wir empfehlen Ihnen, die Jahreszahl im Verzeichnisnamen beizubehalten. So können Sie von Jahr zu Jahr einfach die neue Version testen, ohne die alte zu entsorgen. Bei Bedarf können Sie einen symbolischen Link (z.B. /usr/local/texlive-cur) verwenden, der jeweils auf das Verzeichnis der aktuellen Version von TEX Live verweist.

Wenn Sie die Einstellung TEXDIR im Installationsprogramm ändern, werden die Werte für TEXMFLOCAL, TEXMFSYSVAR und TEXMFSYSCONFIG automatisch angepasst.

Das als TEXMFHOME bezeichnete Verzeichnis ist der Ort, in dem persönliche Makrodateien, Schriften o. ä. abgelegt werden können. Vorgabewert ist ~/texmf. Im Gegensatz zu TEXDIR wird ~ hier nicht direkt zum Pfad des Home-Verzeichnisses aufgelöst, sondern unverändert in die Kongurationsdateien von TEX Live übernommen und erst zur Laufzeit aufgelöst. Somit kann jeder Nutzer des Systems seinen komplett eigenen Pfad haben, der von TEX Live verwendet wird, und so nach Wunsch auch eigene Kongurationsänderungen durchführen. Zur Laufzeit wird ~ unter Unix durch $HOME und unter Windows durch %USERPROFILE% ersetzt.

Die Variable TEXMFVAR verweist auf das Verzeichnis mit benutzerspezisch erzeugten Kongurationsdateien, z. B. den Kongurations-Cache von ConTEXt MkIV.

3.13  Optionen

Der folgende Rahmen zeigt das Menü, in dem weitere Einstellungen für die Installation von TEX Live möglich sind.

   

 use letter size instead of A4 by default: [ ]
    execution of restricted list of programs: [X]
    create format files:                      [X]
    install font/macro doc tree:              [X]
    install font/macro source tree:           [X]
    create symlinks in standard directories:  [ ]
             binaries to:
             manpages to:
                 info to:
    after installation, get package updates from CTAN: [X]

Zur Erläuterung:

use letter size instead of A4 by default:
Verwendung von Letter anstatt DIN A4 als Standardpapiergröe. Natürlich können Sie später unabhängig davon für einzelne Dokumente eine beliebige Papiergröe wählen.
execution of restricted list of programs:
Seit TEX Live 2011 können bei einem TEX-Lauf standardmäig einige externe Programme aufgerufen werden. Die (kurze) Liste der erlaubten Programme wird in der Datei texmf.cnf deniert. Für weitere Informationen siehe Kapitel 10.9 über Neuerungen in TEX Live 2011.
create format les:
Auch wenn das Erzeugen von Formatdateien für Makropakete, die Sie gar nicht benötigen, Zeit und Platz kostet, empfehlen wir trotzdem, diese Option ausgewählt zu belassen. Falls Sie diese Option abwählen, werden Formatdateien jeweils bei Bedarf erzeugt, und dann im persönlichen TEXMFVAR-Baum des aktuellen Benutzers abgelegt. Dort liegende Formate werden allerdings nicht automatisch neu generiert, wenn z. B. Programme oder Silbentrennmuster aktualisiert werden, so dass im Extremfall nach einem Update Inkompatibilitäten entstehen können.
install font/macro  tree:
Mit dieser Option können Sie verhindern, dass die Dokumentation und die Quelldateien der Pakete installiert werden. Wir raten aber, die Vorgabe zu übernehmen, also die Dokumentation und Quelldateien zu installieren.
create symlinks in standard directories
(nur unter Unix): Mit dieser Option können Sie symbolische Links für Programme und Dokumentation in den Standardverzeichnissen Ihres Systems anlegen, so dass Sie Ihre Umgebungsvariablen PATH, MANPATH und INFOPATH nicht anpassen müssen. Natürlich benötigen Sie für diese Option Schreibrechte in den entsprechenden Verzeichnissen. Hinweis: Diese Option ist nicht dazu gedacht, ein vorhandenes TEX-System, das zum Beispiel als Teil Ihrer Linux-Distribution installiert wurde, zu überschreiben! Sie dient vielmehr dazu, dass Links in Verzeichnissen angelegt werden, wo die Nutzer sie erwarten beispielsweise in /usr/local/bin , aber sich dort noch keine TEX-Programme benden.
after installation … CTAN:
Diese Option ist bei der Installation von DVD standardmäig gesetzt. Sie sorgt dafür, dass nach der Installation Paket-Aktualisierungen aus dem Internet geladen werden. Es gibt nur einen sinnvollen Grund, diese Option nicht zu aktivieren: wenn nur ein Untermenge von TEX Live installiert wurde und Pakete nach der Installation manuell hinzugefügt werden sollen.

Wenn Sie alle gewünschten Einstellungen für die Installation vorgenommen haben, können Sie im Hauptmenü nun I eintippen, um diese zu starten. Lesen Sie dann anschlieend Kapitel 3.16 für eventuell notwendige Arbeiten zum Abschluss der Installation.

3.14  Kommandozeilenoptionen für die Installation

Nach Eingabe von

> install-tl -help
erhalten Sie eine Liste der vorhanden Kommandozeilenoptionen. Sie können diese entweder mit |-| oder || verwenden. Die wichtigsten sind:
-gui
Installation im graschen Modus. Hierfür muss unter Unix Perl/Tk (mit XFT-Unterstützung) installiert sein (http://tug.org/texlive/distro.html#perltk). Falls dies nicht der Fall ist, wird die Installation im Textmodus durchgeführt.
-no-gui
Installation im Textmodus. Da dies unter Unix Standard ist, wirkt sich diese Option nur unter Windows aus. Da die Installation zum Benutzen von TEX Live direkt von DVD im graschen Modus nicht verfügbar ist, brauchen Sie in diesem Fall unbedingt den Textmodus.
-lang LL
Sprache des Installationsprogramms als Sprach-Code in zwei Buchstaben (LL). Derzeit werden unterstützt. Das Installationsprogramm versucht, die gewünschte Sprache anhand des Systems herauszunden. Falls dies scheitert oder die betreende Sprache nicht verfügbar ist, wird als Fallback-Sprache Englisch genutzt.
-portable
Die Option -portable (V im Text-Installer oder die gleiche Option im graschen Installer); dient der Installation auf einem USB-Stick oder einer DVD-R. Siehe Kapitel 5 für Informationen über die portable Installation von TEX Live.
-prole prole
Das Installationsprogramm schreibt die ausgewählten Optionen in eine Datei texlive.profile. Mit dieser Option können Sie eine bereits vorhandene Datei bei der Installation weiter verwenden, z. B. wenn Sie äquivalente Installationen auf mehreren Rechnern realisieren wollen, ohne alle Auswahlschritte der Installation immer wieder neu durchführen zu müssen.
-repository url/path
zur Auswahl einer Installationsquelle, für weitere Erläuterung siehe den nächsten Kapitel.
-in-place
Sollten Sie schon ein rsync, svn, oder eine andere Kopie von TEX Live haben (siehe http://tug.org/texlive/acquire-mirror.html), dann wird diese Option genau das nutzen, was Sie schon haben und nur die notwendigen post-install Operationen durchführen. Eine Warnung: Die Datei
tlpkg/texlive.tlpdb kann dadurch überschrieben werden; machen Sie vorher gegebenenfalls eine Sicherheitskopie. Die Entfernung von Paketen muss auch manuell vorgenommen werden.

Diese Option kann nicht über die Installer-Schnittstelle gesetzt werden.

3.15  Die Option repository

Als Standardquelle für die Installation wird ein CTAN-Knoten verwendet, der automatisch von http://mirror.ctan.org ermittelt wird.

Falls Sie eine andere Installationsquelle verwenden wollen, geben Sie eine neue Quelle an, die entweder mit ftp:, http: oder file:/ beginnt oder ein Verzeichnispfad auf Ihrem System ist. Falls Sie http: oder ftp: verwenden, werden /-Zeichen am Ende ignoriert.

Sie können also z. B. einen bestimmten CTAN-Knoten auswählen, so etwa http://ctan.example.org/tex-archive/systems/texlive/tlnet/, wobei Sie natürlich statt |ctan.example.org| einen echten Servernamen verwenden und wahrscheinlich auch den Rest der URL anpassen müssen. Eine Auistung von CTAN-Servern nden Sie unter http://ctan.org/mirrors.

Falls Sie ein lokales Repository verwenden (also entweder direkt einen Verzeichnispfad oder eine file:/-URL angeben), dann werden bevorzugt Archivdateien in einem Unterverzeichnis archive des Repository verwendet, selbst wenn ausgepackte Dateien vorhanden sind.

3.16  Aufgaben im Anschluss an die Installation

Je nach System kann es notwendig sein, dass im Anschluss an die Installation noch einige Kleinigkeiten erledigt werden müssen.

3.16.1  Windows

Benutzer von Windows sind hier in der glücklichen Position, dass das Installationsprogramm alles komplett erledigt haben sollte.

3.16.2  Unix, falls symbolische Links angelegt wurden

Wenn Sie bei der Installation angegeben haben, dass und wo symbolische Links angelegt werden sollten (siehe Kapitel 3.13), dann sollten hier auch keine Nacharbeiten mehr notwendig sein.

3.16.3  Umgebungsvariablen für Unix

Das Verzeichnis mit den ausführbaren Programmen von TEX Live muss sich im Suchpfad des Systems benden. Jedes unterstützte System besitzt ein eigenes Verzeichnis unterhalb von TEXDIR/bin, deren Namen Sie in Abb. 3.5 nden.

Weiterhin können Sie die Verzeichnisse mit den Manual-Pages und Info-Dateien zu den entsprechenden Suchpfaden für Dokumentation hinzufügen.

Für Systeme mit einer Bourne-kompatiblen Shell wie bash ist hier am Beispiel von GNU/Linux aufgeführt, wie die Befehle zum Setzen der Umgebungsvariablen (z. B. in $HOME/.profile) aussehen könnten:

export PATH=/usr/local/texlive/2015/bin/i386-linux:$PATH  
export MANPATH=/usr/local/texlive/2015/texmf-dist/doc/man:$MANPATH  
export INFOPATH=/usr/local/texlive/2015/texmf-dist/doc/info:$INFOPATH

Für csh oder tcsh erfolgt die Konguration in der Regel in der Datei $HOME/.cshrc und könnte so aussehen:

setenv PATH /usr/local/texlive/2015/bin/i386-linux:$PATH  
setenv MANPATH /usr/local/texlive/2015/texmf-dist/doc/man:$MANPATH  
setenv INFOPATH /usr/local/texlive/2015/texmf-dist/doc/info:$INFOPATH

3.16.4  Systemweites Setzen von Umgebungsvariablen

Wenn Sie als Administrator die Umgebungsvariablen global für das gesamte System setzen wollen, gehen wir davon aus, dass Sie sich mit der grundlegenden Systemadministration auskennen.

Daher hier nur zwei Hinweise:

1.
Schauen Sie nach einer Datei /etc/manpath.config. Falls diese vorhanden ist, sollte es reichen, folgende Zeilen hinzu zu fügen:
MANPATH_MAP /usr/local/texlive/2015/bin/i386-linux \  
            /usr/local/texlive/2015/texmf/doc/man

2.
Prüfen Sie, ob es auf Ihrem System eine Datei /etc/environment gibt, in der die systemweiten Umgebungsvariablen deniert werden.

Zusätzlich wird ein symbolischer Link man im binary-Verzeichnis unter Unix angelegt, der auf texmf-dist/doc/man verweist. Einige Versionen von man, so z. B. unter Mac OSX, nden so verlinkte Man-Pages automatisch, so dass hier keine spezielle Konguration für die Man-Pages mehr erforderlich ist.

3.16.5  Internet-Updates nach der Installation von DVD

Wenn Sie von DVD installiert haben, können Sie mittels des folgenden Befehls die Aktualisierung über das Internet aktivieren. Zuerst müssen Sie, wie im vorhergehenden Kapitel beschrieben, den Suchpfad angepasst haben:

> tlmgr option repository http://mirror.ctan.org/systems/texlive/tlnet

Dadurch nutzt tlmgr beim nächsten Update einen CTAN Mirror. Sollte es Probleme bei der automatischen Wahl eines Mirror-Servers geben, kann ein bestimmter CTAN Server von der unter http://ctan.org/mirrors verfügbaren Liste ausgewählt werden. Benutzen Sie diesen Pfad dann mit dem oben genannten Befehl.

3.16.6  Font conguration für xeTEX

xeTEX und LuaTEX können nicht nur die Schriften in den TEX Bäumen nutzen, sondern auch die auf dem System vorhandenen Fonts. Die Methoden, wie sie dies tun, ähneln sich, sind aber verschieden.

Unter Windows sind die auf dem System vorhandenen Schriften automatisch nutzbar. Auf einem Unix/Linux System sind Anpassungen notwendig, damit die Schriften über den Systemname und nicht nur Dateinamen gefunden werden können.

Hierfür wird bei der Installation des xetex Pakets die Datei
TEXMFSYSVAR/fonts/conf/texlive-fontconfig.conf erzeugt.

Um die mitgelieferten TEX Live-Schriften systemweit verwenden zu können, gehen Sie bitte folgendermaen vor:

1.
Kopieren Sie als root-User texlive-fontconfig.conf nach
/etc/fonts/conf.d/09-texlive.conf.
2.
Führen Sie fc-cache -fsv aus.

Falls Ihnen als normaler Nutzer die entsprechenden Rechte für die obigen Schritte fehlen, können Sie die TEX Live-Schriften für sich selbst als xeTEX-Nutzer verwendbar machen:

1.
Kopieren Sie texlive-fontconfig.conf in das Unterverzeichnis ~/.fonts.conf, wobei ~ Ihr Home-Verzeichnis ist.
2.
Führen Sie fc-cache -fv aus.

Führen Sie fc-list aus, um eine Liste der Systemschriften mit hilfreichen Informationen zu erhalten.

3.16.7  ConTEXt Mark IV

Sowohl das „alte ConTEXt (Mark II) als auch das „neue ConTEXt (Mark IV) sollten problemlos nach der TEX Live Installation funktionieren und brauchen keine besondere Aufmerksamkeit, sofern tlmgr für den Update-Prozess genutzt wird.

Da ConTEXt MkIV jedoch nicht die kpathsea-Bibliothek nutzt, ist ein wenig manuelle Nacharbeit notwendig, wenn neue Dateien manuell installiert werden (also ohne die Nutzung von tlmgr).

Nach einer jeden solchen Installation muss jeder Nutzer das das folgende Kommando ausführen, um den ConTEXt Cache zu aktualisieren:

context --generate

Die erzeugten Dateien werden in TEXMFCACHE gespeichert, dessen Standardwert TEXMSYSVAR;TEXMFVAR ist.

ConTEXt MkIV liest aus allen Pfaden, die in TEXMFCACHE aufgeführt sind und schreibt in die erste Pfadangabe, bei der Schreibrechte existieren. Im Fall identischer Cache-Daten hat der letzte gefundene Pfad Vorrang vor allen anderen Pfaden.

Für weitere Informationen siehe http://wiki.contextgarden.net/Running_Mark_IV und http://wiki.contextgarden.net/TeX_Live_2012.

3.16.8  Integration lokaler bzw. nutzer-spezischer Makros

Wie bereits in Kapitel 2.3 erwähnt, ist der Verzeichnisbaum TEXMFLOCAL (im Normalfall /usr/local/texlive/texmf-local oder %SystemDrive%\texlive\
texmf-local) für lokale Ergänzungen wie Makros und Schriften gedacht, die anschlieend allen Benutzern des Systems zur Verfügung stehen. Weiterhin können Benutzer den Verzeichnisbaum TEXMFHOME (im Normalfall $HOME/texmf oder %USERPROFILE%\texmf) für persönliche Ergänzungen verwenden, ohne dass andere Benutzer davon beeinusst werden.

Diese Verzeichnisse sollen über verschiedene Versionen von TEX Live hinweg identisch sein, so dass ein Update von TEX Live auf eine neue Version einfach möglich ist, ohne dass Sie Ihre lokalen Ergänzungen verlieren. Wir empfehlen Ihnen daher, von der vorgegebenen Verzeichnisstruktur nicht abzuweichen.

Für beide oben genannte Verzeichnisbäume erwartet TEX Live eine Verzeichnisstruktur innerhalb des Baums, die dem TEX Directory Standard entspricht, wie er in http://tug.org/tds bzw. texmf-dist/web2c/texmf.cnf deniert ist. So gehören Dokumentklassen für LATEX zum Beispiel in ein Verzeichnis unterhalb von TEXMFLOCAL/tex/latex oder TEXMFHOME/tex/latex.

Der Verzeichnisbaum TEXMFLOCAL wird zur Laufzeit nicht direkt nach Dateien durchsucht. Stattdessen wird eine Liste von Dateinamen verwendet, sich sich in einer Datei mit dem Namen ls-R bendet. Denken Sie also daran, nach Änderungen in diesem Baum diese Dateiliste zu aktualisieren. Dies tun Sie entweder mit dem Befehl mktexlsr oder über die Schaltäche Reinit le database im Kongurationsreiter des TEX Live Managers (GUI-Modus).

3.16.9  Integrieren von Schriften

Die Installation von Schriften, die nicht Bestandteil von TEX Live sind, ist eine recht komplexe Angelegenheit. Sie sollten sich bereits gut mit dem System auskennen, bevor Sie diese Aufgabe beginnen. Schauen Sie vielleicht vorher in Kapitel ?? nach, welche Schriften bereits bei TEX Live mitgeliefert werden.

Eine Alternative besteht in der Nutzung von xeTEX oder LuaTEX (s. Kapitel 2.4), bei dem direkt alle vom Betriebssystem installierten Schriften verwendet werden können, ohne dass die Installation einer TEX-Unterstützung notwendig ist.

Falls Sie wirklich weitere Schriften benötigen, nden Sie unter http://tug.org/fonts/fontinstall.html eine Beschreibung zur Installation weiterer Schriften.

3.17  Testen der Installation

Nach der Installation von TEX Live wollen Sie es natürlich benutzen, um möglichst schöne Dokumente zu setzen.

Dieser Kapitel beschreibt, wie Sie prüfen können, ob Ihr TEX Live-System funktioniert. Die folgenden Beispiele sind für Unix, sollten unter Windows und Mac OSX aber sehr ähnlich sein. Der Unterschied kann sein, dass Sie dort eventuell eine grasche Benutzeroberäche verwenden. Unter Windows installiert TEX Live TEXworks, unter Mac OS X TEXShop (http://pages.uoregon.edu/koch/texshop. Auf anderen Unix-Systemen obliegt es dem Nutzer, einen Editor auszuwählen. Im Grunde funktioniert jeder normaler Editor, ein Unicode-fähiger Editor wird aber empfohlen.

1.
Prüfen Sie, ob Sie das Programm tex ausführen können:

> tex --version
TeX 3.14159265 (TeX Live ....)
Copyright .... D.E. Knuth.
...

Erhalten Sie als Resultat statt der Versionsnummer die Meldung, dass der Befehl nicht gefunden wurde, so haben Sie wahrscheinlich vergessen, das Verzeichnis mit den ausführbaren Programmen in Ihren PATH aufzunehmen, siehe Kapitel 3.16.3 auf Seite 57.

2.
Eine einfache LATEX-Datei übersetzen:

> latex sample2e.tex
This is pdfTeX, Version 3.14...
...
Output written on sample2e.dvi (3 pages, 7484 bytes).
Transcript written on sample2e.log.

Falls dies schief geht, sind wahrscheinlich noch alte Umgebungsvariablen einer vorigen TEX-Installation übrig geblieben. Wir empfehlen, die Umgebungsvariablen, die sich auf TEX beziehen, zu entfernen. Für eine weitere Analyse können Sie TEX anzeigen lassen, wo es bestimmte Dateien sucht, siehe „Fehlersuche auf Seite 113.

3.
Ergebnis auf dem Bildschirm anschauen:

> xdvi sample2e.dvi    # Unix
> dviout sample2e.dvi  # Windows

Nun sollte sich ein Vorschaufenster mit dem soeben gesetzten Beispieldokument önen, das die Grundlagen von LATEX erläutert (und das Anfänger tatsächlich auch einmal lesen sollten). Unter Unix muss ein X-Server laufen, damit xdvi funktioniert; falls dies nicht der Fall ist oder die Umgebungsvariable DISPLAY falsch gesetzt ist, erhalten Sie die Fehlermeldung Can't open display.

4.
Eine PostScript-Datei erzeugen:

> dvips sample2e.dvi -o sample2e.ps
5.
Direkt eine PDF-Datei erzeugen (statt DVI):

> pdflatex sample2e.tex
6.
Eine PDF-Datei anschauen:

> gv sample2e.pdf
or:
> xpdf sample2e.pdf
Weder gv noch xpdf sind in TEX Live enthalten, daher müssen diese separat installiert werden, siehe http://www.gnu.org/software/gv bzw. http://www.foolabs.com/xpdf.

Sie können natürlich auch andere PDF-Viewer verwenden, beispielsweise Adobe Reader. Dieser hat allerdings unter Windows das Problem, dass geönete PDF-Dateien nicht überschrieben werden können. Dies führt zu Fehlern von pdfTEX, wenn Sie ein Dokument übersetzen wollen und vergessen haben, es vorher im Adobe Reader zu schlieen. Unter Windows sollten Sie daher auch einmal Sumatra PDF (http://blog.kowalczyk.info/software/sumatrapdf) ausprobieren, der dieses Problem nicht hat.

7.
Weitere nützliche Test-Dateien auer sample2e.tex:
small2e.tex
Einfachere Version von sample2e, um den Fehler einzugrenzen, wenn Sie beim Übersetzen von sample2e Probleme haben.
testpage.tex
Hiermit können Sie prüfen, ob Ihr Drucker Ihren Ausdruck horizontal oder vertikal verschiebt.
nfssfont.tex
Zum Testen von Fonts und Erzeugen von Schrifttabellen.
testfont.tex
Erzeugen von Schrifttabellen, aber mit plain TEX.
story.tex
Das einfachste Testdokument von allen (in plain TEX). Geben Sie am Ende \bye ein, wenn nach dem Aufruf von tex story.tex der * erscheint.
8.
Falls Sie das xetex-Paket installiert haben, können Sie das Verwenden von Systemschriften folgendermaen testen:

+> xetex opentype-info.tex
This is XeTeX, Version 3.1415926
...
Output written on opentype-info.pdf (1 page).
Transcript written on opentype-info.log.

(Oder das gleiche für luatex.)

Falls Sie die Fehlermeldung „Invalid fontname 'Latin Modern Roman/ICU'… erhalten, muss Ihr System so konguriert werden, dass es die von TEX Live mitgelieferten Schriften ndet (siehe Kapitel ??).

3.18  Hinweise auf weitere Software

In vielen Fällen ist die Installation weiterer Software sinnvoll:

Ghostscript
http://www.cs.wisc.edu/~ghost/,
Perl
http://www.perl.org/ mit Zusatzpaketen von CPAN, http://www.cpan.org/,
ImageMagick
http://www.imagemagick.com, für die Bearbeitung und Umwandlung von Bildern in andere Formate,
NetPBM
http://netpbm.sourceforge.net/, ebenfalls für Bilder.
TEX-Oberächen
Es gibt eine breite Auswahl von Oberächen bzw. Editoren, die TEX unterstützen, je nach persönlichem Geschmack des Benutzers. Hier ist eine Auswahl, wobei einige davon nur für Windows verfügbar sind:

Für weitere Programme siehe http://tug.org/interest.html.

4  Installation für mehrere Maschinen oder Nutzer (Netz-Installation)

Bei TEX Live ist nicht nur vorgesehen, dass es von mehreren Benutzern auf einem System verwendet werden kann, sondern auch in einem Netzwerk. In der normalen Konguration von TEX Live werden nur relative und keine absoluten Pfade verwendet. Dies erkennt man an Einstellungen in der Datei $TEXMFDIST/web2c/texmf.cnf, die Zeilen wie die folgenden enthält, in denen Verzeichnisse relativ zu den Verzeichnissen lokalisiert werden, in denen sich die Programme benden:

TEXMFROOT = $SELFAUTOPARENT/texmf  
...  
TEXMFDIST = $TEXMFROOT/texmf-dist  
...  
TEXMFLOCAL = $SELFAUTOPARENT/../texmf-local

Daher ist es im Normalfall ausreichend, das Programm-Verzeichnis in den Suchpfad des Systems aufzunehmen, alles weitere bestimmt TEX Live dann automatisch.

Daher ist es kein Problem, wenn das Grundverzeichnis von TEX Live als Netzlaufwerk eingebunden ist. Tatsächlich können Sie TEX Live sogar zunächst lokal installieren und dann auf ein Netzlaufwerk verschieben.

Benutzer von Windows können ein Installationsskript namens w32client für eine Netzwerkinstallation von http://tug.org/texlive/w32client.html (siehe auch Kapitel 4) herunterladen. Dieses nimmt die Einstellungen im Startmenü von Windows für das Verwenden von TEX Live über das Netzwerk vor, weiterhin wird ein Skript zur Deinstallation (w32unclient) mitgeliefert. Lesen Sie bitte die Beschreibung auf der angegebenen Webseite.

5  Portables TEX Live auf DVD oder USB-Stick

Wenn Sie TEX Live im portablen Modus verwenden wollen (z. B. auf einem Rechner, auf dem Sie „Gast sind), können Sie TEX Live mit der Option -portable (bzw. der Option V im Text-Installer oder der entsprechenden Option im graschen Installer) auf einem USB-Stick installieren (siehe Kapitel 3.14).

Um TEX von dieser portablen Installation ausführen zu können, muss das entsprechenden Verzeichnis mit den Binaries dem Suchpfad hinzugefügt werden. Unter Windows kann man tl-tray-menu im Stammverzeichnis der Installation doppelt klicken, um zwischen verschiedenen Aufgaben zu wählen.

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Der Eintrag „More… erläutert, wie Sie dieses Menü anpassen können.

5.0.1  ISO- (oder DVD-) Installationen

Wenn Sie ihre Installation nicht aktualisieren oder anpassen müssen, kann die Erstellung einer ISO Datei oder DVD Ihrer Installation vorteilhaft sein, denn:

  • Das Kopieren einer ISO-Datei zwischen zwei Computern ist deutlich schneller als eine erneute TEX Live Installation,
  • Eine ISO Installation ist von den anderen Dateisystemen des jeweils genutzten Rechners unabhängig,
  • Virtuelle Maschinen können ein ISO-Image leicht einbinden.

Natürlich können Sie auch ein ISO-Image auf DVD brennen, wenn dies für Sie vorteilhaft ist.

Desktop GNU/Linux/Unix Systeme, inklusive Mac OSX, können ISO-Images seit langem problemlos einbinden. Windows 8 ist die erste Windows-Version, die dies auch mit Bordmitteln kann.

Wenn man eine ISO-Installation vorbereitet, ist es am besten, das Verzeichnis für das Jahr wegzulassen und und texmf-local auf der gleichen Ebene wie (texmf-dist, texmf-var, etc.) zu haben. Dies kann man im normalen Installationsprogramm einstellen.

Um ein physikalisches Installationsmedium zu erhalten, kann man das ISO-Image auf DVD brennen.

Für die Windows System-Integration können Sie die w32client einbeziehen, die in Kapitel 4 und unter http://tug.org/texlive/w32client.html beschrieben sind, und die mit einem ISO-Image genauso funktionieren wie in einer Netzwerkinstallation.

Unter Mac OSX lassen sich TeXShop und TEXworks nutzen, wenn ein symbolischer Link/usr/texbin auf das entsprechende Verzeichnis zeigt, wie z. B.

sudo ln -s /Volumes/MyTeXLive/bin/universal-darwin /usr/texbin

6  tlmgr: Installation verwalten


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Abbildung 6.1: tlmgr im GUI-Modus. Hauptfenster nach dem Klick auf „Load.



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Abbildung 6.2: tlmgr im GUI-Modus: Allgemeine Optionen



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Abbildung 6.3: tlmgr im GUI-Modus: Optionen zur Papiergröe.


Bei der Installation von TEX Live wird auch das Programm tlmgr installiert, mit dem Sie anschlieend Ihr TEX Live-System verwalten können. Die hierfür bisher verwendeten Programme updmap, fmtutil und texconfig sind zwar noch vorhanden, aber inzwischen ist tlmgr die vorgesehene Oberäche zur Konguration von TEX Live. Mit tlmgr können Sie folgende Aufgaben erledigen:

  • Verfügbare Schemas, Collections und Pakete installieren, aktualisieren, wieder herstellen, sichern, deinstallieren, auf Wunsch mit Berücksichtigung von Paketabhängigkeiten.
  • Suchen nach Paketen.
  • Anzeigen der Systeme, unter denen TEX Live läuft; (de)installieren von Binaries für weitere Systeme.
  • Anpassen der Installation, wie Ändern der Papiergröe oder des Quellverzeichnisses für Komponenten (s. Kapitel 3.15).

Achtung: tlmgr ist für die Installation im portablen Modus (Kapitel 5) weder gedacht noch getestet.

6.1  tlmgr im graschen Modus

tlmgr im GUI-Modus (siehe Abbildung 6.1) wird durch

> tlmgr -gui

gestartet. Unter Windows nden Sie das Programm im Start menu: Start, Programme, TeX Live 2015, TeX Live Manager. Nach dem Klick auf „Load wird eine Liste aller verfügbaren und installierten (letztere durch (i) gekennzeichnet) angezeigt. Dies setzt voraus, dass das Verzeichnis, aus dem TEX Live die Pakete lädt, vorhanden bzw. erreichbar ist.

Die Abbildungen 6.2 und 6.3 zeigen die Reiter zur allgemeinen Konguration von TEX Live und zur Einstellung der Papiergröe.

6.2  Beispiel zur Verwendung von tlmgr über Kommandozeile

Nachdem Sie TEX Live installiert haben, können Sie Ihr TEX Live-System auf den neuesten Stand aktualisieren:

> tlmgr update -all
Falls Sie vorher wissen wollen, was passiert, können Sie zunächst

> tlmgr update -all -dry-run
oder (weniger ausführlich)

> tlmgr update -list
verwenden.

Das folgende Beispiel demonstriert, wie die Collection für xeTEX installiert wird, wobei sich die Installationsdateien in einem lokalen Verzeichnis benden:

tlmgr -repository /local/mirror/tlnet install collection-xetex
Dies liefert die folgende Ausgabe:


install: collection-xetex
install: arabxetex
...
install: xetex
install: xetexconfig
install: xetex.i386-linux
running post install action for xetex
install: xetex-def
...
running mktexlsr
mktexlsr: Updating /usr/local/texlive/2015/texmf-dist/ls-R...
...
running fmtutil-sys --missing
...
Transcript written on xelatex.log.
fmtutil: /usr/local/texlive/2015/texmf-var/web2c/xetex/xelatex.fmt installed.

Wie man sieht, beachtet tlmgr die Abhängigkeiten von Paketen und installiert im obigen Beispiel von xeTEX benötigte Komponenten nach. Weiterhin werden automatisch im Anschluss die Dateilisten der Verzeichnisbäume aktualisiert und fehlende Formate generiert.

Informationen zu einem Paket (oder einer Collection oder einem Schema) anzeigen:

Ucomtlmgr show collection-latexextra

Hier erhält man folgende Ausgabe:

package:    collection-latexextra  
category:   Collection  
shortdesc:  LaTeX supplementary packages  
longdesc:   A very large collection of add-on packages for LaTeX.  
installed:  Yes  
revision:   32768

Die komplette Dokumentation nden Sie unter http://tug.org/texlive/tlmgr.html oder mit tlmgr -help.

7  Hinweise zu Windows

Das Installationsprogramm von TEX Live läuft sowohl unter Windows als auch Unix. Dies war nur dadurch möglich, dass ältere Versionen von Windows nicht mehr unterstützt werden. Daher kann TEX Live nur noch ab Windows XP oder später installiert werden.

7.1  Windows-spezische Dinge

Unter Windows kümmert sich das Installationsprogramm auch um folgende Dinge:

Menüs und Verknüpfungen.
Im Startmenü wird ein Menü „TEX Live hinzu gefügt. Hier sind Einträge für die graschen Anwendungen (tlmgr, texdoctk, den PS_View (psv) PostScript-Previewer) und einige Verknüpfungen zur Dokumentation vorhanden. Für PS_View wird eine Verknüpfung auf dem Desktop angelegt, auf die Sie PostScript-Dateien per Drag & Drop ziehen können, um diese zu betrachten.
Automatisches Setzen der Umgebungsvariablen.
Hierdurch ist das Setzen dieser Variablen von Hand überüssig geworden.
Uninstaller.
Es wird ein Eintrag zum Entfernen von TEX Live in der Systemsteuerung im Punkt „Software angelegt, bei Einzelinstallationen auch ein entsprechender Menüeintrag im Startmenü. Alternativ können Sie TEX Live über die GUI TEX Live Manager deinstallieren.
Dateiverknüpfungen
Wenn diese Option aktiviert wird, werden TeXworks, Dviout und PS_view entweder die Standard-Programme für die entsprechenden Dateitypen oder erhalten einen Eintrag im „Önen mit Dialog.
Bitmap nach eps Konverter
Verschiedene Bitmap-Formate erhalten einen Eintrag bitmap2eps in Ihr „Önen mit Menü. Bitmap2eps ist ein einfaches Skript, das im Hintergrund sam2p oder bmeps aufruft.
Automatische Pfad-Anpassung
Erfordert keine manuellen Anpassungen.
Schreibschutz
Admin-gestützte Installationen sind gegen User-Zugri schreibgeschützt.

7.2  Zusätzlich enthaltene Programme unter Windows

Zusätzlich werden unter Windows einige Programme installiert:

Perl und Ghostscript.
Da Perl und Ghostscript für TEX Live sehr wichtig sind, werden diese unter Windows mitgeliefert und intern von TEX Live benutzt. Die in TEX Live enthaltenen Programme, die diese Komponenten benötigen, „wissen wo sich diese benden, ohne dass diese im System durch Umgebungsvariablen oder Einträge in der Registry sichtbar sind. Es handelt sich um für TEX Live abgespeckte Versionen, die zu keinen Konikten mit eventuell bereits vorhandenen Installationen von Perl und Ghostscript führen sollten.
PS_View.
Weiterhin wird PS_View installiert, ein neuer PostScript- und PDF-Viewer, der Freie Software ist, siehe Abbildung 7.1.


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Abbildung 7.1: PS_View, sogar sehr extreme Vergröerungen sind möglich.


dviout
Weiterhin wird dviout, ein DVI-Viewer installiert. Wenn Sie am Anfang Dokumente mit dviout anschauen, werden häug noch Fonts generiert, da keine fertigen Fontdateien für den Bildschirm mitgeliefert werden. Je mehr Fonts generiert wurden, desto seltener müssen Schriften nachgeneriert werden, so dass dieser Eekt nach einiger Zeit nur noch selten auftreten wird. Weitere Informationen nden Sie in der (sehr guten) Online-Hilfe.
TeXworks
TEXworks ist eine Oberäche für TEX mit Editor und integriertem PDF-Viewer.
Tools für die Kommandozeile.
Für einige unter Unix übliche Programme werden Portierungen für Windows mitgeliefert. Dies sind z. B. gzip, unzip und einige Programme für die Kommandozeile aus der xpdf-Suite, wie pdfinfo und pdffonts. (Vom xpdf-Viewer selbst gibt es keine Version für Windows, aber der Sumatra PDF-Viewer basiert auf xpdf: http://blog.kowalczyk.info/software/sumatrapdf.)
fc-cache, fc-list etc.
dienen xeTEX zur ezienteren Benutzung von Schriften. Mit fc-list können Sie die Namen der verfügbaren Schriften anzeigen, die Sie dann unter xeTEX mit dem Kommando font benutzen können. Mit fc-cache kann die Liste der verfügbaren Schriften aktualisiert werden.

7.3  Nutzerprole unter Windows

Das Gegenstück von Windows zum HOME-Verzeichnis unter Unix ist das Verzeichnis %USERPROFILE%.

Ab Windows Vista liegt es meist in C:\Users\, unter Windows XP im Verzeichnis C:/Dokumente und Einstellungen/.

In der Datei texmf.cnf und in Kpathsea allgemein wird ~ sowohl unter Unix und Windows korrekt aufgelöst.

7.4  Die Windows-Registry

Windows verwaltet fast all seine Kongurationseinstellungen in der Registry. Diese besteht aus einem hierarchisch aufgebauten Baum von Schlüsseln, wobei mehrere dieser Registry-Bäume existieren. Die wichtigsten sind HKEY_CURRENT_USER und HKEY_LOCAL_MACHINE, oft abgekürzt als HKCU bzw. HKLM. Der HKCU-Teil der Registry wird im Home-Verzeichnis des Benutzers gespeichert (siehe Kapitel 7.3). HKLM liegt im Normalfall in einem Unterverzeichnis des Windows-Verzeichnisses.

In einigen Fällen sind Systeminformationen aus Umgebungsvariablen ersichtlich, in vielen anderen Fällen liegen diese Informationen aber in der Registry.

7.5  Windows Zugriskontrolle

In neueren Versionen von Windows wird zwischen normalen Benutzern und Administratoren unterschieden, wobei nur letztere freien Zugang auf alle Teile des Betriebsystems haben. Im Gegensatz zu Unix ist es in der Praxis allerdings häug so, dass Benutzer zur Klasse der Administratoren gehören und daher doch alle Freiheiten haben. Trotzdem haben wir einigen Aufwand getrieben, damit TEX Live auch unter Windows ohne Administrator-Rechte installiert werden kann.

Wenn das TEX Live Installationsprogramm mit Administrator-Rechten gestartet wird, gibt es eine Option für die Installation für alle Benutzer des Systems, d. h. Verknüpfungen, Menüs und Systemeinträge werden für alle Nutzer angelegt. Ansonsten werden diese nur für den aktuellen Benutzer angelegt.

Unabhängig davon wird grundsätzlich angenommen, dass das Wurzelverzeichnis von TEX Live unter %SystemDrive% liegen soll. Allerdings testet das Installationsprogramm, ob dieses Verzeichnis für den aktuellen Benutzer schreibbar ist.

Ein Problem entsteht, wenn TEX Live ohne Administrator-Rechte installiert wird und sich bereits ein TEX-System im systemweiten Suchpfad bendet. Windows benutzt zuerst den Suchpfad des Systems, erst dann den spezischen Suchpfad des Nutzers, sodass hier immer zuerst das alte TEX-System gefunden wird. Der Workaround in diesem Fall ist, eine Verknüpfung zu einer Eingabeauorderung zu erzeugen, bei der das TEX Live Programmverzeichnis vor den Standardsuchpfad geschrieben wird. Dies bedeutet aber, dass das neue TEX Live in diesem Fall nur in einer Eingabeauorderung verfügbar ist, die über genau diese Verknüpfung gestartet wird. Die Verknüpfung für TEXworks (falls Sie dieses installieren) fügt ebenfalls automatisch TEX Live am Anfang des Suchpfades ein, so dass es direkt benutzbar ist.

Seit Windows Vista gibt es einen weiteren Fallstrick. Selbst wenn Sie als Administrator angemeldet sind, müssen Sie bestimmte Programme trotzdem explizit mit Administratorrechten starten. Insofern ist es tatsächlich nicht sehr sinnvoll, sich als Administrator anzumelden. Klicken Sie stattdessen auf das gewünschte Programm (bzw. die gewünschte Verknüpfung) mit der rechten Maustaste, damit Sie die Option „Als Administrator ausführen... erhalten, um dieses mit Administratorrechten auszuführen.

7.6  Erhöhen des maximal verfügbaren Speichers unter Windows und Cygwin

Unter Windows und Cygwin (s. Kapitel 3.5 für die Installation unter Cygwin) kann es vorkommen, dass der den in TEX Live enthaltenen Programmen zur Verfügung gestellte Speicher nicht ausreicht. Dies kann z. B. passieren, wenn ein Dokument mit umfangreichen Schriften mit LuaTEX übersetzt wird.

Für Cygwin ist die Erhöhung des Maximalspeichers im Cygwin-Hanbuch beschrieben (http://www.cygwin.com/cygwin-ug-net/setup-maxmem.html).

Unter Windows können Sie eine Datei moremem.reg mit folgenden vier Zeilen anlegen:

Windows Registry Editor Version 5.00  
 
[HKEY_LOCAL_MACHINE\Software\Cygwin]  
"heap_chunk_in_mb"=dword:ffffff00

Führen Sie dann als Administrator regedit /s moremem.reg aus. (Falls der zur Verfügung stehende Speicher nur für den aktuellen Nutzer erhöht werden soll, verwenden Sie stattdessen einfach HKEY_CURRENT_USER).

8  Anleitung zum Web2C-System

Web2C besteht aus einer Reihe von Programmen, die zusammen ein komplettes TEX-System darstellen. Dazu gehören natürlich TEX, MetaFont, MetaPost, BibTEX usw.

Die erste Implementierung eines TEX-Systems in der Programmiersprache C stammt von Tomas Rokicki und datiert zurück in das Jahr 1987. Rokicki benutzte als Basis sog. Change-Files unter UNIX, die ursprünglich von Howard Trickey und Pavel Curtis entwickelt wurden. Tim Morgan hat dieses System, für das der Name Web-to-C eingeführt wurde, gepegt. 1990 hat Karl Berry mit Unterstützung vieler Helfer die Weiterentwicklung übernommen und 1997 an Olaf Weber weitergegeben, der es 2006 wieder an Karl zurück gab.

Web2C läuft unter UNIX, 32-bit-Versionen von Windows, Mac OSX und auf weiteren Betriebssystemen. Es benutzt die Original-Quelldateien von Donald E. Knuth und weitere in der Sprache WEB entwickelte Programme als Basis und übersetzt diese in C-Quell-Code. Darüber hinaus bietet das System viele Makros und Funktionen zur Nutzung der originalen TEX-Software. Hier eine Liste der Basisprogramme eines TEX-Systems:

bibtex
Verwalten von Bibliographien
dvicopy
Umwandeln von virtuellen Zeichensätzen in DVI-Dateien
dvitomp
DVI-nach-MPX-Konverter (MetaPost-Bilder)
dvitype
Textanzeige aus DVI-Dateien
gftodvi
Erzeugen von Prüfausgaben für Zeichensätze
gftopk
Packen von Zeichensätzen
gftype
Anzeige von Zeichensätzen als ASCII-Graphik
mf
Zeichensatzerzeugung
mft
formatierte Ausgabe von MetaFont-Quellen
mpost
MetaFont-ähnliches Grakprogramm
patgen
Erzeugen von Trennmustern
pktogf
Entpacken von Zeichensätzen
pktype
Anzeige gepackter Zeichensätze
pltotf
Umwandeln von Property-Listen in .tfm-Dateien
pooltype
Anzeige der Bildschirmtexte eines WEB-Programms
tangle
Konverter WEB nach Pascal
tex
TEX-Programm
tftopl
Umwandeln einer .tfm-Datei in eine Property-Liste
vftovp
Umwandeln eines virtuellen Zeichensatzes in eine Property-Liste
vptovf
Umwandeln einer Property-Liste in einen virtuellen Zeichensatz
weave
WEB-Code als TEX-Dokumentation

Die genaue Funktionsweise und die möglichen Parameter sind der Beschreibung der jeweiligen Pakete bzw. der Web2C-Dokumentation zu entnehmen. Trotzdem wird ein Überblick über Zusammenspiel und Funktionsweise der Web2C-Programme Ihnen sicherlich helfen, besser mit dem System zurechtzukommen.

Zunächst verstehen alle Programme die grundlegenden Parameter der GNU-Software:

--help
kurzer Hilfstext
--verbose
ausführliche Ausgaben beim Programmablauf
--version
Ausgabe der Versionsnummer

Die Programme des Web2C-Systems benutzen zur Lokalisierung der benötigten Dateien im Dateisystem die Kpathsea-Bibliothek (http://tug.org/kpathsea). Diese Bibliothek optimiert und beschleunigt den Suchprozess im Dateisystem. Ihre Arbeitsweise wird durch einige Umgebungsvariablen und eine Kongurationsdatei gesteuert. Web2C 7.5 kann mehr als einen Dateibaum gleichzeitig verwalten und ermöglicht somit die schon beschriebene TEX Live-Installation unter Verwendung der DVD mit der Ablage modizierter Kongurationsdateien und zusätzlicher Zeichensätze in einem zweiten Dateibaum. Die Suche nach Dateien wird durch die Analyse der Datei ls-R beschleunigt, die in jedem Wurzelverzeichnis eines TEX-Dateibaums vorhanden ist. Sie enthält für jede Datei die genaue Position im Dateibaum relativ zum Wurzelverzeichnis.

8.1  Dateisuche mit der Kpathsea-Bibliothek

Wir beschreiben zunächst den grundlegenden Suchmechanismus der Kpathsea-Bibliothek.

Ein Suchpfad ist eine durch Kommata oder Semikola getrennte Liste von Pfadkomponenten, die üblicherweise Verzeichnisnamen darstellen. Ein Suchpfad kann sich aus vielen Komponenten zusammensetzen. Die Suche nach einer Datei my-file über den Suchpfad .:/dir bewirkt, dass Kpathsea jede Komponente nacheinander überprüft, also zunächst ./my-file und dann /dir/my-file. Als Ergebnis wird entweder die erste gefundene Datei oder eine Liste aller passenden Dateien geliefert.

Um auf allen Dateisystemen ezient arbeiten zu können, verwendet Kpathsea ggf. andere Datei-/Verzeichnis-Separatoren als : und /.

Beim Überprüfen einer Pfadkomponente p überprüft Kpathsea zunächst, ob eine Dateinamen-Datenbank (siehe auch Dateinamen-Datenbank auf Seite 106) für die Pfadkomponente zuständig ist, d. h. beispielsweise steht die Datenbank in einem Verzeichnis, das im Pfad vor der zu überprüfenden Komponente p steht. In diesem Fall wird zur Bestimmung der Position der gesuchten Datei die Datenbank herangezogen.

Nur wenn keine passende Datenbank existiert oder wenn die Datei nicht in der Datenbank gefunden wird, durchsucht Kpathsea das Dateisystem. Diese zeitaufwändige Suche kann über die Spezikation der Pfadkomponente p mit dem Präx !! unterbunden werden. Zur Suche erzeugt Kpathsea eine Liste der Verzeichnisse, die im Pfadelement enthalten sind, und durchsucht jedes dieser Verzeichnisse nach der gesuchten Datei.

Für Dateien kann auch ein Schalter file must exist gesetzt werden („Datei muss vorhanden sein). Wenn dieser Schalter nicht gesetzt ist und beispielsweise über das TEX-Kommando openin eine VF-Datei wie cmr10.vf gelesen werden soll, wäre es falsch, nach dieser Datei zu suchen, weil es sie gar nicht gibt. Speziell für neu installierte VF-Dateien sollten Sie also unbedingt die Dateinamen-Datenbank (ls-R) aktualisieren, weil die Dateien sonst nicht gelesen werden und kein Fehler angezeigt wird. Dieser Vorgang wiederholt sich für jede Komponente eines Suchpfades: zunächst wird die Datenbank überprüft, danach ggf. das Dateisystem. Wird die Datei gefunden, stoppt die Suche (normalerweise) und als Ergebnis wird der komplette Pfad zur gesuchten Datei ausgegeben.

Auer Verzeichnisnamen dürfen Pfadkomponenten für Kpathsea folgende Elemente enthalten: (verschachtelte) Vorgaben, Umgebungsvariablen, Werte aus der Kongurationsdatei, Home-Verzeichnisse von Benutzern und Startverzeichnisse für eine rekursive Suche. Diese Elemente werden vor einer Dateisuche von Kpathsea in gewöhnliche Verzeichnis- oder Dateinamen expandiert. Diese Expansion wird in den folgenden Abschnitten erklärt, und zwar genau in der Reihenfolge, wie die Elemente auch von Kpathsea bearbeitet werden.

Beachten Sie, dass Kpathsea bei absoluten und explizit relativen Komponenten, d. h. wenn die Komponente mit den Zeichen /, ./ oder ../ beginnt, nur überprüft, ob die Datei existiert.

8.1.1  Bestandteile von Pfadkomponenten

Ein Suchpfad kann aus vielen verschiedenen Bestandteilen aufgebaut werden. Dies sind in der Reihenfolge, wie Kpathsea sie auswertet:

1.
eine benutzerdenierte Umgebungsvariable, z. B. TEXINPUTS: Wird an den Inhalt der Variablen ein Punkt und ein Programmname angehängt, wie beispielsweise bei TEXINPUTS.latex, hat diese Form Vorrang vor den „gewöhnlichen Variablen.
2.
Einträge aus programmspezischen Kongurationsdateien, beispielsweise zum Programm dvips eine Zeile S /a:/b in der Kongurationsdatei config.ps
3.
Einträge aus der Kpathsea-Kongurationsdatei texmf.cnf, wie zum Beispiel TEXINPUTS=/c:/d (siehe folgenden Text).
4.
Einstellung beim Übersetzen der Programme.

Unter Verwendung der Parameter zur Fehlersuche können Sie sich diese Werte für einen Suchpfad auch anzeigen lassen. (Siehe dazu das Kapitel „Fehlersuche auf Seite 113.)

8.1.2  Kongurationsdateien

Die Kpathsea-Bibliothek liest zur Laufzeit die Kongurationsdateien mit den Namen .../2015/texmf.cnf. Sollten Sie Anpassungen an den Standardvorgaben vornehmen müssen, ist dies der richtige Ort.

Die Haupt-Kongurationsdatei bendet sich in .../2015/texmf-dist/web2c/texmf.cnf. Diese Datei sollten Sie nicht anpassen, da Ihre Anpassungen beim nächsten Update überschrieben werden.

Im Folgenden wird die Syntax der Datei texmf.cnf angegeben. Konsultieren Sie zum besseren Verständnis beim Lesen die auf der DVD enthaltene Kongurationsdatei.

  • Kommentare beginnen mit einem % und erstrecken sich bis zum Zeilenende.
  • Leerzeilen werden überlesen.
  • Ein \ am Zeilenende fasst die aktuelle mit der folgenden Zeile zusammen. Leerraum in der Folgezeile wird nicht überlesen.
  • Sonstige Zeilen haben den folgenden Aufbau:

      Variable[.Programmname] [=] Wert

    Das Zeichen = und umgebender Leerraum dürfen entfallen.

  • Der Name von Variable kann alle Zeichen auer Leerzeichen, = und . enthalten. Verwenden Sie am besten nur die Zeichen A-Za-z_.
  • Wenn das Sux .Programmname angegeben wird, gilt die Variable nur für das entsprechende Programm Programmname oder Programmname.exe. Auf diese Weise können beispielsweise verschiedene TEX-Formate mit unterschiedlichen Suchpfaden arbeiten.
  • Wert darf alle Zeichen auer % und @ enthalten. Die Einschränkung der Werte auf bestimmte Programme über ein Sux ist nicht zulässig. Ein ; in Wert wird unter UNIX in : umgewandelt. Dadurch ist die Verwendung der gleichen Kongurationsdateien für UNIX und DOS/Windows-Systeme möglich.
  • Die Denitionen werden komplett eingelesen, bevor eine Expansion stattndet. Dadurch können Sie die Variable schon vor Ihrer Denition referieren.

Der Ausschnitt einer Kongurationsdatei demonstriert diese Möglichkeiten.

\verbatiminput{../texlive-common/examples/ex5.tex}  
Betrachten Sie Abbildung~\ref{fig:config-sample}.

8.1.3  Expansion von Pfadkomponenten

Kpathsea verwendet in Suchpfaden ähnliche Zeichen und Konstrukte wie UNIX-Shells. Beispielsweise wird die Denition ~$USER/{foo,bar}//baz in alle Unterverzeichnisse von foo und bar unterhalb vom Home-Verzeichnis von $USER expandiert, die eine Datei oder ein Unterverzeichnis namens baz enthalten. Der Expansionsmechanismus wird im Folgenden erklärt.

8.1.4  Expansion der Voreinstellungen

Wenn der Suchpfad mit der höchsten Priorität (siehe hierzu „Bestandteile von Pfadkomponenten auf Seite ??) einen zusätzlichen (vorangestellten, nachgestellten oder verdoppelten) Doppelpunkt enthält, wird an dieser Stelle der Suchpfad eingefügt, der als nächstes in der Hierarchie folgt. Auch bei diesem gilt dieselbe Regel. Wenn beispielsweise die Umgebungsvariable

> setenv TEXINPUTS /home/karl:

gesetzt wird (hier: C-Shell) und in texmf.cnf die Variable TEXINPUTS folgenden Wert erhält

  .:$TEXMF//tex

dann lautet der Suchpfad schlielich:

  /home/karl:.:$TEXMF//tex

Da es sinnlos wäre, denselben Pfad mehrfach einzufügen, wird die Ersetzung nur einmal vorgenommen, und zwar in der Reihenfolge vorne, hinten und Mitte. Mehrfach verdoppelte Doppelpunkte bleiben unverändert.

8.1.5  Expansion geschweifter Klammern

Die Expansion geschweifter Klammern ist zur Denition mehrerer TEX-Hierarchien sehr nützlich. Beispielsweise wird |va,bw| zu |vaw:vbw|. Verschachtelungen sind dabei erlaubt. Diese Technik wird dazu benutzt, durch eine Zuweisung an $TEXMF verschiedene TEX-Hierarchien einzuführen. Als Beispiel nden Sie in texmf.cnf folgende Denition (etwas gekürzt, tatsächlich ist es etwas komplexer):

  TEXMF = {$TEXMFVAR,$TEXMFHOME,!!$TEXMFLOCAL,!!$TEXMFDIST}

Eine Anwendung wie

  TEXINPUTS = .;$TEXMF/tex//

führt dann dazu, dass erst im aktuellen Verzeichnis gesucht wird, dann im gesamten Dateibaum $TEXMFVAR/tex, $TEXMFHOME/tex, $TEXMFLOCAL/tex und schlielich im gesamten Dateibaum $TEXMFDIST/tex (die letzten beiden nur in der Datenbank ls-R) durchsucht wird. Dadurch kann man bequem zwei parallel installierte TEX-Hierarchien durchsuchen, beispielsweise eine unveränderliche auf CDROM/DVD und eine dynamisch angepasste auf Festplatte, in der neue Programmversionen und zusätzliche Zeichensätze installiert werden. Durch die Verwendung der Variablen $TEXMF in allen Denitionen wird grundsätzlich zuerst der neuere Dateibaum durchsucht.

8.1.6  Expansion von Unterverzeichnissen

Zwei oder mehrere aufeinanderfolgende Schrägstriche (//) in einer Pfadkomponente, die auf einen Verzeichnisnamen d folgen, werden expandiert zu allen Unterverzeichnissen von d. Dieser Vorgang ndet rekursiv statt, wobei erst alle Verzeichnisse auf einer Ebene bearbeitet werden, dann deren Unterverzeichnisse, usw. Auf den jeweiligen Ebenen ist nicht beeinussbar, in welcher Reihenfolge die Unterverzeichnisse bearbeitet werden.

Wenn nach den Schrägstrichen Namen angegeben werden, dann werden nur Unterverzeichnisse mit passenden Namen in die Suche einbezogen. Beispielsweise wird /a//b in die Pfade /a/1/b, /a/2/b, /a/1/1/b usw. expandiert, aber nicht zu /a/b/c oder /a/1. (Jeweils vorausgesetzt, dass die Verzeichnisse existieren.)

Mehrere //-Konstruktionen innerhalb einer Pfadkomponente sind zulässig, allerdings nicht am Pfadanfang.

8.1.7  Liste der Sonderzeichen und ihre Bedeutung: eine Zusammenfassung

Die folgende Zusammenfassung fasst alle Sonderzeichen zusammen, die in den Kpathsea -Kongurationsdateien auftreten können:

:
Trennzeichen für Pfadkomponenten; als erstes oder letztes Zeichen im Pfad bewirkt es die Expansion der Voreinstellungen.
;
Trennzeichen für Pfadkomponenten für andere Rechnerplattformen als UNIX (Verwendung wie :)
$
Expansion von Variableninhalten
~
Home-Verzeichnis eines Benutzers (Tilde)
{...}
Expansion geschweifter Klammern: beispielsweise wird |a1,2b| zu |a1b:a2b|.
//
Expansion von Unterverzeichnissen: tritt niemals am Anfang einer Pfadkomponente auf.
%
Kommentar
\
Konkatenation mit Folgezeile(n)
!!
Einschränkung der Suche ausschlielich auf die Dateinamen-Datenbank: Das Dateisystem wird nicht durchsucht!

8.2  Dateinamen-Datenbanken

Kpathsea unternimmt etliche Anstrengungen, um den Zugri auf Festplatte und DVD zur Suche nach Dateien zu reduzieren. Auf TEX-Systemen mit vielen Unterverzeichnissen kann die Suche in jedem möglichen Verzeichnis nach einer bestimmten Datei eine lange Zeit in Anspruch nehmen, besonders wenn einige Hundert Zeichensatzverzeichnisse durchforstet werden müssen. Um dieses Problem abzumildern, benutzt Kpathsea eine Art Datenbankdatei namens ls-R, die die Zuordnung von Dateinamen auf Verzeichnisse enthält. Dadurch muss nicht jedesmal die Festplatte durchsucht werden.

Eine zweite Datenbank in der Datei aliases kann eine Zuordnung zwischen den Namen in ls-R und weiteren Namen vornehmen und so beispielsweise hilfreich bei der Umsetzung von 8.3-DOS-Dateinamen auf die „echten, aussagekräftigen Dateinamen zur Seite stehen.

8.2.1  Die ls-R-Datenbank

Wie schon öfters erwähnt, muss die Dateinamen-Datenbank in der Datei ls-R gespeichert sein. Sie sollten eine solche Datenbank für jede TEX-Hierarchie (normalerweise in $TEXMF) Ihres Systems anlegen. Kpathsea sucht die Datenbanken ls-R über den Pfad TEXMFDBS.

Es wird empfohlen, die Pege der ls-R-Dateien dem mitgelieferten Skript mktexlsr zu überlassen. Dieses Skript wird automatisch von den verschiedenen mktex*-Skripten aufgerufen. Das Skript ruft grob gesagt den Befehl

cd /your/texmf/root && ls -LAR ./ >ls-R

auf, falls das Kommando ls Ihres Rechners eine Ausgabe im richtigen Format liefert. (So wie das GNU-ls.) Wenn Sie ganz sichergehen wollen, dass die Datenbank immer auf dem neuesten Stand ist, sollten Sie sie in regelmäigen Abständen mit Hilfe eines crontab-Eintrags aktualisieren lassen. Dadurch wird nach einer manuellen Paketinstallation trotzdem sichergestellt, dass die Datenbank aktuell ist.

Wenn eine Datei nicht über die Datenbank gefunden wird, sucht Kpathsea normalerweise auf der Festplatte weiter. Wenn eine Pfadkomponente mit !! beginnt, wird dagegen niemals die Festplatte durchsucht.

8.2.2  kpsewhich: Dateisuche

Mit dem Programm kpsewhich können Sie unabhängig vom Aufruf irgendeines TEX-Programms nach Dateien in der TEX-Hierarchie suchen (als schnellere Alternative zu dem Befehl find).

> kpsewhich option filename

Die Optionen werden entweder mit - oder mit -- eingeleitet. Jede eindeutige Abkürzung ist zulässig.

Argumente der Kommandozeile, die keine Optionen darstellen, werden als Dateinamen interpretiert. Für jeden Dateinamen wird der erste passende Pfad gemeldet. Um eine Liste aller passenden Pfade zu erhalten, müssen Sie das UNIX-Kommando find aufrufen.

Im Folgenden werden die häuger benutzten Optionen beschrieben.

--dpi=num

Stellt die Auflösung für die Suche nach Zeichensätzen (nur .gf oder .pk) auf num dpi. Alternativ kann die Option -D (kommt von dvips) benutzt werden. Voreinstellung ist 600.
--format=name

Setzt das Format zur Suche auf name. Per Voreinstellung versucht kpsewhich das Format über den Dateinamen zu erschlieen. Bei Formaten ohne zugeordnete Namensendung wie den zu MetaPost gehörenden Dateien und den Kongurationsdateien zu dvips müssen Sie den entsprechenden Namen so eingeben, wie er Kpathsea bekannt ist.
--mode=string

Setzt für die Zeichensatzsuche den Generierungsmodus (betrit nur .gf- oder .pk-Dateien). Normalerweise werden alle Zeichensätze gemeldet.
--must-exist

Es wird versucht, die Dateien notfalls durch eine Suche auf der Festplatte zu nden. Normalerweise wird nur die ls-R-Datenbank konsultiert.
--path=string

Sucht entlang des angegebenen Pfads statt des Standardpfads, der auf Grund der Endung gewählt wird. Alle Expansionen sind zulässig. Bei Verwendung der Option --path darf nicht die Option --format angegeben werden.
--progname=name

Setzt den Programmnamen für die genauere Variablenspezikation über
.Programmname. Voreinstellung ist kpsewhich.
--show-path=name

Zeigt den Suchpfad für die angegebene Namensendung. Diese kann entweder als Namensendung (.pk, .vf, usw.) oder als Name (wie bei der Option --format) speziziert werden.
--debug=num

Legt den Umfang für die Fehlersuche fest.

8.2.3  Anwendungsbeispiele

Wir schauen uns nun die Funktionsweise von Kpathsea anhand einiger Beispiele an.

> kpsewhich  article.cls
   /usr/local/texmf-dist/tex/latex/base/article.cls

Wir suchen unter den TEX-Quelldateien nach der Datei article.cls. Da die Namensendung .cls eindeutig ist, müssen wir den Typ .tex nicht angeben. Die texmf-dist-Hierarchie enthält die Datei im Unterverzeichnis tex/latex/base. Ähnlich bereiten die folgenden Beispiele aufgrund eindeutiger Namensendungen keine Probleme.

> kpsewhich array.sty
   /usr/local/texmf-dist/tex/latex/tools/array.sty
> kpsewhich latin1.def
   /usr/local/texmf-dist/tex/latex/base/latin1.def
> kpsewhich size10.clo
   /usr/local/texmf-dist/tex/latex/base/size10.clo
> kpsewhich small2e.tex
   /usr/local/texmf-dist/tex/latex/base/small2e.tex
> kpsewhich tugboat.bib
   /usr/local/texmf-dist/bibtex/bib/beebe/tugboat.bib

Beim letzten Beispiel handelt es sich übrigens um eine BibTEX-Literaturdatenbank für TUGBoat-Artikel.

> kpsewhich cmr10.pk

Zeichensatzdateien mit der Namensendung .pk werden von Anzeige- oder Druckaufbereitungsprogrammen wie dvips und xdvi verwendet. Nachdem wir aufgrund der Voreinstellung keine .pk-Dateien verwenden, sondern die PS-Type1-Zeichensätze, die auf der DVD enthalten sind, wird auch keine .pk-Datei angezeigt.

> kpsewhich wsuipa10.pk
 /usr/local/texmf-var/fonts/pk/ljfour/public/wsuipa/wsuipa10.600pk
Für diesen Zeichensatz (Teil der IPA-Fonts (IPA: International Phonetic Alphabet) von der Universität von Washington) liegen noch keine Type1-Umsetzungen vor und .pk-Dateien müssen generiert werden. Da unser voreingestellter MetaFont-Modus ljfour eine Auflösung von 600 dpi besitzt, nden wir (nachdem er schon einmal gebraucht und automatisch erzeugt wurde) eine entsprechende Instanz dieses Zeichensatzes.

> kpsewhich -dpi=300 wsuipa10.pk

Durch die Angabe -dpi=300 interessieren wir uns nur für Zeichensätze mit der Auflösung 300 dpi. Es wurde keiner gefunden. Programme wie dvips oder xdvi lassen einen solchen fehlenden Zeichensatz durch den Aufruf des Skripts mktexpk mit entsprechenden Parametern automatisch erzeugen.

Als nächstes wenden wir uns den Header- und Kongurationsdateien von dvips zu.

Zunächst suchen wir nach der Konguration für die TEX-Unterstützung, dem Prolog tex.pro. Danach suchen wir die allgemeine Kongurationsdatei (config.ps) und schlielich die PostScript-Zeichensatzzuordnungsdatei psfonts.map. Dateien dieser Art haben seit der 2004er-Version der TEX Live ihre eigenen Suchpfade und einen neuen Aufbewahrungsort im texmf-Baum. Da die Namensendung .ps nicht eindeutig ist, müssen wir den gewünschten Typ (dvips config) für die Datei config.ps spezizieren.

> kpsewhich tex.pro
   /usr/local/texmf/dvips/base/tex.pro
> kpsewhich --format="dvips config" config.ps
   /usr/local/texmf/dvips/config/config.ps
> kpsewhich psfonts.map
   /usr/local/texmf/fonts/map/dvips/updmap/psfonts.map

Jetzt suchen wir nach den Dateien für den PostScript-Zeichensatz URW Times. Nach dem Namensschema von Karl Berry beginnen die Namen mit utm. Zunächst suchen wir die Kongurationsdatei, die den Namen der Zeichensatzzuordnungsdatei enthält.

> kpsewhich --format="dvips config" config.utm
   /usr/local/texmf-dist/dvips/psnfss/config.utm

Diese Datei enthält folgende Anweisung:

   p +utm.map

Die angegebene Datei utm.map wollen wir als nächstes suchen:

> kpsewhich utm.map
   /usr/local/texmf-dist/fonts/map/dvips/times/utm.map

Diese Zuordnungsdatei wird im Unterverzeichnis urw bei den Hilfsdateien für dvips gefunden. Sie enthält die Dateinamen der Type1-PS-Zeichensätze, die für URW Times benutzt werden. Ein kleiner Auszug aus dieser Datei:

  utmb8r  NimbusRomNo9L-Medi    ... 
  utmbi8r NimbusRomNo9L-MediItal... 
  utmr8r  NimbusRomNo9L-Regu    ... 
  utmri8r NimbusRomNo9L-ReguItal... 
  utmbo8r NimbusRomNo9L-Medi    ... 
  utmro8r NimbusRomNo9L-Regu    ... 

Wenn wir jetzt beispielsweise nach dem Zeichensatz Times Regular (utmr8a.pfb) suchen, nden wir ihn im Verzeichnis texmf unter den Type1-Zeichensätzen:

> kpsewhich utmr8a.pfb
 /usr/local/texmf-dist/fonts/type1/urw/times/utmr8a.pfb

Diese Beispiele sollten deutlich gemacht haben, wie leicht bestimmte Dateien im TEX-Dateibaum gefunden werden können. Dies ist sehr wichtig, wenn Sie den Verdacht haben, dass eine falsche Version einer Datei verwendet wird: Sie lassen sich einfach die verwendete Datei von kpsewhich anzeigen.

8.2.4  Fehlersuche

Manchmal ist wichtig, bis ins Detail nachzuvollziehen, wie ein Programm eine bestimmte Datei ndet. Zu diesem Zweck bietet die Kpathsea-Bibliothek verschiedene Stufen für den Umfang der Fehlersuche an.

 1
stat-Aufrufe (Überprüfung, ob Datei existiert); mit einer aktuellen ls-R-Datenbank sollten Sie fast keine Meldungen erhalten.
 2
Zugrie auf Suchlisten (wie ls-R-Datenbanken, Zuordnungsdateien (.map), Kongurationsdateien)
 4
Önen und Schlieen von Dateien
 8
Auflisten der voreingestellten Pfade für Extensionen
16
Verzeichnisliste für jede Pfadkomponente (nur bei Festplattenzugri)
32
Suchaktionen nach Dateien
64
Werte von Variablen.

Durch die Angabe von -1 setzen Sie alle Stufen gleichzeitig. Für eine eziente Fehlersuche sollten Sie sich auf die wichtigsten Ausgaben beschränken.

Für dvips gibt es einen ähnlichen Mechanismus zur Erzeugung von Analysemeldungen, um herauszunden, warum bestimmte Dateien geönet wurden bzw. wo vielleicht das Problem liegt, wenn Dateien nicht gefunden werden.

Da fast alle Programme die Kpathsea-Bibliothek benutzen, können Sie die gewünschte Stufe auch über die Umgebungsvariable KPATHSEA_DEBUG einstellen, indem Sie einen der Werte oder eine additive Kombination spezizieren.

Anmerkung für Windows-Benutzer: Es ist nicht einfach, alle Meldungen in eine Datei umzulenken. Für die Fehlersuche jedoch ist die folgende (temporäre!) Vereinbarung sinnvoll:

SET KPATHSEA_DEBUG_OUTPUT=err.log

Wir betrachten als Beispiel eine kleine LATEX-Quelldatei mit dem Namen hello-world.tex mit folgendem Inhalt:

  \documentclass{article}  
  \begin{document}  
  Hello World!  
  \end{document}

Diese Datei verwendet nur einen Zeichensatz, nämlich cmr10. Wir sehen uns jetzt einmal genau an, wie dvips die PostScript-Datei erzeugt. Da wir die Type 1-Variante der Computer-Modern-Roman-Zeichensätze verwenden wollen, haben wir die Option -Pcms verwendet.

> dvips -d4100 hello-world -Pcms -o

Hier haben wir als Stufe zur Fehlersuche eine Kombination der Stufe 4 von dvips, siehe dvips-Handbuch.

Die Ausgabe sieht ungefähr so wie in Abbildung 8.1 dargestellt aus (die Ausgabe wurde für einen besseren Überblick etwas umgestaltet).


debug:start search(file=texmf.cnf, must_exist=1, find_all=1,
  path=.:/usr/local/bin/texlive:/usr/local/bin:
       /usr/local/bin/texmf/web2c:/usr/local:
       /usr/local/texmf/web2c:/.:/./teTeX/TeX/texmf/web2c:).
kdebug:start search(file=ls-R, must_exist=1, find_all=1,
  path=~/tex:/usr/local/texmf).
kdebug:search(ls-R) =>/usr/local/texmf/ls-R
kdebug:start search(file=aliases, must_exist=1, find_all=1,
  path=~/tex:/usr/local/texmf).
kdebug:search(aliases) => /usr/local/texmf/aliases
kdebug:start search(file=config.ps, must_exist=0, find_all=0,
  path=.:~/tex:!!/usr/local/texmf/dvips//).
kdebug:search(config.ps) => /usr/local/texmf/dvips/config/config.ps
kdebug:start search(file=/root/.dvipsrc, must_exist=0, find_all=0,
  path=.:~/tex:!!/usr/local/texmf/dvips//).
search(file=/home/goossens/.dvipsrc, must_exist=1, find_all=0,
  path=.:~/tex/dvips//:!!/usr/local/texmf/dvips//).
kdebug:search($HOME/.dvipsrc) =>
kdebug:start search(file=config.cms, must_exist=0, find_all=0,
  path=.:~/tex/dvips//:!!/usr/local/texmf/dvips//).
kdebug:search(config.cms)
=>/usr/local/texmf/dvips/cms/config.cms
Abbildung 8.1: Suche nach Kongurationsdateien.
kdebug:start search(file=texc.pro, must\_exist=0, find\_all=0,
  path=.:~/tex/dvips//:!!/usr/local/texmf/dvips//:
       ~/tex/fonts/type1//:!!/usr/local/texmf/fonts/type1//).
kdebug:search(texc.pro) => /usr/local/texmf/dvips/base/texc.pro
Abbildung 8.2: Suche nach Prologdateien.
kdebug:start search(file=cmr10.tfm, must\_exist=1, find\_all=0,
  path=.:~/tex/fonts/tfm//:!!/usr/local/texmf/fonts/tfm//:
       /var/tex/fonts/tfm//).
kdebug:search(cmr10.tfm) => /usr/local/texmf/fonts/tfm/public/cm/cmr10.tfm
kdebug:start search(file=texps.pro, must\_exist=0, find\_all=0,
   ...

kdebug:start search(file=cmr10.pfb, must\_exist=0, find\_all=0,
  path=.:~/tex/dvips//:!!/usr/local/texmf/dvips//:
       ~/tex/fonts/type1//:!!/usr/local/texmf/fonts/type1//).
kdebug:search(cmr10.pfb) => /usr/local/texmf/fonts/type1/public/cm/cmr10.pfb
[1]
Abbildung 8.3: Suche nach Font-Dateien.

Zunächst sucht dvips (bzw. Kpathsea) seine Kongurationsdateien, nämlich
texmf.cnf (das die Pfade der anderen Dateien enthält), dann die Dateinamen-Datenbank ls-R (zur Optimierung der Suche) und die Datei aliases, mit deren Hilfe für eine Datei mehrere Namen vereinbart werden können, z. B. um die kurzen 8.3-DOS-Namen mit aussagefähigen, langen Namen zu assoziieren. Danach wird die allgemeine dvips-Kongurationsdatei config.ps, anschlieend die benutzerspezische Kongurationsdatei .dvipsrc (wird hier nicht gefunden) gesucht. Als letztes sucht dvips die Zuordnungsdatei für Computer-Modern-PostScript-Zeichensätze config.cms (bedingt durch die Option -Pcms beim Aufruf von dvips). Diese Datei enthält die Dateinamen der Listen, die die Zuordnung zwischen Dateinamen und Zeichensatznamen herstellen.

> more /usr/local/texmf/dvips/cms/config.cms
   p +ams.map
   p +cms.map
   p +cmbkm.map
   p +amsbkm.map

dvips versucht, diese Dateien und zusätzlich die allgemeine Zeichensatzzuordnungstabelle psfonts.map zu laden, die immer konsultiert wird. Der letzte Teil von Kapitel 8.2.3 erklärt diese Tabellen genauer.

Jetzt erfolgt die normale Startmeldung von dvips:

dvips(k) 5.94a
kpathsea version
Copyright (C) 2003 Radical Eye Software.
...

Danach wird nach texc.pro gesucht:


kdebug:start search(file=texc.pro, must_exist=0, find_all=0,
  path=.:~/tex/dvips//:!!/usr/local/texmf/dvips//:
       ~/tex/fonts/type1//:!!/usr/local/texmf/fonts/type1//).
kdebug:search(texc.pro) => /usr/local/texmf/dvips/base/texc.pro

Dann gibt dvips Datum und Uhrzeit aus und meldet den Dateinamen der erzeugten PostScript-Datei hello-world.ps. Jetzt wird die Zeichensatzdatei cmr10 benötigt, die dvips als „resident meldet.


TeX output 1998.02.26:1204' -> hello-world.ps
Defining font () cmr10 at 10.0pt
Font cmr10  is resident.

Es geht weiter mit cmr10.tfm und einigen weiteren Prologdateien, deren Ausgaben wir hier weglassen. Letztlich wird die Type 1-Zeichensatzdatei cmr10.pfb gesucht (und gefunden) und in die Ausgabedatei integriert (siehe letzte Zeile).


kdebug:start search(file=cmr10.tfm, must_exist=1, find_all=0,
  path=.:~/tex/fonts/tfm//:!!/usr/local/texmf/fonts/tfm//:
       /var/tex/fonts/tfm//).
kdebug:search(cmr10.tfm) => /usr/local/texmf/fonts/tfm/public/cm/cmr10.tfm
kdebug:start search(file=texps.pro, must_exist=0, find_all=0,
   ...

kdebug:start search(file=cmr10.pfb, must_exist=0, find_all=0,
  path=.:~/tex/dvips//:!!/usr/local/texmf/dvips//:
       ~/tex/fonts/type1//:!!/usr/local/texmf/fonts/type1//).
kdebug:search(cmr10.pfb) => /usr/local/texmf/fonts/type1/public/cm/cmr10.pfb
[1]

8.3  Einstellungen zur Laufzeit

Zu den willkommenen Erweiterungen von Web2C zählt die Möglichkeit, zur Laufzeit einige Speichergröen über die Datei texmf.cnf anpassen zu können (insbesondere die Gröe einiger Stacks). Eine ausführliche Liste der veränderbaren Parameter nden Sie in der Datei texmf.cnf. Die wichtigsten Werte sind:

main_memory
Arbeitsspeicher für TEX, MetaFont und MetaPost in Worten: Für jede Einstellung muss eine eigene Format-Datei erstellt werden. Allerdings können Sie mehrere Versionen von TEX unter verschiedenen Namen erzeugen und in der Kongurationsdatei jeweils eigene Einträge vorsehen. Hier gibt es ein Monster-TEX namens hugetex mit der zugehörigen Format-Datei hugetex.fmt, wobei der spezielle Wert der Variablen main_memory dann aus der Datei texmf.cnf gelesen wird.
extra_mem_bot
Extraspeicher für „groe TEX-Datenstrukturen wie Boxen, Glue, Breakpoints. Besonders bei Anwendung von PiCTEXsollte dieser Wert erhöht werden.
font_mem_size
Anzahl der Worte für Speicherung von Zeichensatzinformationen: Entspricht ungefähr dem Speicherbedarf der gelesenen TFM-Dateien.
hash_extra
Zusätzlicher Platz für Suchlisten: In der Hauptliste können ca. 10000 Einträge verwaltet werden. Bei einem Buch mit vielen Querverweisen reicht dieser Platz unter Umständen nicht aus. Die Voreinstellung für hash_extra ist 50000.

Natürlich sind diese Parameter kein Ersatz für eine wirklich dynamische Speicherverwaltung. Mit der gegenwärtigen Version von TEX ist dieses Konzept aber nur extrem schwer zu implementieren, darum stellt dieses Verfahren eine praktikable Lösung dar.

9  Danksagungen

Die TEX Live ist eine gemeinsame Arbeit faktisch aller TEX Users Groups.

Die Entwicklung des vorliegende TEX Live-Release wurde von Karl Berry geleitet; die übrigen Haupt-Mitarbeiter sind im Folgenden aufgelistet.

  • Den englisch-, deutsch-, niederländisch-, und polnisch-sprachigen TEX-Anwendervereinigungen (TUG, DANTE e.V., NTG, and GUST), die zusammen die technische und administrative Infrastruktur zur Verfügung stellen. Wir würden uns freuen, wenn Sie bei einer der Anwendervereinigungen Mitglied werden.
  • Dem gesamten CTAN-Team, das die TEX Live-CD-Images und die Infrastruktur für Paketupdates zur Verfügung stellt, von denen TEX Live abhängt.
  • John Bowman, der viele Änderungen an dem Grakprogramm Asymptote vornam, damit es als Teil von TEX Live arbeitet.
  • Peter Breitenlohner und dem eTEX Team für den stabilen Grundstock zu TEXs Zukunft, und Peter speziell für wertvolle Hilfe zum Verwenden von GNU autotools in TEX Live;
  • Jin-Hwan Cho und allen Mitgliedern des DVIPDFMx-Teams für deren exzellentes Programm und Mithilfe bei Kongurationsfragen.
  • Thomas Esser, der mit dem exzellenten teTEXdie Basis für dieses TEX Live schuf,
  • Michel Goossens, als Coautor der englischen Original-Dokumentation,
  • Eitan Gurari, mit dessen TeX4ht die HTML-Version dieser Anleitung erstellt wurde und der unermüdlich daran gearbeitet hat, es auf Zuruf zu verbessern. Eitan Gurari verstarb leider im Juni 2009, diese Anleitung ist auch seinem Andenken gewidmet.
  • Hans Hagen, für zahlreiche Tests und Aktivitäten, damit ConTEXt (http://pragma-ade.com) ein Teil von TEX Live sein kann;
  • Han The Thanh, Martin Schröder und das pdfTEX-Team (http://pdftex.org), die die Arbeiten zur Erweiterung der Möglichkeiten von TEX fortgesetzt haben;
  • Taco Hoekwater, für neue Entwicklungen von MetaPost und (Lua)TEX (http://luatex.org), und ebenfalls für die Unterstützung beim ConTEXt-Teil von TEX Live, Weiterentwicklungen von Kpathsea und vieles mehr;
  • Klaus Höppner, für die Betreuung dieses Dokuments und anderen Verdienste um TEX
  • Pawe Jackowski für das Installationsprogramm tlpm für Windows, Tomasz uczak für tlpmgui in früheren Versionen von TEX Live;
  • Akira Kakuto, für Windows-Programme im Rahmen seines W32TEX Distribution (http://www.32tex.org/);
  • Jonathan Kew für die Entwicklung von XeTEX und die Zeit und Mühe, es in TEX Live zu integrieren, sowie für die erste Version des MacTEX-Installers, und für das von uns als Oberäche empfohlene TEXworks;
  • Dick Koch für die Betreuung von MacTEX (http://tug.org/mactex);
  • Reinhard Kotucha, für die Unterstützung bei der Infrastruktur von TEX Live und das Installationsprogramm, für seine Windows-Untersuchungen, für das getnonfreefonts Script, und vieles mehr;
  • Siep Kroonenberg, für wertvolle Beiträge zur Infrastruktur von TEX Live 2008 und den Installer, insbesondere unter Windows, und für einen Groteil der Arbeit, die Dokumentation dafür zu schreiben;
  • Mojca Miklavec, for ihre Hilfe mit ConTEXt.
  • Heiko Oberdiek für das Paket epstopdf (und viele weitere), für die Kompression der riesigen Datenmengen von pst-geo, so dass sie in TEX Live passten, und natürlich für seine Arbeit an hyperref.
  • Petr Olsak, der das tschechische und slowakische Material sehr sorgfältig er- und überarbeitet hat;
  • Toshio Oshima, für den dviout-Previewer für Windows;
  • Manuel Pégourié-Gonnard, für die Mithilfe beim Aktualisieren von Paketen, der Dokumentation und Arbeit an texdoc;
  • Fabrice Popineau für die erste Windows-Version von TEX Live und Mithilfe bei der französischen Dokumentation;
  • Norbert Preining, Hauptkoordinator für TEX Live-Infrastruktur und den Installer, für die Koordination der Debian Version von TEX Live (zusammen mit Frank Küster), und die daraus resultierenden Verbesserungsvorschläge;
  • Sebastian Rahtz für die Erndung von TEX Live und die langjährige Leitung des Projekts;
  • Phil Taylor, der die BitTorrent-Downloads eingeführt hat;
  • Tomasz Trzeciak für seine Hilfe mit Windows;
  • Vladimir Volovich für viele substanzielle Mithilfe, und dafür, dass er es möglich gemacht hat, xindy in TEX Live aufzunehmen;
  • Staszek Wawrykiewicz, der Haupttester für alles, was mit TEX zusammen hängt, Koordinator der polnischen Beiträge, Windows-Installation und mehr;
  • Olaf Weber für die Geduld beim Pegen von WebC;
  • Gerben Wierda für das Erstellen und Pegen des ursprünglichen Mac OSX-Teils und für viele Integrations- und Testarbeiten;
  • Graham Williams, dessen Arbeit das Makro- und Paketverzeichnis möglich gemacht hat.

Ausführbare Programme (Executables):

Ettore Aldrovandi (i386-solaris, x86_64-solaris), Marc Baudoin (amd64-netbsd, i386-netbsd), Karl Berry (i386-linux, sparc-solaris), Peter Breitenlohner
(x86_64-linux), Ken Brown (i386-cygwin), Simon Dales (armhf-linux), Akira Kakuto (win32), Dick Koch (universal-darwin, x86_64-darwin), Nikola Lečić
(amd64-freebsd,
i386-freebsd), Mojca Miklavec (mipsel-linux, sparc-solaris), Norbert Preining (alpha-linux), Thomas Schmitz (powerpc-linux), Boris Veytsman (armel-linux).

Informationen dazu, wie Binaries für TEX Live erzeugt werden, nden sich unter http://tug.org/texlive/build.html.

Übersetzungen der Dokumentation:

  • Boris Veytsman (Russisch),
  • Jjgod Jiang, Jinsong Zhao, Yue Wang, & Helin Gai (Chinesisch),
  • Uwe Ziegenhagen (Deutsch),
  • Manuel Pégourié-Gonnard (Französisch),
  • Marco Pallante (Italienisch),
  • Nikola Lečić (Serbisch),
  • Carlos Enriquez Figueras (Spanish),
  • Petr Sojka & Jan Busa (Tschechisch/Slowakisch),
  • Staszek Wawrykiewicz (Polnisch).

Natürlich haben wir am meisten Donald Knuth zu danken, einmal dafür, dass er TEX erfand und dann dafür, dass er es der Welt schenkte.

10  Geschichtliches

Diese Ausgabe der TEX Live ist in Zusammenarbeit der TEX Users Group (TUG), der UKTUG, der französischen TEX-Vereinigung GUTenberg und der deutschsprachigen TEX-Anwendervereinigung (DANTE e. V.) unter Mithilfe der niederländischen, tschechischen/slowakischen, indischen, polnischen und russischen TEX-Benutzergruppen entstanden.

10.1  Vergangenheit

Die niederländische TEX-Benutzergruppe hatte Ende 1993 mit der Produktion der 4AllTEX-CD-ROM für MS-DOS die Diskussion angeregt, eine einzige CD-ROM für alle Rechnersysteme zu entwickeln. Zum damaligen Zeitpunkt war dieses Ziel zu hoch gesteckt, doch immerhin entstand aus dieser Diskussion nicht nur die sehr erfolgreiche 4AllTEX-CD-ROM, sondern auch die TUG-Arbeitsgruppe zur Denition der TEX Directory Structure TDS, die die zur Arbeit mit TEX notwendigen und hilfreichen Dateien in eine konsistente und handhabbare Verzeichnisstruktur einbettet. Das Final Draft-Dokument, das diese Verzeichnisstruktur festlegt, wurde in der Dezember-Ausgabe 1995 der TUGBoat veröentlicht. Schon frühzeitig war den Beteiligten klar, dass eine CD-ROM auf der Basis der TDS sehr zu begrüen wäre. Die TEX Live-CD-ROM war das direkte Resultat der Beratungen der TDS-Arbeitsgruppe. Auerdem hat der Erfolg der 4AllTEX-CD-ROM klargemacht, dass ein ähnliches System auch für UNIX-Benutzer eine Erleichterung darstellen würde. Dies war der zweite Beweggrund für die TEX Live-CD-ROM.

Im Herbst 1995 wurde das Projekt, eine TDS-basierte UNIX-CD-ROM zu entwickeln, in Angri genommen. Sehr schnell stieen die Verantwortlichen auf das teTeX-System von Thomas Esser als idealen Ausgangspunkt für diese Arbeit, weil es verschiedene Rechnerplattformen unterstützte und für die Arbeit mit verschiedenen Dateisystemen vorgesehen war. Anfang 1996 wurde in Zusammenarbeit mit Thomas Esser ernsthaft mit der Arbeit begonnen und im Mai 1996 die erste Ausgabe der CDROM veröentlicht.

Anfang 1997 stellte Karl Berry eine neue Version seines Web2C-TEX-Systems vor, das schon nahezu alle Ausstattungsmerkmale aufwies, die Thomas Esser mit teTEX verwirklicht hatte. Die TUG entschied sich daraufhin, die zweite Version der CDROM auf der Basis von Web2C unter Verwendung des Installations-Skripts texconfig aus dem teTEX-Paket zu entwickeln.

Die dritte Ausgabe basierte auf der inzwischen von Olaf Weber gepegten und weiter entwickelten Web2C Version 7.2; TEX Live unterstützte fast alle Eigenschaften der zur selben Zeit entstandenen neuen Version von teTEX.

Die vierte Ausgabe folgte demselben Schema, indem ihr neue Versionen von teTEX und Web2C (7.5) zugrunde lagen. Fast die gesamte CDROM wurde einer kritischen Überprüfung unterzogen, wobei besonders darauf geachtet wurde, dass doppelte Dateien entfernt wurden und die Einordnung der Pakete konsistent erfolgte. Zudem enthielt diese Ausgabe ein komplettes Windows-Setup.

Für die fünfte Ausgabe im März 2000 wurden wiederum groe Teile der CDROM ersetzt, wobei Hunderte von überarbeiteten Paketen aufgenommen wurden. Ω, pdfTEX und Teile der TEX-Support-Programme (hier insbesondere xdvi, dvips und tex4ht) lagen in neuer Version vor. Die Hauptänderung bei der TEX Live 5 betraf die non-free-Software. Alles auf dieser CDROM war nun in Übereinstimmung mit den Debian Free Software Guidelines (http://www.debian.org/intro/free). Wir haben unser Bestes versucht, die Lizenzbedingungen aller Pakete zu überprüfen, sind aber dankbar, wenn wir auf Fehler hingewiesen werden.

Die sechste Ausgabe der TEX Live vom Juli/August 2001 enthielt die neuesten Versionen aller Pakete und Programme. Das neue Installationskonzept stellte die gröte Änderung dar: Der Benutzer konnte nun viel genauer gewünschte bzw. nicht erwünschte Sammlungen und Pakete auswählen. Dabei wurden die sprachspezischen Sammlungen komplett überarbeitet, so dass sie jetzt automatisch nicht nur Makros, Fonts usw. installierten, sondern zusätzlich die notwendigen Einträge in language.dat vornahmen.

Die siebte Ausgabe vom Mai 2002 enthielt als gröte Änderungen Mac OSX und wieder unzählige Updates aller Pakete und Programme.

Ein wesentliches Ziel war zudem die Wiedererstellung einer gemeinsamen Quelle mit teTeX, um das Auseinanderlaufen seit TEX Live 5 und TEX Live 6 zu korrigieren.

10.2  TEX Live 2003

Im Jahr 2003 war die Flut von Updates und neuen Paketen so gro geworden, dass wir feststellen mussten: TEX Live passt nicht mehr auf eine einzelne CDROM.

Des Weiteren:

  • Auf Wunsch des LATEX-Teams wurde der Standard für latex und pdflatex verändert; beide benutzen nun eTEX als Basis (siehe Seite 22).
  • Die neuen Latin Modern Fonts wurden aufgenommen (und werden zur Benutzung empfohlen).
  • Der Support für Alpha-OSF wurde aufgegeben (den HPUX-Support hatte es schon zuvor ereilt), da niemand mehr in der Lage war, neue Binaries zu kompilieren.
  • Das Setup für Windows wurde grundlegend überarbeitet. Zum ersten Mal wurde eine integrierte Umgebung eingeführt, die auf XEmacs basiert.
  • Wichtige Hilfsprogramme für Windows (Perl, Ghostscript, ImageMagick, Ispell) werden nun im TEX Live-Verzeichnis installiert.
  • Die von dvips, dvipdfm und pdftex benutzten Font-Maples werden vom neuen Programm updmap generiert und in texmf/fonts/map installiert.
  • TEX, MetaFont und MetaPost geben nun die meisten 8-Bit-Input-Zeichen (Position 32 und oberhalb) unverändert aus in (\write)-Files, Logles und auf dem Terminal. Das bedeutet, dass sie nicht mit der ^^-Notierung übersetzt ausgegeben werden. Auf der TEX Live 7 war diese Übersetzung abhängig von der locale-Einstellung des Systems; nun beeinussen locale-Einstellung nicht TEXs Programmverhalten.
    Falls Sie aus irgendwelchen Gründen die ^^-Ausgabe benötigen, müssen Sie in Ihrem System die Datei texmf/web2c/cp8bit.tcx umbenennen (zukünftige Versionen werden eine sauberere Schnittstelle zur Kontrolle dieses Verhaltens anbieten).
  • Die Dokumentation wurde grundlegend überarbeitet.
  • Zum Abschluss einigten wir uns auf eine neue Edition-Nummerierung. Ab diesem Jahr trägt die TEX Live statt einer fortlaufenden Nummer die Jahreszahl: TEX Live 2003.

10.3  TEX Live 2004

  • Wenn Sie lokal installierte Zeichensätze mit ihren eigenen .map- oder (weniger wahrscheinlich) .enc-Dateien benutzen, müssen Sie möglicherweise diese Dateien verschieben. Nach den .map-Dateien wird jetzt in den fonts/map-Unterverzeichnissen im TEXFONTMAPS-Pfad gesucht (in jedem texmf-Baum). Gleichzeitig werden .enc-Dateien jetzt in den fonts/enc-Unterverzeichnissen entlang des ENCFONTS-Pfads gesucht. Das Programm updmap versucht, bei problematischen Dateien zu warnen.

    Informationen darüber, wie das gehandhabt wird, und zusätzliche Informationen nden Sie unter http://tug.org/texlive/mapenc.html.

  • Die TEX Collection wurde für all diejenigen, die diese Implementierung Web2C vorziehen, um eine MiKTEX-basierte und installierbare CDROM erweitert.
  • In der TEX Live wurde der umfangreiche texmf-Baum früherer Versionen durch drei Teilbäume ersetzt: texmf, texmf-dist und texmf-doc. Siehe dazu Kapitel 2.2 auf Seite 18 und die README-Dateien in den drei Zweigen.
  • Alle TEX-relevanten Eingabedateien sind jetzt in den tex-Unterverzeichnissen der texmf*-Bäume zusammengefasst und nicht mehr in den parallelen Verzeichnissen tex, etex, pdftex, pdfetex, usw.
  • Hilfs-Skripte, die der Anwender nicht selbst aufruft, werden jetzt in den neuen scripts-Unterverzeichnissen der texmf*-Bäume aufbewahrt. Nach ihnen kann per kpsewhich -format=texmfscripts gesucht werden. Wenn Sie Programme einsetzen, die solche Skripte aufrufen, müssen sie angepasst werden.
  • (Fast) alle Formate interpretieren an Stelle einer Übersetzung durch die ^^-Notation mittels des translation les cp227.tcx die meisten Zeichen als direkt ausgebbar. Insbesondere werden die Zeichen an den Positionen 32256, zusätzlich TAB, VT (vertical tab; vertikaler Tab) und FF (form feed; Seitenvorschub), als druckbar angesehen und daher nicht übersetzt. Ausnahmen sind plain TEX, bei dem nur die Zeichen an den Positionen 32127 druckbar sind, ConTEXt (mit druckbaren Zeichen an den Positionen 0255) und die Ω-verwandten Formate. Dieses voreingestellte Verhalten ist (fast) identisch mit dem in TEX Live 2003; es ist aber jetzt klarer und mit umfangreicheren Anpassungsmöglichkeiten implementiert.

    Anmerkung: Da TEX byte-orientiert ist, können bei einer Unicode-Eingabe (2-Byte-Zeichen) im Kontext von Fehlermeldungen Folgen von 1-Byte-Zeichen ausgegeben werden.

  • pdfetex ist jetzt die voreingestellte Engine für alle Formate mit Ausnahme von (plain-)tex selbst (natürlich generiert es DVI-Code, wenn es als latex, usw. aufgerufen wird.). Das bedeutet unter vielen anderen Dingen, dass die mikrotypographischen Fähigkeiten von pdftex wie auch die Erweiterungen von eTEX in LATEX, ConTEXt usw. zur Verfügung stehen.

    Das bedeutet, dass es wichtiger denn je ist, das Paket ifpdf zu benutzen (es arbeitet sowohl mit plain TEX als auch mit LATEX), da der einfache Test, ob pdfoutput oder ein anderer TEX-Grundbefehl (primitive) deniert ist, nicht verlässlich genug ist für die Entscheidung, ob eine PDF-Ausgabe erzeugt wird. Wir haben das rückwärts-kompatibel gemacht, so gut wir das dieses Jahr konnten; nächstes Jahr aber soll pdfoutput so beschaen sein, dass dieser Befehl auch dann deniert ist, wenn DVI-Code erzeugt wird.

  • pdfTEX (http://pdftex.org/) hat viele neue Besonderheiten:
    • Die Befehle pdfmapfile und pdfmapline ermöglichen einen Font-Map-Support innerhalb eines Dokuments.
    • Mikrotypograsche Zeichensatz-Expansion (font expansion) kann jetzt viel leichter benutzt werden http://www.ntg.nl/pipermail/ntg-pdftex/2004-May/000504.html.
    • Alle Parameter, die früher in der speziellen Kongurationsdatei pdftex.cfg deniert wurden, müssen jetzt mit Hilfe von pdfTEX-Grundbefehlen gesetzt werden, typischerweise in pdftexconfig.tex; die Kongurationsdatei pdftex.cfg wird nicht länger unterstützt.

      Jede schon bestehende Format-Datei (.fmt) muss neu erstellt werden, wenn pdftexconfig.tex geändert wird.

    • Für zusätzliche Informationen siehe das pdfTEX-Handbuch unter
      texmf-dist/doc/pdftex/manual.
  • Der Grundbefehl input in tex (mf und mpost) akzeptiert jetzt doppelte Anführungszeichen und andere Spezialzeichen. Typische Beispiele:
    \input "filename with spaces"   % plain  
    \input{"filename with spaces"}  % latex

    Für zusätzliche Informationen siehe das Web2C-Handbuch: texmf/doc/web2c.

  • encTEX wird jetzt in Web2C und damit auch in allen TEX-Programmen unterstützt. Dazu wird beim Generieren neuer Formate die Option -enc benutzt. encTEX unterstützt allgemein die Umkodierung der Ein- und Ausgabe und ermöglicht eine volle Unicode-Unterstützung (in UTF-8).

    Siehe texmf-dist/doc/generic/enctex/ und http://www.olsak.net/enctex.html.

  • Aleph (), eine neue Engine, die eTEX und Ω vereinigt, ist verfügbar. Ein bisschen Information darüber nden Sie in texmf-dist/doc/aleph/base und http://www.tex.ac.uk/cgi-bin/texfaq2html?label=aleph. Das LATEX-basierte Aleph-Format heit lamed.
  • Das neueste LATEX-Release enthält eine neue Version der LPPL (LPPL: LaTeX Project Public License), die jetzt eine oziell von Debian anerkannte Lizenz ist. Zusammen mit anderen Updates nden Sie Informationen dazu in den ltnews-Dateien in texmf-dist/doc/latex/base.
  • dvipng ein neues Programm zum Konvertieren von DVI-Dateien in PNG-Bilddateien, ist Bestandteil von TEX Live. Siehe texmf/doc/man/man1/dvipng.1.
  • Auf Vorschlag des Autors (Claudio Beccari) haben wir das Paket cbgreek auf einen „mittelgroen Satz von Fonts reduziert. Herausgenommen wurden die invisible, Outline- und Transparency-Fonts, die relativ selten benutzt werden denn wir benötigen den Platz. In seinem vollen Umfang ist das Paket natürlich weiterhin auf CTAN verfügbar (http://www.ctan.org/tex-archive/fonts/greek/cb/).
  • oxdvi wurde entfernt; benutzen Sie jetzt xdvi.
  • Die ini- und vir-Befehle (Links) für tex, mf and mpost sind nicht mehr länger verfügbar, so auch initex. Das ist kein richtiger Verlust, da die ini-Funktionalität schon seit mehreren Jahren über den Aufrufparameter -ini zur Verfügung steht.
  • Die Unterstützung der Plattform i386-openbsd wurde entfernt. Da das Paket tetex im BSD-Ports-System zur Verfügung steht und Binaries für GNU/Linux and FreeBSD erhältlich sind, erschien es sinnvoll, die Zeit der Freiwilligen besser zu nutzen.
  • Zumindest auf sparc-solaris müssen Sie ggf. die Environment-Variable
    LD_LIBRARY_PATH setzen, um die t1utils-Programme laufen lassen zu können. Ursache dafür ist, dass die Programme mit C++ kompiliert wurden und dass es keinen Standard-Platz für Laufzeit-Bibliotheken gibt (das ist zwar auch im Jahre 2004 nicht neu, wurde aber bisher nicht dokumentiert.) Unter mips-irix werden die MIPSpro-7.4-Laufzeit-Bibliotheken benötigt.

10.4  TEX Live 2005

Im Jahr 2005 gab es wie üblich viele aktualisierte Pakete und Programme. Die Struktur des Systems blieb weitgehend gleich, mit folgenden Ausnahmen:

  • Die neuen Skripte texconfig-sys, updmap-sys und fmtutil-sys für die systemweite Konguration des Systems wurden hinzugefügt. Die Skripte texconfig, updmap und fmtutil modizieren nun die Konguration für einen einzelnen Nutzer unter $HOME/.texlive2005.
  • Analog spezizieren die Pfade TEXMFCONFIG und TEXMFSYSCONFIG nun, wo die Kongurationsdateien gefunden werden (für einen einzelnen Nutzer bzw. systemweit). Möglicherweise müssen Sie daher vorhandene eigene Versionen von fmtutil.cnf oder updmap.cfg in die entsprechenden Pfade verschieben. Alternativ können Sie TEXMFCONFIG und TEXMFSYSCONFIG in der Datei texmf.cnf umdenieren, dass diese auf die Speicherorte Ihrer eigenen Kongurationsdateien verweisen. Siehe Kapitel 2.3 auf Seite 19.
  • Im letzten Jahr wurden für die Programme, die DVI als Ausgabeformat erzeugen, die Primitive wie PDFoutput auf undeniert gesetzt, obwohl immer pdfetex verwendet wurde. In diesem Jahr wurde dies wie angekündigt nicht mehr getan. Falls in Dokumenten nun die Abfrage \ifxPDFoutput\undefined zum Test benutzt wird, ob PDF oder DVI erzeugt wird, müssen diese geändert werden! Benutzen Sie das Paket ifpdf.sty, das auch mit dem geänderten Verhalten funktioniert, oder orientieren Sie sich an dessen Code.
  • Im letzten Jahr wurden die Formate so geändert, dass sie Zeichen als 8-bit ausgeben. Die neue TCX-Datei empty.tcx erönet nun einen einfachen Weg, die originale Ausgabe mit ^^-Notation zu erhalten, wenn Sie es wünschen:
    latex --translate-file=empty.tcx yourfile.tex

  • Das Programm dvipdfmx für die Konvertierung von DVI nach PDF ist neu hinzugekommen. Dies ist eine aktiv gepegte Erweiterung von dvipdfm, das zwar noch verfügbar ist, aber als obsolet angesehen werden kann.
  • Ebenso sind die Programme pdfopen und pdfclose neu hinzugekommen. Diese erlauben ein Reload von PDF-Dateien im Acrobat Reader, ohne diesen neu starten zu müssen (andere PDF-Viewer wie xpdf, gv oder gsview hatten damit nie Probleme).
  • Aus Konsistenzgründen wurden die Variablen HOMETEXMF und VARTEXMF in TEXMFHOME bzw. TEXMFSYSVAR umbenannt. Weiterhin existiert TEXMFVAR für einen Baum, der spezisch für einen einzelnen Nutzer ist.

10.5  TEX Live 20062007

Der wichtigeste Neuzuwachs in der Ausgabe 20062007 von TEX Live war das XeTEX Programm, verfügbar durch die xetex und xelatex Programme; siehe http://scripts.sil.org/xetex.

Auch MetaPost erhielt ein bemerkenswertes Update, mit weiteren geplannten Änderungen (http://tug.org/metapost/articles), ebenso pdfTEX (http://tug.org/applications/pdftex).

Das (plain) tex-Programm liest nicht mehr erste Zeilen mit %& um das Format zu bestimmen. Es ist ein reines Knuth-TEX. (LATEX und alle anderen Formate lesen weiterhin %&-Zeilen).

Auerdem wurden wie üblich hunderte von Paketen und Programmen auf einen neueren Stand gebracht. Für weitere Updates wenden Sie sich bitte an CTAN (http://www.ctan.org).

Die Entwicklungsumgebung wurde auf Subversion umgestellt, was ein Webinterface für den Entwicklungsbaum beisteuerte. Dieses Webinterface ist von der Homepage verlinkt. Obwohl dieser Umstieg in der Distribution nicht zu erkennen ist, erwarten wir uns ein stabiles Fundament für die Entwicklung in den nächsten Jahren.

Schlielich hat im Mai 2006 Thomas Esser das Ende seiner Entwicklung von teTEX (http://tug.org/tetex) angekündigt. Als Konsequenz ist das Interesse an TEX Live, besonders unter den GNU/Linux-Distributoren angestiegen. (TEX Live bietet nun ein tetex-Installationsschema, dass annähernd den Umfang von teTEX umfasst.) Wir hoen dass dies schlussendlich zu einer Verbesserung der TEX-Umgebung für jederman führt.

10.6  TEX Live 2008

Die komplette Infrastruktur von TEX Live wurde 2008 neu entwickelt. Die gesamten Daten, die für die Installation benötigt werden, nden sich nun in einer einzigen Textdatei mit dem Namen tlpkg/texlive.tlpdb.

Dies ermöglicht es unter anderem, ein Update einer installierten Version von TEX Live über das Internet durchzuführen, was für MiKTEX schon seit Jahren möglich ist. Wir planen regelmäige Updates bereitzustellen, wenn Pakete auf CTAN aktualisiert werden oder neu erscheinen.

Als neues Programm ist LuaTEX (http://luatex.org) enthalten, das neben neuen Möglichkeiten innerhalb des Satzsystems eine hervorragende Skriptsprache zur Verfügung stellt, die inner- und auerhalb von TEX benutzt werden kann.

Die Unterstützung von TEX Live für Windows und Unix ist mittlerweile praktisch äquivalent. Die meisten Perl- und Lua-Skripte können nun auch unter Windows verwendet werden, da innerhalb von TEX Live Perl integriert ist.

Das neue tlmgr-Programm (Kapitel 6) ist eine komplette Oberäche zum Verwalten von TEX Live nach der Installation. Es ermöglicht das Aktualisieren von Paketen, die Neugenerierung von Formatdateien, Fontmaps und die Konguration der TEX-Unterstützung für verschiedene Sprachen.

Nach der Einführung von tlmgr sind die Funktionen von texconfig zur Konguration von Formatdateien und Trennmustern deaktiviert worden.

Der Index-Prozessor xindy (http://xindy.sourceforge.net/) ist nun für die meisten Betriebssysteme integriert.

Das Programm kpsewhich kann nun alle Fundstellen für eine gesuchte Datei anzeigen (Option all) oder die Suche auf ein bestimmtes Verzeichnis einschränken (Option subdir).

Das Programm dvipdfmx kann nun Informationen über die Bounding Box liefern, was über die Kommandozeile mit dem Befehl extractbb aufgerufen werden kann; dies war die letzte Funktion von dvipdfm, die noch nicht in dvipdfmx vorhanden war.

Die Font-Aliasnamen Times-Roman, Helvetica usw. wurden abgeschat.

Das Makro-Format platex wurde entfernt, um den Namenskonikt mit dem japanischen platex auf zu lösen; Unterstützung für polnisch wird nun vom Paket polski zur Verfügung gestellt.

Die WEB string pool les wurden in die Programme einkompiliert, um Updates zu vereinfachen.

Und abschlieend sind die Änderungen von Donald Knuth in seinem TEX tuneup of 2008 in TEX Live eingearbeitet, http://tug.org/TUGboat/Articles/tb29-2/tb92knut.pdf.

10.7  TEX Live 2009

Das Standardausgabeformat für LuaAllTEX ist nun PDF. Hier entfalten die Erweiterungen von LuaAllTEX , wie die Unterstützung von OpenType, ihre volle Wirkung. Die neuen Programme dviluatex bzw. dvilualatex erzeugen wie früher DVI als Ausgabeformat. Die Homepage von LuaTEX nden Sie unter http://luatex.org.

Nach Rücksprache mit den Autoren von Omega wurden Omega und das Format Lambda entfernt. Die aktuelle Version von Aleph und Lamed ist weiterhin in TEX Live enthalten, zusammen mit einigen Hilfsprogrammen von Omega.

Eine neue Version der AMS Type 1-Fonts wird von TEX Live mitgeliefert, inklusive der Computer Modern-Schriften. Donald Knuth hat in den letzten Jahren die Gestalt einiger Zeichen in den Metafont-Quellen geändert, diese wurden übernommen. Weiterhin wurde das so genannte Hinting verbessert. Die Euler-Schriften wurden kürzlich ebenfalls sorgsam überarbeitet (siehe http://tug.org/TUGboat/Articles/tb29-2/tb92hagen-euler.pdf). In allen Fällen blieben die Fontmetriken unverändert. Mehr zu den AMS-Fonts nden Sie unter http://www.ams.org/tex/amsfonts.html.

Die neue TEX-Oberäche TEXworks ist für Windows enthalten, analog zu MacTEX. Für andere Systeme oder weitere Informationen beachten Sie bitte die Webseite http://tug.org/texworks. TEXworks ist eine Cross-Plattform-Anwendung, die von dem Editor Mac OSX inspiriert wurde, und somit eine einfach zu bedienende Oberäche für TEX bietet.

Das Grakprogramm Asymptote ist für verschiedene System enthalten. Es bietet eine textbasierte Beschreibungssprache für Zeichnungen, nicht unähnlich zu MetaPost, aber mit Unterstützung für 3D und weiteren Vorteilen. Die Homepage bendet sich unter http://asymptote.sourceforge.net.

Das bisher enthaltene eigenständige Programm dvipdfm wurde durch dvipdfmx ersetzt, das beim Aufruf als dvipdfm in einem Kompatibilitätsmodus läuft. dvipdfmx unterstützt CJK (Chinesich, Japanisch, Koreanisch) und enthält viele Korrekturen und Verbesserungen gegenüber dem alten dvipdfm. Die Homepage zu DVIPDFMx nden Sie unter http://project.ktug.or.kr/dvipdfmx.

Für cygwin und i386-netbsd werden nun ausführbare Programme mitgeliefert, während einige andere BSD-Derivate nicht mehr dabei sind. Es wird empfohlen, dass Nutzer von OpenBSD bzw. FreeBSD TEX über den Paketmanager ihres Systems installieren, da sich gezeigt hat, dass die Bereitstellung von Binaries, die für mehrere Versionen funktionieren, sehr problematisch ist.

Einige weitere, aber kleine Änderungen: Wir verwenden nun zur Datenkompression xz als stabile Alternative zu lzma (http://tukaani.org/xz/); Dollarzeichen sind in Dateinamen erlaubt, solange sich zusammen mit den Dollarzeichen kein bekannter Variablenname ergibt; die Kpathsea ist nun multi-threaded (was von MetaPost verwendet wird); der gesamte Build von TEX Live basiert nun auf Automake.

Und zum Abschluss: Alle Releases von TEX Live, mit Zusatzmaterial wie den DVD-Labeldrucken, sind unter ftp://tug.org/historic/systems/texlive verfügbar.

10.8  TEX Live 2010

Seit 2010 werden PDF-Dateien nach PDF Version 1.5 erzeugt, was eine stärkere Komprimierung der Dateien ermöglicht. Dies gilt für alle TEX-Compiler mit dem Ausgabeformat PDF und dvipdfmx. Mit dem LATEX-Paket pdf14 wird wieder PDF 1.4 erzeugt, alternativ kann \pdfminorversion=4 verwendet werden.

pdfLATEX konvertiert nun automatisch bei Bedarf unter Verwendung des Paketes epstopdf EPS-Dateien (Encapsulated PostScript) nach PDF, wenn die Kongurationsdatei graphics.cfg geladen wurde und das Ausgabeformat PDF ist. Standardmäig sollen auf keinen Fall bereits vorhandene (evtl. mühsam anderweitig erzeugte) PDF-Dateien überschrieben werden. Die automatische Umwandlung kann komplett abgeschaltet werden, indem am Anfang der LATEX-Datei (vor documentclass!) die Zeile \newcommand{\DoNotLoadEpstopdf}{} (oder \def...) eingefügt wird und so das Laden von epstopdf unterdrückt wird. Für weitere Informationen schauen Sie bitte in die Anleitung des epstopdf-Pakets (http://ctan.org/pkg/epstopdf-pkg).

Eine wichtige, damit zusammen hängende Änderung ist die Beschränkung des write18-Befehls von TEX (das zum Aufruf externer Programme dient) auf einige wenige Programme in der Standardkonguration von TEX Live. Diese sind z. B. epstopdf, makeindex und bibtex. Konkret wird die Auswahl zulässiger Programme in der Datei texmf.cnf festgelegt. In Umgebungen, wo aus Sicherheitsgründen der Aufruf externer Anwendungen über write18 komplett unterbunden werden soll, kann dies direkt bei der Installation eingestellt werden (siehe Kapitel 3.13 oder nachträglich in texmf.cnf geändert werden.

Weiterhin werden BibTEX und Makeindex nun daran (analog zu TEX selbst) gehindert, ihre Ausgabedateien in beliebige Verzeichnisse zu schreiben, damit erlaubt werden konnte, dass sie über write18 gestartet werden. Falls dies geändert werden soll, muss entweder die Variable TEXMFOUTPUT gesetzt oder die Kongurationseinstellung openout_any geändert werden.

XeTEX unterstützt nun wie pdfTEX optischen Randausgleich.

tlmgr speichert eine Sicherheitskopie von aktualisierten Paketen (tlmgr option autobackup 1), so dass ein fehlerhaftes Update mit tlmgr restore rückgängig gemacht werden kann. Falls Sie hierfür nicht genug Platz haben, kann dies mit tlmgr +option autobackup 0 abgeschaltet werden.

Neu enthaltene Programme: pTEX und verwandte Programme zum japanischen Schriftsatz, das Programm BibTEXU für ein Unicode-fähiges BibTEX, das Programm chktex (http://baruch.ev-en.org/proj/chktex) zum Überprüfen von LATEX-Dokumenten, dvisvgm (http://dvisvgm.sourceforge.net) zum Konvertieren von DVI nach SVG.

Neu unterstützte Systeme: amd64-freebsd, amd64-kfreebsd, i386-freebsd,
i386-kfreebsd, x86_64-darwin, x86_64-solaris.

Eine Änderung in TEX Live 2009, die nicht dokumentiert wurde: Zahlreiche TEX4ht-bezogene Programme elen weg, hierfür gibt es nun das Programm mk4ht.

Abschlieend kann TEX Live nicht mehr direkt von der DVD ausgeführt werden. Eine einzelne DVD inst nicht mehr gro genug. Als Nebeneekt sollte die Installation von der DVD schneller als früher sein.

10.9  TEX Live 2011

In TEX Live gab es relativ wenige Neuerungen. Die Binaries für Mac OS X laufen nur noch unter Mac OS X Versionen ab Leopard; Panther und Tiger werden nicht mehr unterstützt.

Das biber Programm für die Bearbeitung von Bibliograen wird für die gängigen Plattformen mitgeliefert, seine Entwicklung ist eng an die Entwicklung des biblatex Pakets geknüpft, das die Art und Weise, in der LATEX Bibliograen verwaltet, komplett neu implementiert.

MetaPost (mpost) erzeugt oder nutzt keine .mem Dateien mehr. Benötigte Dateien wie plain.mp werden einfach bei jedem Lauf gelesen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass MetaPost auch als Bibliothek unterstützt wird, eine weitere wenn auch eher unsichtbare Änderung.

Die Implementierung von updmap in Perl, bisher nur unter Windows genutzt, wurde überarbeitet und wird jetzt von allen Plattformen verwandt. Abgesehen von einer deutlichen Steigerung der Geschwindigkeit sollte kein Nutzer davon etwas merken.

10.10  TEX Live 2012

tlmgr unterstützt Updates von verschiedenen Netzwerk-Repositories. Siehe dazu den Kapitel zu multiplen Repositories in der tlmgr help Ausgabe.

Der Parameter XeTeXdashbreakstate wird standardmäig für xetex und xelatex auf '1' gesetzt. Dies erlaubt Zeilenumbrüche nach em-dashes und en-dashes und war seit jeher das Standardverhalten von TEX, LATEX, LuaTEX, etc. Für perfekte Zeilenumbruch-Kompatibilität bei existierenden Dokumenten muss daher die Variable XeTeXdashbreakstate explizit auf '0' gesetzt werden.

Die Ausgabedateien von pdftex und dvips, neben anderen, dürfen jetzt gröer als 2 GB werden.

Die 35 Standard-Postscript Fonts werden standardmäig in der Ausgabe von dvips ausgegeben, da es so viele verschiedene Versionen von ihnen gibt.

Im 'Restricted Execution' Modus ist mpost standardmäig erlaubt.

Eine texmf.cnf Datei wird auch in ../texmf-local, wie zum Beispiel
/usr/local/texlive/texmf-local/web2c/texmf.cnf, gefunden, falls sie dort existiert.

Das updmap Skript liest updmap.cfg pro Verzeichnisbaum anstelle einer globalen Datei. Diese Änderung sollte komplett unsichtbar sein, sofern die updmap.cfg Dateien nicht manuell bearbeitet wurden. Die Ausgabe von updmap help hat mehr zum Thema.

Plattformen: armel-linux und mipsel-linux wurden hinzugefügt; sparc-linux und i386-netbsd sind nicht länger Teil der Haupt-Distribution. Sie können aber in Form spezieller Binaries von http://tug.org/texlive/custom-bin.html heruntergeladen werden.

10.11  TEX Live 2013

Distributions-Architektur: Aus Vereinfachungsgründen wurde texmf/ in texmf-dist/ integriert. Sowohl die TEXMFMAIN Variable als auch TEXMFDIST zeigen auf texmf-dist.

Viele kleinere Sprach-Sammlungen wurden zusammengefasst, um die Installation zu vereinfachen.

MetaPost: Native Unterstützung für PNG Ausgabe und Gleitkommazahlen (IEEE double) wurden hinzugefügt.

LuaTEX: aktualisiert auf Lua 5.2, enthält eine neue Bibliothek (pdfscanner) um externe PDF Seiteninhalte zu verarbeiten.

xeTEX (mehr auf der Webseite):

  • Die „HarfBuzz Bibliothek wird jetzt anstelle von ICU für das Font Layout genutzt. (ICU wird noch genutzt für die Unterstützung von Eingabecodierungen, bidirektionalem Satz und dem optionalen Unicode Zeilenumbruch.)
  • Graphite2 und HarfBuzz werden anstelle von SilGraphite für das Graphite Layout genutzt.
  • Auf dem Mac wird Core Text anstelle des veralteten ATSUI genutzt.
  • Wenn die Namen von TrueType/OpenType Fonts gleich sind, werden die OpenType Fonts bevorzugt.
  • Bugx beim unterschiedlichen Finden von Fonts bei xeTEX und xdvipdfmx.
  • Unterstützung von OpenType Mathematik

xdvi: nutzt jetzt FreeType anstelle von t1lib für das Rendering.

microtype.sty: etwas Unterstützung für xeTEX (Protrusion) und LuaTEX (Protrusion, Font Expansion, Tracking), neben verschiedenen anderen Anpassungen

tlmgr: Anpassungen für die leichtere Konguration von multiplen Repositories; mehr Informationen dazu unter
http://tug.org/texlive/doc/tlmgr.html#MULTIPLE-REPOSITORIES.

Plattformen: armhf-linux, mips-irix, i386-netbsd und amd64-netbsd hinzugefügt oder aktualisiert; powerpc-aix entfernt. Für Support von weiteren Plattformen siehe (http://tug.org/texlive/custom-bin.html). Einige Plattformen wurden von der DVD entfernt, um Platz zu sparen, sie sind aber über den netzbasierten Installer verfügbar.

10.12  TEX Live 2014

2014 gab es eine TEX Anpassung durch Donald Knuth, die alle TEX-Engines betraf. Die einzige sichtbare Änderung ist die Wiederherstellung des preloaded format Strings auf der Kommandozeile. Laut Knuth repräsentiert dies das Format, das standardmäig geladen wird anstelle eines in der ausgeführten Datei vorhandenen Formats. Dies kann über verschiedene Wege überschrieben werden.

pdfTEX: ein neuer Parameter, um Warnungen zu unterdrücken
pdfsuppresswarningpagegroup; neue TEX-Primitive für ngierte Zwischenwortabstände (nützlich für PDF Text-Reow): pdfinterwordspaceon, pdfinterwordspaceoff, pdffakespace.

LuaTEX: Signikante Anpassungen und Bugxes gab es beim Font-Lademechanismus und der Silbentrennung. Die gröte Änderung ist das Hinzufügen einer neuen TEX- Engine, luajittex (http://foundry.supelec.fr/projects/luajittex) und ihre Geschwister texluajit und texluajitc. Diese Engine nutzt einen just-in-time Lua compiler (siehe den TUGboat Artikel unter http://tug.org/TUGboat/34-1/tb106scarso.pdf). luajittex bendet sich noch in der Entwicklung, ist noch nicht auf allen Plattformen verfügbar und deutlich instabiler als luatex. Es wird nicht empfohlen, es für den produktiven oder nicht-experimentellen Einsatz zu nutzen!

xeTEX: Die gleichen Bild-Formate werden jetzt auf allen Plattformen unterstützt (inkl. Mac); OpenType Fonts werden Graphite Fonts vorgezogen.

MetaPost: MetaPostunterstützt mit decimal ein neues Zahlensystem, zusammen mit einem internen numberprecision; drawdot wurde in plain.mp neu deniert; verschiedene Bugxes in der SVG und PNG Ausgabe.

Das pstopdf ConTEXt Werkzeug als eigenes Tool wird entfernt werden, da es System-Werkzeuge gleichen Namens gibt. Es kann jedoch noch immer über mtxrun script pstopdf aufgerufen werden.

psutils ist von einem neuen Betreuer gründlich überarbeitet worden. Als Ergebnis sind einige selten genutzte Werkzeuge (fix*, getafm, psmerge, showchar) jetzt im scripts/ Verzeichnis und nicht mehr als ausführbare Dateien vorhanden (bei Problemen kann dies wieder verändert werden). Mit psjoin wurde ein neues Skript hinzugefügt.

Die MacTEX Distribution von TEX Live (section ??) enthält nicht mehr die optionalen Mac-Pakete für die Latin Modern und TEX Gyre Fonts, da sie leicht durch jeden Einzelnen systemweit installiert werden können. Das convert Programm aus der ImageMagick-Suite wurde entfernt, da TEX4ht (genauer tex4ht.env) jetzt Ghostscript direkt nutzt.

Die langcjk Collection für Chinesisch, Japanisch und Koreanisch wurde aus Platzgründen in einzelne Pakete zerlegt.

Plattformen: x86_64-cygwin wurde hinzugefügt, mips-irix entfernt; Microsoft unterstützt Windows XP nicht mehr, daher können TEX Live Programme dort auch Schwierigkeiten bekommen.

Einige Plattformen wurden von der DVD entfernt, um Platz zu sparen, sie sind aber über den netzbasierten Installer verfügbar.

10.13  TEX Live 2015

LATEX2ε lädt jetzt standardmäig Fixes, dis bisher nur über das fixltx2e Paket verfügbar waren. Ein neues latexrelease Paket und andere Mechanismen erlauben eine Kontrolle, was genau geschieht. Die beigefügten LATEX News #22 und LATEX changes Dokumente enthalten die Details. Nebenbei: die babel und psnfss Pakete werden separat entwickelt; sie sind daher von diesen Änderungen nicht betroen.

Intern nutzt LATEX2ε jetzt Unicode-basierte TeX-engine Konguration (welche Zeichen sind Buchstaben, Benamung der TeX primitives, etc.), die bisher Teil von TEX Live waren. Diese Änderung sollte für den normalen Nutzer unsichtbar sein; einige Low-Level Routinen wurden umbenannt oder entfernt, aber das grundsätzliche Verhalten sollte identisch sein.

pdfTEX: unterstützt JPEG Exif genau wie JFIF; erzeugt keine Warnung wenn
pdfinclusionerrorlevel negativ ist; synchronisiert mit xpdf 3.04.

LuaTEX: Neue newtokenlib Bibliothek um Tokens zu scannen, Bugxes im Zufallszahlengenerator und anderen Teilen.

xeTEX: Fixes bei der Verarbeitung von Bildern, interne XDV Op-Codes wurden gewechselt.

MetaPost: Neues Zahlensystem binary; neue, Japanisch unterstützende upmpost und updvitomp Programme, analog zu up*tex.

MacTEX: Updates für das inkludierte Ghostscript Paket für CJK Unterstützung. Das TEX Distribution Einstellungsfenster funktioniert jetzt unter Yosemite (Mac OSX 10.10), und andere Änderungen.

Infrastruktur: das fmtutil Skript wurde reimplementiert um fmtutil.cnf auf einer pro-Baum Basis zu lesen, analog zu updmap. Web2C mktex* Skripte (inklusive mktexlsr, mktextfm, mktexpk) nutzen jetzt bevorzugt Programme in ihrem eigenen Verzeichnis, anstelle der Programme in PATH.

Plattformen: *-kfreebsd wurde entfernt, da TEX Live jetzt über die Systemplattformen leicht verfügbar ist. Unterstützung für zusätzliche Plattformen ist verfügbar über http://tug.org/texlive/custom-bin.html. Zusätzlich wurden einige Plattformen von der DVD (einfach um Platz zu sparen), können aber über das Internet installiert werden.

10.14  Gegenwart (2016)

LuaTEX: Umfassende Anpassungen an Primitives, Umbenennungen als auch Löschungen, zusammen mit Anpassungen an Node-Strukturen. Die Änderungen werden in einem Artikel von Hans Hagen zusammengefasst: "LuaTEX 0.90 backend changes for PDF and more (http://tug.org/TUGboat/tb37-1/tb115hagen-pdf.pdf). Für eine genaue Liste der Änderungen siehe das LuaTEXHandbuch,
texmf-dist/doc/luatex/base/luatex.pdf.

Metafont: neue experimentelle Programme MFlua und MFluajit, die Metafont mit Lua integrieren. Diese Programme sind nur zu Testzwecken enthalten, sie sollten nicht produktiv eingesetzt werden.

MetaPost: Bugxes und interne Vorbereitungen für MetaPost 2.0.

pdfTEX: Nutzt die Umgebungsvariable SOURCE_DATE_EPOCH für Zeitstempel (wenn diese gesetzt ist); neue Primitives pdfinfoomitdate, pdftrailerid,
pdfsuppressptexinfo, um Werte im Output zu kontrollieren, die sich normalerweise bei jedem Lauf ändern. Diese Funktionen laufen nur mit PDF Ausgabe, nicht mit DVI.

SOURCE_DATE_EPOCH Alle TEX-Engines auer LuaLATEX nutzen die Umgebungsvariable SOURCE_DATE_EPOCH, wenn diese gesetzt ist. Wenn auch die Umgebungsvariable SOURCE_DATE_EPOCH_TEX_PRIMITIVES gesetzt ist, wird SOURCE_DATE_EPOCH zur Initialisierung der TEX primitives year, month, day, time genutzt. Beispiele dazu im pdfTEX Handbuch.

XeTEX: Neue Primitives XeTeXhyphenatablelength, XeTeXgenerateactualtext,
XeTeXinterwordspaceshaping, mdfivesum; Zeichenklassenlimit auf 4096 erhöht; DVI id Byte erhöht.

Andere Programme:

  • gregorio ist ein neues Programm für den Satz gregorianischer Choräle, standardmäig in shell_escape_commands enthalten.
  • upmendex ein Programm zur Indexerstellung, grötenteils kompatibel zu makeindex, unterstützt Unicode für die Sortierung
  • afm2tfm makes jetzt nur Akzent-basierte Höhenanpassungen nach oben; eine neue Option -a lässt alle Anpassungen weg.
  • ps2pk kann mit erweiterten PK/GF Fonts umgehen

MacTEX: das TEX Distribution Voreinstellungsfenster wurde entfernt; seine Funktionalität ist jetzt im TeX Live Utility enthalten; GUI Anwendungen wurden aktualisiert; neues Skript cjk-gs-integrate für Nutzer, die CJK Fonts zu Ghostscript hinzufügen möchten.

Infrastruktur: System-level tlmgr Kongurationdateien werden unterstützt; Prüfsummen von Paketen können geprüft werden; sofern PGP vorhanden ist kann die Signatur von Netzwerkupdates geprüft werden (wenn nicht, dann funktionieren Netzwerkupdates wie gewohnt)

Platformen: alpha-linux und mipsel-linux wurden entfernt.

10.15  Zukunft

TEX Live ist nicht perfekt! und wird es auch nie sein. Wir planen, Neuauflagen zu produzieren, die umfangreichere Hilfstexte, mehr Hilfsprogramme, mehr Installationshilfen und (natürlich) den ständig verbesserten und überprüften Satz der Makros und Zeichensätze enthalten. Diese Arbeit wird von Freiwilligen in ihrer knappen Freizeit geleistet. Viel Arbeit steht noch an. Wenn Sie uns helfen können, zögern Sie keine Sekunde, sich bei uns zu melden.

Verbesserungen, Anregungen und Erweiterungen für künftige Ausgaben der TEX Collection senden Sie bitte an:

tex-live@tug.org
http://tug.org/texlive/

Neue Versionen, Anmerkungen und zusätzliches Material werden über die CTAN-Server im Verzeichnis info/texlive zur Verfügung gestellt. Im WWW können Sie sich über die Adresse http://www.tug.org/tex-live/ informieren und die Bestellformalitäten einsehen.